Familie Neubauer, das sind Mama Anja, Papa Marcel und die beiden Töchter Nina und Flora. Foto: Axel Häsler

Hanau

Themenschwerpunkt Kinderbetreuung: "Kinder gehören unter Kinder"

Hanau. Als Anja Neubauer vor vier Jahren nach Hanau gezogen ist, kam sie der Liebe wegen. Ihr Mann Marcel wohnte in der Grimmstadt und das junge Paar entschied sich dafür, hier den Lebensmittelpunkt hinzulegen. Neubauer war damals mit ihrem ersten Kind schwanger.

Von Kerstin Biehl

Für die junge Frau stand fest, dass sie ihre Tochter Nina, die mittlerweile vier Jahre alt ist, mit rund einem Jahr in die Betreuung geben wollte. „Kinder gehören unter Kinder“, das ist ihre Meinung. Denn: Das, was eine Kindertagesstätte ihren Kindern bietet, könne sie einfach nicht.

„Wir sind damals mehrgleisig gefahren, um überhaupt einen Betreuungsplatz zu bekommen“, erinnert sich die 33-Jährige. Untergekommen ist ihre Tochter schließlich im Familienzentrumder Kathinka-Platzhoff-Stiftung. Zehn Monate war Nina da alt.

Und auch Neubauers zweites Kind Flora, die im Mai zwei Jahre alt wird, wird fremdbetreut. Derzeit geht sie noch zu einer Tagesmutter, ab Juni wird sie, wie ihre Schwester, das Familienzentrum der Kathinka-Platzhoff-Stiftung im Rodenbacher Weg besuchen.

Was Eltern heute von der Betreuung in einer Kindertagesstätte erwarten

Für Familie Neubauer gehört eine frühkindliche Betreuung zwingend zu den Anforderungen, die sie an die Kindertagesbetreuung in der heutigen Zeit stellen. Denn beide Eltern sind berufstätig. Papa Marcel arbeitet bei Heraeus, Mama Anja ist in Teilzeit an der Uni Frankfurt als Koordinatorin für ein Forschungsprojekt tätig.

Welche Ansprüche die Familie außerdem an Kindertagesbetreuung hat, skizzieren wir anhand der Aussagen von Anja Neubauer im Folgenden anhand von Schlagworten.

Kontakt zu anderen Kindern (Sozialverhalten)

Ein enorm wichtiger Punkt. Kinder gehören meiner Meinung nach unter Kinder. Das, was eine Kita meinen Kindern bieten kann, kann ich ihnen nicht bieten: Den Kontakt zu anderen Kindern. Das gemeinsame Einnehmen von Mahlzeiten. Dadurch wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Erziehungsaufgaben

Für mich stehen da natürlich in erster Linie die Eltern, aber auch die Kita in der Pflicht. Vieles ist Elternsache, wie beispielsweise das Zähneputzen oder die Tischmanieren. Oder das 'Bitte und Danke' sagen. Daran sollte in der Kita aber angeknüpft werden. Also die Fortführung von dem, was man versucht, zu Hause zu vermitteln, der Ausbau des Kompetenzerwerbs, zu dem auch Schuhe binden oder Anziehen gehören.

Übergabe

Bei der Übergabe der Kinder am Morgen und am Nachmittag muss auf eventuelle Vorkommnisse hingewiesen werden. Wenn sich mein Kind beispielsweise während des Kita-Tags eine Verletzung zugezogen hat, so muss ich das natürlich wissen. Bei uns in der Kita gibt es eine Tafel, auf der so etwas vermerkt wird.

Dort wird eigentlich ziemlich gut widergespiegelt, wer sich den Tag über womit beschäftigt hat. Außerdem gibt es einen sogenannten Portfolioordner, in dem viele Informationen über die Entwicklung der Kinder festgehalten werden. Wichtig ist es, dass Kinder dort abgeholt werden, wo ihr Entwicklungsstand ist.

Betreuungszeiten

In unserer Kita, dem Familienzentrum der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, gibt es im Vergleich zu städtischen Kitas erweiterte Öffnungszeiten. Arbeitet man im Schichtdienst oder hat seine Arbeitsstelle nicht hier in Hanau, nimmt man eine mögliche ‧Betreuungszeit von 6.30 bis 18.30 Uhr dankbar an.

Beiträge

Die Kosten für die Kinderbetreuung sind im Familienzentrum gleich denen der städtischen Kitas. Dieses Konzept finde ich positiv.

Wohnortnähe

Für uns sehr wichtig und im Familienzentrum auch gegeben.

Erziehungshilfe/Austausch

Wenn ich in Erziehungsfragen nicht weiter komme, dann hole ich mir gerne Rat bei einer Erzieherin. Ich finde einen regen Austausch enorm wichtig.

Schließzeiten

Diesbezüglich sind wir sehr verwöhnt. Unsere Kita ist ‧lediglich Ende der hessi‧schen Sommerferien fürzwei Wochen geschlossen. Hinzu kommen individuelle Schließtage, beispielsweise für die Weiterbildung der Erzieher, auf die man dann flexibel reagieren muss. Meist werden diese zwei bis drei Wochen vorher angekündigt.

Da wir ein Kind in der Kita und ein Kind bei einer Tagesmutter haben, haben wir natürlich unterschiedliche Schließzeiten. Eine Tagesmutter in Hanau hat 20 Urlaubstage plus die Schließzeit zwischen Weihnachten und Silvester sowie Fortbildungstage. Für uns ist es eine Herausforderung, das alles abzudecken.

Betreuungsschlüssel

In dieser Beziehung sind wir mit unserer Kita sehr zufrieden. Auf 15 Kinder kommen bei uns drei bis vier Erzieher oder Auszubildende. Das finde ich sehr gut. Insgesamt gibt es in der Kita vier Gruppen mit 60 Kindern.

Frühkindliche Bildung

Ich bin kein Freund von frühkindlicher Bildung, von daher ist mir das im Rahmen einer Kita-Betreuung auch nicht wichtig. Ich finde, dass so etwas, wenn, vom Kind selbst kommen muss. Viel wichtiger finde ich es, dass meine Kinder in der Kita jeden Tag an der frischen Luft sind, dass die Kita über ein großes Freigelände verfügt oder dass Spaziergänge angeboten werden.

Pädagogisches Konzept

Unsere Erzieher gehen gezielt auf den Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes ein. Es gibt verschiedene Räume für verschiedene Bedürfnisse, wie Turnraum oder Tanzraum und ein spezielles Turnangebot oder einen Waldtag. Gut finde ich auch die gemischten Gruppen, in denen Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren sind.

Lesen Sie am Samstag, den 8. Juni:

  • Das könnte besser laufen: Eine Hanauer Familie erzählt
  • Soll Kita umsonst sein? Pro und Contra (Samstag, 8. Juni)

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