Schwimmlehrer: Wenn John David Kraft mit dem gelähmten Terriermischling "Benny" zur Wassertherapie geht, hüpft er auch mal selbst in den Teich. Foto: Holger Hackendahl

Großauheim

Tierrefugium am Neuwirtshaus hat jetzt einen Hunde-Schwimmteich

Großauheim. Das Tierrefugium am Großauheimer Neuwirtshaus kann nun einen Hunde-Schwimmteich sein Eigen nennen. Für Drane Pepaj und John David Kraft, das Betreiberpaar des Gnadenhofs, geht mit dem Gewässer ein echter Traum in Erfüllung.

Von Holger Hackendahl

„Einen Schwimmteich für unsere älteren und gehandicapten Hunde – das haben wir uns immer schon gewünscht“, sagt das Betreiberpaar des Tierrefugiums Hanau. Eigentlich war der Teich wegen der hohen Baukosten von mindestens 20 000 Euro nicht realisierbar. Durch einen Zufall traf das Ehepaar auf Ralph Dressler, einen Landschaftsgärtner aus dem unterfränkischen Großostheim. Und im Juni wurde der Traum wahr.

„Wir haben ihm einen unserer Hunde vermittelt. Bei der Vorbesichtigung für den zu vermittelnden Hund saß Drane bei ihm im Garten, sah auf dessen Teich und sagte, dass wir einen Teich für die Hunde auch gern hätten“, erzählt John David Kraft, Pepajs Ehemann und gleichzeitig Vorsitzender des Hanauer Tierrefugiums. „Und plötzlich sagte er Drane – völlig unverhofft und überraschend: 'Den baue ich euch – umsonst!'“

Nach fünf Arbeitstagen konnte der Teich eingeweiht werden

Gesagt – getan. Der Gnadenhof musste lediglich die Materialkosten stemmen – zirka 3000 Euro. „Früher arbeiteten wir in Assisi, im Norden Italiens in einem Tierschutzprojekt – einer ehemaligen Mühle an einem Bach gelegen. Wir waren erstaunt, wie schnell Angsthunde und zurückhaltende Hunde beim Spielen im Wasser ihre Angst verlieren. Sie sind völlig unbeschwert und ausgelassen, sobald sie im Wasser tollen“, erinnert sich Kraft noch gut. „Deswegen hatten wir immer den Wunsch nach einem Schwimmteich für unsere Hunde, vor allem nach dem extrem heißen und trockenen Sommer 2018“, berichtet Kraft. Im Vorjahr musste die Spielmuschel zum Abkühlen für die Hunde fast im Stundentakt mit Wasser neu befüllt werden – das Wasser darin wurde schnell warm.

Nach Ralph Dresslers Zusage für den Teichbau ging es auch schon bald los. „In fünf Arbeitstagen haben wir den Teich auf dem Gelände des Hundeauslaufs gebaut. Zwei Tage Erdaushub, ein Tag für das Auslegen der Teichfolie, ein weiterer Tag zum Aufschütten des Sandes und für die Bepflanzung sowie ein Tag, um den Bauchlauf zu gestalten“, blickt Kraft zurück.

Etliche ehrenamtliche Helfer und Sponsoren unterstützten das Projekt

„Die Steine für den Bachlauf haben wir aus einem Sandstein-Steinbruch in Sailauf im Spessart geholt.“ Der Teich wurde mit Wasserpflanzen bepflanzt. „Der zwei Meter hohe Hügel wurde bienenfreundlich mit Pflanzen und Kräutern wie Sonnenblumen, Basilikum, Thymian und Minze bepflanzt“, sagt der Tierrefugiumsvorsitzende.

„Bei der Bepflanzung hat uns Susanne Steinbrecher, Ralphs Freundin, geholfen und viel Zeit investiert. Sie hat auch mitgeholfen, Seerosen, Lilien, Lobelia und Iris im Teich zu pflanzen.“ Mitgeholfen beim Bau des maximal 1,20 Meter tiefen Teichs, der einen UV-Filter hat und mit zwölf Metern Durchmesser ein ganzes Stück größer ist, als Kraft selbst es erwartet hatte, haben zudem etliche ehrenamtliche Helfer. Firmen sponserten unter anderem den Maschineneinsatz. Als „Teich-Testhunde“ durften Anfang Juni „Max“ und „Milu“ als erste Vierbeiner den Einstieg, ein seichter mit Kies versehener Flachwasserbereich, testen. „Wir müssen aber noch aufpassen, bis die Pflanzen verwurzelt sind, nicht dass die Hunde die Pflanzen beim Spielen rausziehen.“

Rehabilitation, Therapie und Entspannung

Und es ist so wie damals in Italien: „Im Wasser verlieren die Hunde ihre Ängste. Sie fangen an zu spielen, kommen aus sich heraus und toben völlig ausgelassen herum“, hat Drane festgestellt. „In Vierer- und Fünfergruppen lassen wir sie auf das Teichareal. Dann gibt es Halligalli, sie stehen am Bachlauf, fangen an zu spielen, sind ausgelassen, fühlen sich unbeobachtet – sind einfach happy. Der Teich ist Entspannung und Wellness für die Hunde“, freut sich Drane. Und auch der dreijährige Terriermischling „Benny“, dessen beide Hinterläufe gelähmt sind, darf aus seinem Rollstuhl raus und in den Teich. Er bekommt zweimal in der Woche – eine Hundeschwimmweste verleiht ihm dabei Stabilität – Wassertherapie. „Hundephysiotherapeutin Julia Röll macht mit ihm Wassergymnastik, um seine Muskulatur zu stärken“, erläutert Kraft. „Als Ende Juni wieder enorme Hitze herrschte, konnten sich die Hunde abkühlen. Mit dem Schwimmteich für Hunde haben wir auf dem Gnadenhof jetzt alles – wir sind total happy“, freut sich Kraft.

Den Teich wird er den Gästen beim Sommerfest am kommenden Samstag, 3. August (12 bis 18 Uhr), vorstellen. Jede Menge Infostände von Tierschutzorganisationen, ein Flohmarkt sowie vegetarisch-vegane Speisen sorgen dann für viel Abwechslung. Vom Erlös des Sommerfests werden die nicht unerheblichen Tierarzt- und Futterkosten der auf dem Gnadenhof lebenden Tiere finanziert.

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