Erzieher müssen mehr können als nur Basteln und Malen: Das lernen sie in einer mehrjährigen Ausbildung. Symbolfoto: Pixabay

Hanau

Themenschwerpunkt Kinderbetreuung: EKS bietet bezahlte Ausbildung

Hanau. Der Erzieherberuf braucht Nachwuchs. Dieser wird unter anderem an der Hanauer Eugen-Kaiser-Schule (EKS) ausgebildet. Aber bis jemand sich „Fachkraft in Kindertageseinrichtungen“ nennen darf, ist ein langer und sehr individueller Weg nötig.

Von Monica Bielesch

Rund 360 angehende Erzieherinnen und Erzieher in insgesamt elf Klassen werden aktuell an der Eugen-Kaiser-Schule (EKS) ausgebildet. Möglich ist diese Ausbildung in der Abteilung Fachschule für Sozialwesen in Vollzeit oder in Teilzeit.

„Durch das vielfältige Tätigkeitsfeld ist eine breite Ausbildung notwendig und das wiederum führt zu einer Vielfalt bei den Fachschulen“, sagt der zuständige Abteilungsleiter bei der EKS, Werner Mohrhardt. Zwar arbeiten rund 72 Prozent der EKS-Erzieher-Absolventen im Elementarbereich, sprich in der Betreuung von Kindern zwischen Null und zehn Jahren. Aber die Ausbildung bereitet eben auch auf Jobs in der Jugendhilfe, in der Behindertenarbeit oder zunehmend auch für die Gerontagogik (Alterspädagogik) vor.

Lerninhalte auf Bachelor-Niveau

Seit drei Jahren ist die Erzieherausbildung bundesweit einheitlich geregelt, vorher hatten die Länder jeweils eigene Vorgaben. Deutschland hat die Erzieherausbildung auf Fachschulniveau gelassen, das ist im Rest Europas anders. Ob in Finnland, Italien oder Frankreich: Dort bedarf es eines Studiums, um Erzieher zu werden. Trotzdem entsprechen die Lerninhalte in Deutschland – und also auch an der EKS – dem Bachelor-Niveau.

Wer Erzieher werden möchte, hat also vielfältige Möglichkeiten sein Ziel zu erreichen. Die Gängigste: Mit einem Realschulabschluss oder Abitur muss der Kandidat erst eine zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten machen. Oder eine andere gleichwertige berufliche Vorbildung vorweisen. Dann kann die Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher an der Fachschule für Sozialwesen mit Schwerpunkt Sozialpädagogik in Hanau starten.

Ausbildungsvergütung ab dem ersten Tag

Die dauert dann drei Jahre. eine Zeit, in der die Auszubildenden kein Geld erhalten. Zwei Jahre Schule und ein Abschlussjahr Berufspraktikum. Für viele, die vorher schon zwei Jahre die Ausbildung zum Sozialassistenten hinter sich haben, sind jedoch weitere drei Jahre ohne Bezahlung schwer zu schaffen, weiß Mohrhardt.

Seit vier Jahren bietet die EKS daher eine Kooperative Teilzeitausbildung für Erzieher an. „Diese Ausbildung soll Quereinsteiger ansprechen, die Zugangsvoraussetzungen sind sehr vielfältig“, erklärt Mohrhardt. Mögliche Berufserfahrung in einem Freiwilligen Sozialen Jahr, im Rahmen eine Bundesfreiwilligendienstes oder auch Kindererziehungszeiten werden hier angerechnet. „Das macht es sehr komplex“, gibt Mohrhardt zu. Trotzdem ist diese Teilzeitausbildung überaus beliebt, denn hier gibt es vom ersten Tag an eine Ausbildungsvergütung für die Studierenden.

Dreieinhalb Jahre Ausbildungszeitraum

In diesem Jahr lagen der EKS rund 270 Bewerbungen für die Teilzeit-Erzieherausbildung vor. „Davon sind rund 200 Seiteneinsteiger“, berichtet Mohrhardt. Die Altersspanne der Kandidaten geht von 18 bis 58 Jahre. Bei dem neuen Modell sind die Studierenden von Beginn an zwei Tage in der Woche in einem Kooperationsbetrieb, schließen auch einen Arbeitsvertrag mit dem jeweiligen Träger ab. Und dieser Träger zahlt auch die Vergütung. Insgesamt dauert diese Ausbildung dreieinhalb Jahre.

Hatte die EKS zu Beginn des Teilzeit-Modells noch zwei Träger, mit denen sie kooperierte, sind es heute über 40. Das sind vor allem die Kommunen aus der Region, aus Maintal, Hanau, Bruchköbel oder Langenselbold, berichtet Mohrhardt, aber auch kirchliche Träger oder welche aus dem Ostkreis von Offenbach. „Wir haben aktuell vermehrt Anfragen von Frankfurter Trägern.“

Werner Mohrhardt, Abteilungsleiter an der Eugen-Kaiser-Schule, sieht vielfältige Betätigungsfelder für Erzieher- vom Elementarbereich bis hin zur Pädagogik für Senioren. Foto: Monica Bielesch

Personalnot in Großstädten besonders groß

Die Vorteile der Teilzeitausbildung seien, dass die Studierenden von Beginn an in einer Einrichtung arbeiten könnten. „Sie kommen schneller im Betrieb an und können viel schneller handlungsorientierter arbeiten.“ Mittelfristig, so Mohrhardt, werde die bezahlte Erzieher-Ausbildung kommen. Die Inhalte müssten allerdings das Bachelor-Niveau halten. Die Ausbildungsvergütung würde sich beispielsweise bei den kommunalen Trägern an der Bezahlung von Verwaltungsfachangestellten orientieren. Je nach Stufe sind das 750 bis 900 Euro im Monat.

Als staatlich anerkannter Erzieher können die Absolventen ein Einstiegsgehalt zwischen 2800 und 3000 Euro erwarten. Frankfurt zahle sogar bis zu 3100 Euro als Anfangsgehalt, München bietet auf seinen Internetseiten 3200 Euro für Berufsanfänger. Denn in den Großstädten ist die Personalnot an den Betreuungseinrichtungen besonders hoch.

90 000 Erziehende in Ausbildung

Und der Bedarf wird weiter steigen. Rund 30 Prozent der heutigen Erzieherinnen sind laut Mohrhardt 50 Jahre und älter. Und Studien zufolgen arbeiten die meisten älteren Erzieherinnen eher in Teilzeit. „Das heißt, wir müssen die Ausbildungskapazitäten noch weiter ausbauen.“

Denn laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind gegenwärtig rund 90 000 Erzieherinnen und Erzieher in der Ausbildung. Zirka 30 000 erhalten jährlich die Staatliche Anerkennung. Damit hat sich die Anzahl der Studierenden in den vergangenen Jahren um 80 Prozent erhöht und die Zahlen steigen bundesweit weiterhin an.

Aktuelle Berechnungen des Bundesministeriums für Familien zeigen: Die Personallücke in der Frühen Bildung (Kita­ und Grundschulkinder) wird bis zum Jahr 2025 bis zu 191.000 Erzieherinnen und Erzieher betragen. Im Jahr 2030 werden sogar bis zu 199.000 Erzieher-Fachkräfte fehlen.

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