Monteur Bajram Dzaferi bringt die Zeiger in Position. Noch sind sie sicher verpackt, um das Blattgold nicht zu beschädigen. Foto. Mike Bender

Hanau

Sie tickt wieder! Rathaus-Uhr erfolgreich saniert und eingebaut

Hanau. Der Anhänger, der am Dienstagmorgen vor dem Neustädter Rathaus auf dem Marktplatz steht, hat wertvolle Fracht geladen. Noch ist die Ware sorgsam verpackt. Zum Schutz mit Kartonage und Folie umwickelt und mit Zurrgurten gesichert.

Von Kerstin Biehl

Zoran Udovicic und Bajram Dzaferi ziehen den Hänger per Hand zur Rathausrückseite. Wuchten das erste Paket vom Hänger. „Vielleicht können wir sie schon größtenteils hier unten auspacken“, sagt Dzaferi. Sein Kollege schaut prüfend, wirft einen Blick durch die Verpackung. Was er sieht, sind die beiden Ziffernblätter der Uhr des Neustädter Rathauses.

Fast fünf Monate waren die gigantischen Ziffernblätter demontiert. Bei der Firma Perrot Turmuhren und Läuteanlagen im Baden-Württembergischen Calw wurden sie in dieser Zeit saniert. Der dortige Serviceleiter, Uwe Peters, informiert telefonisch über das, was dort mit der Uhr passiert ist: „Wir haben die Glasscheiben abgenommen, das Ziffernblatt sandgestrahlt um damit den alten Lack abzubekommen. Dann wurde neu grundiert und zweimal lackiert“.

Die Rathausuhr ist an ihren angestammten Platz zurückgekehrt. Foto: Mike Bender

Statt der Glasscheibe liegt jetzt Plexiglas über den Ziffernblättern. Das ist nicht nur leichter, die Ziffernblätter sind dadurch auch besser zu montieren. 6500 Euro hat die Restaurierung gekostet.

Jetzt ist es an den beiden Elektormechanikermonteuren, die jeweils 60 Kilo schweren gusseisernen Kolosse wieder am Rathausturm anzubringen. Und natürlich die Zeiger. Die holt Udovicic frisch gestärkt und neu vergoldet aus dem Kofferraum. Schwer liegt der Minutenzeiger in der Hand; geschätzt ist er mindestens einen halben Meter lang.

Mit dem Lastenaufzug schweben die Ziffernblätter nach oben. Dort ist rund um das Dach eine Gerüstplattform gebaut. Ein schöner Arbeitsplatz, könnte man meinen. Doch den Ausblick können die beiden Monteure nicht genießen. Für sie heißt es jetzt, die Ziffernblätter auch noch die letzten Höhenmeter bis zum Turm hochzuwuchten.

Ziffernblatt ist 60 Kilo schwer

Keine einfache Aufgabe, immerhin haben sie einen Durchmesser von mindestens 160 Zentimetern. Und der Weg ist steil. Eine Treppe gibt es nicht. Lediglich eine, an das Dach angelehnte Leiter, hilft beim Überwinden der letzten Meter.

Jedes Ziffernblatt hat einen neuen Motor bekommen. Auch der muss natürlich mit hoch. Die beiden runden Aussparungen, in die die Zifferblätter eingesetzt werden, sind deutlich zu sehen. Ein Zimmermann hat den Einbau soweit vorbereitet.

Hier oben, hoch über der Stadt, ist vom bunten Treiben, das unten herrscht, wenig zu spüren. Hier ist es ruhig. Die Monteure können konzentriert arbeiten. Einzig die Herbstsonne brennt und treibt den Schweiß auf die Stirn. An sechs Stellen müssen die Ziffernblätter befestigt werden. Später werden die Zeiger noch von Hand auf 12 Uhr ‧gestellt. „Man darf sie nur mit Handschuhen anfassen. Unsere Fingerabdrücke würden auf dem Blattgold weiße Abdrücke hinterlassen“, sagt Udovicic.

Sobald alles fertig ist, wird er die Uhr per Funk programmieren. „Wenn alles klappt, läuft sie heute wieder.“ Der Monteur ist zuversichtlich, dass das gegen Nachmittag der Fall sein wird.

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