Lautes Organ: Wenn Sanaz Ghorbani schreit, ist sie auch im dichtesten Gewusel auf dem Bürgerfest nicht zu überhören. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Trommlerin der SKG hat beim Drachenbootrennen alles gegeben

Hanau. Man hält es kaum für möglich, welch lautes Organ die kleine, zierliche Frau hat. Doch wenn Sanaz Ghorbani laut wird, dann richtig. Und zwar so, dass sie auch im dichtesten Gewusel am Rande des Bürgerfestes nicht zu überhören ist.

Von Carolin-Christin Czichowski

Kein Wunder also, dass sie nun schon zum achten Mal als Trommlerin beim Drachenbootrennen der Ski- und Kanugesellschaft Hanau (SKG) den Takt angibt. „Eigentlich würde ich gerne mal als Paddlerin an den Start gehen“, sagt die 41-Jährige. „Aber ich darf nicht. Weil ich so laut bin, soll ich immer an die Trommel.“

In diesem Jahr ist Ghorbani im Team „Waldläufer“, das sich rund um Mitglieder des 1. Hanauer Lauftreffs formiert hat. „Die haben mich angeheuert“, sagt Ghorbani. Bislang ist sie immer mit eigenen Teams an den Start gegangen – etwa mit dem reinen Damen-Team „Hot Chili Dragons“ oder mit den „K-Town-Pirates“, mit denen sie dreimal infolge auf Platz eins landete.

Auf dem Treppchen stehen – das ist für die Kesselstädterin, die nicht weit vom Festgelände entfernt wohnt, übrigens auch diesmal der Plan. „Die 'Waldläufer' wurden in den vergangenen Jahren immer Vierter. Diesmal wollen wir mindestens Dritter werden“, sagt Ghorbani kurz vor dem Start des ersten Laufs. Jedes Team muss zweimal ins Boot, die Zeiten der beiden Durchläufe werden am Ende addiert.

Stressigster Teil des Tages

Während sich die Teilnehmer mit Aufwärmübungen und Team-Ansprachen auf den Start vorbereiten, beginnt für Sabine Bender der stressigste Teil des Tages. Sie ist Mitglied der SKG, die seit jeher das Drachenbootrennen im Rahmen des Bürgerfests ausrichtet, und in diesem Jahr zuständig für die Organisation. Mit Funkgerät in der Hand wuselt sie sich durch die Mengen am Mainufer, immer zwischen Start und Ziel hin und her.

„Gleich geht's los“, tönt es aus dem Funkgerät. „Verstanden“, sagt Bender. Sie ist schon seit 9 Uhr morgens auf dem Festgelände, am Abend zuvor war sie auch erst spät zu Hause. „Wir mussten heute morgen den Platz aufräumen, die Boote abholen und die Zeitnahme aufbauen“, sagt Bender. Obwohl das Drachenbootrennen in erster Linie dem Spaß dient, geht hinter den Kulissen alles sehr professionell zu.

„Die Planung und Vorbereitung beginnt eigentlich schon im Januar“, sagt Bender. Es müssen unter anderem Genehmigungen beim Wasser- und Schifffahrtsamt eingeholt und die Boote organisiert werden. Die heiße Phase beginnt dann im Juli. „Ab dann bieten wir den Teilnehmern Trainingsfahrten in unseren Booten an“, erklärt sie. Auch die „Waldläufer“ rund um Sanaz Ghorbani haben sich zu Trainingsfahrten auf der Kinzig und dem Main getroffen. „Etwa sieben Mal“, sagt die 41-Jährige. Sie ist durch Zufall zu dem Randsport gekommen. „Eines abends im 'Roten Löwen'“, sagt sie und lacht. Seitdem fährt sie leidenschaftlich gerne Drachenboot. „Das Mannschaftsgefühl ist ein ganz besonderes.“

16 Teams mit je 20 Teilnehmern

In diesem Jahr gehen beim Drachenbootrennen 16 Teams mit je 20 Teilnehmern an den Start. Pro Mannschaft dürfen bis zu zwei Leute Profis sein. Eine der Profis ist Heike Seikel-Klein. Sie fährt in diesem Jahr im Boot der „THC Dragons“ mit, hat aber auch schon an nationalen und internationalen großen Rennen teilgenommen. „Aber hier beim Bürgerfest geht es eher um den Spaß“, sagt die 50-Jährige. Ihr Team hat die erste von zwei Runden gerade hinter sich. Mit der Zeit, 63,50 Sekunden, ist sie eigentlich sehr zufrieden. „Dafür, dass das Boot fast nur aus Frauen besteht, ist das Ergebnis sehr gut.“ Ambitionen, auf dem Treppchen zu landen, hat sie aber nicht. „Der Spaß und das Miteinander stehen hier im Vordergrund.“

„Ein Team hat kurz vorher abgesagt, aus Krankheitsgründen“, sagt Sabine Bender von der SKG. Auch auf solche unvorhergesehenen Planänderungen muss reagiert werden. Auch auf das Wetter haben die Organisatoren natürlich keinen Einfluss. „In den vergangenen Jahren hatten wir eigentlich nie schlechtes Wetter“, sagt Bender mit Blick zum wolkenbehangenen Himmel. Es regnet schon den ganzen Tag, nur für den Nachmittag sind ein paar trockene Phasen angekündigt. „Ich hoffe nur, dass es nicht gewittert. Denn dann dürfen wir keine Boote aufs Wasser schicken.“

Am Ende ist aber alles glatt gelaufen, es hat nicht gewittert und auch der Regen hat am Nachmittag aufgehört. Die „Waldläufer“ rund um Sanaz Ghorbani haben ihr Ziel verpasst – am Ende wurde es der achte von 16 Plätzen. „Natürlich waren wir enttäuscht, doch gefeiert haben wir trotzdem noch“, sagt sie am Tag danach mit heiserer Stimme. Platz 1 belegten die X-Dragons, Viactiv purple Dragons sicherten sich den zweiten Platz und die Großauheimer Paddelpezzer kamen auf Platz 3.

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