Der Kölner Tobi Freudenthal (links) sicherte sich im Kleinkunst-Wettstreit den Sieg im Comedy Slam. Doch auch Peter Kunz (rechts oben) überzeugte, während Moderator Thomas Nicolai durch den Abend führte. Er und Carola Odenwäller von der Stadt Hanau losten die Reihenfolge aus. Fotos: A. Pauly

Hanau

Tobi Freudenthal siegt beim zweiten Hanauer Comedy Slam

Hanau. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr hieß es „Bühne frei“ für den zweiten Hanauer Comedy Slam in Hanaus traditionsreicher Szenekneipe, dem „Brückenkopf“, organisiert vom Veranstaltungsbüro der Stadt in Kooperation mit dem KUZ-Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation.

Von Andrea Pauly

Fünf Kleinkünstler und Newcomer aus ganz Deutschland boten Auszüge aus ihrem Schaffen, und das bunt gemischte Publikum bewertete diese mit seinem Applaus, sodass am Ende des Abends ein Comedy-Sieger eindeutig feststand.

Bernd Michel vom Veranstaltungsbüro freute sich in seiner Begrüßung über das volle Haus, und auch den Gästen schien das Format im ausverkauften „Brückenkopf“ richtig Spaß zu bereiten. Zwischenbeifall, viel Gelächter und entspannte Gesichter dokumentierten dies.

„Daher kommt mein türkischer Akzent“

Etliche der Zuschauer waren bereits früher gekommen, um noch das eine oder andere leckere Gericht von der Speisekarte zu genießen, bevor der bekannte und mehrfach ausgezeichnete Schauspieler und Comedian Thomas Nicolai seinen Platz als Moderator auf der kleinen Bühne raumfüllend einnahm und die Comedy-Fans mit wohl dosierten Gags als Werbungsparodist in Stimmung brachte.

Nach der Auslosung der Reihenfolge machte der aus Südkorea stammende Jason Lee den Auftakt, indem er direkt „aufklärte“, nicht der uneheliche Enkelsohn von Bruce Lee zu sein. Er sei in Hanau zur Schule gegangen – „Daher kommt mein türkischer Akzent“ – und habe als Asiate hier in Deutschland mit einer Menge Vorurteilen zu kämpfen, so Lee. „Immer, wenn in der Nachbarschaft ein Haustier vermisst wird, klingeln sie bei mir“ erzählte er dann mit Unschuldsmiene und bediente während seines Auftritts gängige Klischees in der westeuropäischen Vorstellung von Asien und seinen Bewohnern.

Banale Alltagsgeschichten und Promi-Imitationen

Zwischen den einzelnen Vorträgen gab Comedian Thomas Nicolai Kostproben seines Könnens, so zum Beispiel mit einer umwerfend witzigen Nummer über eine Promi-WG, bei der er vortrefflich Udo Lindenberg, Martin Semmelrogge, Klaus Kinski und einige andere imitierte und persiflierte.

Der folgende Stand Up-Comedian Nizar nahm sich erstmal selbst aufs Korn. Seine „Körperkleinheit“ kommentierte er damit, dass er aus dem Auenland stamme, aus dem Land der Hobbits, und zu 90 Prozent aus Behaarung und zu zehn Prozent aus Mensch bestehe. Der deutsche Komiker bestach nicht nur durch seine Gags und sein herzliches Lachen. Auch seine Analysen der Beziehungen zwischen Frauen und Männern kamen gut an beim Publikum. Der Kölner Tobi Freudenthal gefiel mit seinen auf den ersten Blick banalen Alltagsgeschichten und absurden Interpretationen von Wahrgenommenem. Der Schnellsprecher hatte das Publikum binnen eines kurzen Moments schon auf seiner Seite und entschied diese Slam-Runde für sich.

Sieg für Freudenthal

Nach der Pause brachte Peter Kunz messerscharf beobachtete Blödeleien auf die Bühne. Der 48-Jährige ist ein alter Hase am Mikrofon, sei es als Radio-Moderator oder Stadionsprecher beim SV Darmstadt 98. Egal, ob beim Türken-Frisör, auf Kreuzfahrt oder im Homeoffice – Kunz ging mit dem Alltag amüsant ins Gericht – immer nach dem Motto „Akzeptanz durch Penetranz”.

Den letzten Auftritt der reinen Männerrunde – Comedienne Nelly Amiri war leider nicht gekommen – gestaltete der Hanauer Mario Wendler, der sich selbst als Single-Dad beschrieb, der wieder eine Frau sucht. Er schien nicht zufrieden mit den etwas verhaltenen Reaktionen und Beifallsbekundungen der Zuschauer, die er schließlich als „Gnadenapplaus“ klassifizierte. Diese Runde ging also an Peter Kunz, der dann in der Stichrunde gegen Tobi Freudenthal unterlag, der sich verdienterweise den Sieg beim zweiten Hanauer Comedy Slam sicherte – einem Format, das am 1. Februar in die dritte Runde gehen wird.

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