Für viele Reisende war die Insolvenz von Thomas Cook ein großer Schock. Symbolfoto: Pixabay

Hanau

Thomas-Cook-Insolvenz: Wie die Reisebüros die Auswirkungen spüren

Region Hanau. Als Ende September auch die deutsche Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook mit Sitz in Oberursel Insolvenz beantragen musste, klingelten daraufhin nicht nur bei Anlegern, Politikern und Angehörigen von gestrandeten Urlaubern die Telefone Sturm.

Von Lennart Nickel

Gerade bei den vermittelnden Reisebüros verursachte diese außerordentliche Situation Chaos und Aufklärungsbedarf.

„Der Insolvenzantrag ist für uns erst einmal ein Riesenschlag gewesen,“ berichtet Dennis Krug, der als Geschäftsführer von Reisewelt Teiser undamp; Hüter tätig ist. Das Neuhofer Reiseunternehmen vermittelt Urlaube im Stile eines Reisebüros, das Hauptaugenmerk der Firma liegt jedoch auf eigens veranstalteten Reisen weltweit. Auch viele Hanauer haben schon Reisen über das Neuhofer Unternehmen gebucht.

Unsicherheit bei vielen Reisenden

Seit zwölf Jahren ist Dennis Krug dort tätig, dementsprechend gut kennt er die Branche und hat sich bereit erklärt, die Auswirkungen der Thomas Cook-Insolvenz auf hiesige Reisebüros- und Veranstalter aus Expertensicht zu beleuchten.

„Es herrschte viel Unsicherheit, nicht nur bei Thomas Cook-Gästen,“ erzählt Krug und erinnert sich, dass seitdem auch die Insolvenz der deutschen Töchter des britischen Reisegiganten im Raum stand, viel Beratungsleistung nötig war, um den Reisenden, beziehungsweise denen, die vorhatten zu reisen, Sicherheit zu geben.

Viele Überstunden

Kein Wunder, denn erst einmal war nicht klar, was ein solcher Insolvenzantrag für die Kunden der verschiedenen involvierten Anbieter wie beispielsweise Neckermann Reisen und Öger Tours, bedeutet.

„Wir haben viele Überstunden in die Beratung der Gäste investiert, dabei kam alles vor: Nicht mitgenommene Gäste, Gäste, die in Hotels zu Nachzahlungen aufgefordert wurden und auch Gäste, deren bevorstehende Reisen abgesagt wurden,“ erzählt der Geschäftsführer, der sich mitsamt dem Team von Teiser undamp; Hüter zu der Zeit keinesfalls Sorgen über ereignisarme Arbeitstage machen musste.

Schwer abzuschätzen ob Versicherungssumme reicht

Einen Nutzen – sozusagen – hatte die Verkündung der In-solvenz doch, jedenfalls für die Reisenden. Dadurch war zumindest klar, dass für über deutsche Unternehmen gebuchte Reisen die Insolvenzversicherung greifen würde. Der Versicherer von Thomas Cook Deutschland, Zurich, hat den Dienstleister Kaera AG beauftragt, Ansprüche von betroffenen Touristen abzuwickeln. „Den Antrag müssend die Gäste schon selbst einreichen, aber wir stehen dabei beratend zur Seite,“ sagt Dennis Krug.

Allerdings besteht der Versicherungstopf nur aus einem Maximalhaftungsbetrag von 110 Millionen Euro pro Veranstalter und Geschäftsjahr. Krug betont, dass es schwer sei abzuschätzen, ob diese Summe ausreicht und mahnt dazu, abzuwarten.

Auswirkungen auch auf das Angebot der Reisebüros

Vor wenigen Tagen erst und nach dem Gespräch mit Dennis Krug, informierte die Kaera AG betroffene Thomas Cook-Kunden, die einen Ersatzanspruch gestellt haben, in einem Brief über den aktuellen Stand. Demnach gehe auch der Dienstleister aktuell davon aus, dass die genannten 110 Millionen Euro „bei weitem nicht ausreichen“ werden.

Doch nicht nur für Hotels, Fluggesellschaften und zurecht enttäuschte Urlauber verursacht der Insolvenzantrag von Thomas Cook finanzielle Einbußen. Als ehemalig zweitwichtigstes Reiseunternehmen waren Thomas-Cook-Reisen elementarer Bestandteil des Angebots, das die Reisebüros vermitteln.

Offene Fragen innerhalb des Tourismus

Auch Teiser undamp; Hüter habe einen relevanten Anteil dieser Reisen im Angebot gehabt, so Krug. Aber da die Neuhofer eben mehrheitlich auf eigenveranstaltete Reisen setzen, sei das Problem bei Ihnen kleiner, als bei Reisebüros die verstärkt mit Thomas Cook zusammengearbeitet haben. „Der finanzielle Verlust ist nicht unerheblich, aber wir stehen auf vielen Füßen,“ bilanziert der Geschäftsführer die Lage bei Teiser undamp; Hüter.

Es bleibt die Frage, wie es nun mit Thomas Cook, aber ebenso dem Pauschalreisen-Tourismus per se weitergeht. Erst vor wenigen Tagen ließ Thomas Cook in einer Pressemitteilung verlauten, dass nun bisher nicht abgesagten Reisen, die bis zum 31. Dezember hätten stattfinden sollen, nicht durchgeführt werden.

Pauschalreisen-Konzept sei nicht in Gefahr

Dass dahingehend nun Gewissheit herrscht, beruhigt Krug, eine Vorhersage in die weitere Zukunft will er aber nicht tätigen. „Dafür bräuchte ich eine Kristallkugel,“ sagt er und erwähnt die derzeitig stattfindenden Turbulenzen auf dem Pauschalreisen-Markt. Die Preisentwicklung sei derzeit schlimmer als an der Börse, und zwar in beide Richtungen.

Das Konzept der Pauschalreisen sieht Krug jedoch nicht in Gefahr, denn eigentlich sei die rechtliche Absicherung für Kunden sehr gut und das Gesamtkonzept funktioniere.

Langfristige Folgen unsicher

Eines ist sicher. Der Markt der Reiseveranstalter wird sich verändern. „Ich kenne natürlich die betriebswirtschaftlichen Hintergründe nicht, weshalb es schwierig einzuschätzen ist, aber eventuell hat Thomas Cook die Zeichen der Zeit nicht erkannt,“ antwortet Krug auf die Frage, welche Ursachen hinter der Insolvenz des Reise-Riesen stecken könnten.

Fest steht, dass auch in der nächsten Saison Pauschalreisen angeboten werden. Nur: Wie genau der Markt ohne Thomas Cook aussehen wird, und was die langfristigen Folgen für die hiesigen Reisebüros- und Veranstalter sind, ist so unsicher wie ein reich bestücktes Frühstücksbüfett für Langschläfer im All-Inclusive-Urlaub.

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