Das Ensemble (stehend, von links): Christian Nabroth, Gertrud Paech, Judith Gerner, Elke Rink, Denis Kadiric, Joachim Paech und Lothar Hain; (hockend, von links) Stefan Ille, Barbara Kaczmarek und Babatte Gauer. Foto: Gabriele Reinartz

Hanau

Theater Stückgut führt ab Ende Februar wieder Loriot-Abend auf

Hanau. Es ist Mittwochabend. Draußen ist es sehr kalt, ein nasser Schneeregen geht herunter. Kaum jemand ist auf der Straße zu sehen. Im Untergeschoss des Nachbarschaftshauses Am Tümpelgarten 21 in Hanau geht es dagegen ziemlich geschäftig zu. Denn hier probt das Theater Stückgut eifrig für den Loriot-Sketch „Herrenmoden“.

Von Gabriele Reinartz

Dennis Kadiric, der den willenlosen Ehemann spielt, bekommt soeben eine viel zu knapp und kurz geschnittene Hose „verpasst“. Seine Zweifel verwirft die Verkäuferin alias Babette Gauer desinteressiert. Sie empfiehlt ihm, den Nachhauseweg in der Hocke zurückzulegen, damit sich die Hose seinem Körper anpassen könne. Und so verlässt der brave Ehemann schließlich an der Hand seiner Frau (Judith Gerner) hoppelnd den Laden.

Ein Loriot-Sketch, den fast jeder kennen dürfte, der aber noch heute zum Lachen animiert. Denn Loriot ist aktuell geblieben. Wer ist nicht auch schon mal in einem Geschäft schlecht beraten worden, wenn auch nicht in diesem Ausmaß? Und so machen für das Ensemble sowohl die Aktualität der Loriot-Themen als auch das präzise Timing von Handlung und Text den Reiz aus.

Schnelle und flüssige Abläufe

„Die Abläufe müssen schnell und flüssig kommen, sonst verpufft der Sketch“, sagt Joachim Paech, der zusammen mit Christian Nabroth beim zweiten Loriot-Abend des Hanauer Theaters Stückgut die Regie führt. Die Texte müssten sitzen. Die Dialoge seien zwar relativ kurz, aber dafür umso anspruchsvoller; denn sie seien sprachlich geschliffen wie feine Klingen. Außerdem: „Da es viele Wiederholungen gibt, liegt die Schwierigkeit auch darin, die Szene richtig einzuordnen und den richtigen Text zu bringen“, ergänzt Nabroth.

Beim ersten Loriot-Abend hätte das Publikum die Dialoge zum Teil mitgesprochen, sodass man es sich nicht leisten könne, einen falschen Satz zu bringen. Das würde direkt auffallen. Also müsse alles sitzen. Jeder von ihnen sei daher gefordert, seinen Text 100-prozentig zu können, wenn auch eine Eins-zu-eins-Loriot-Wiedergabe nicht möglich sei, weil man sich als Schauspieler natürlich auch einbringe, ergänzt Nabroth.

Ende Februar führt das Theater Stückgut nach dem grandiosen Erfolg des ersten Loriots-Abends, zu dem das Ensemble zwei Sondervorstellungen geben musste, erneut einen Loriot-Abend auf. Die öffentliche Generalprobe findet am 29. Februar statt, danach folgen noch bis Mitte März sechs weitere Aufführungen. Gespielt werden neue Szenen unter anderem aus „Liebe im Büro“, „Skat“, „Herrenmoden“, „Die Steinlaus“ oder auch „Vertreterbesuch“. Untermalt werden die Sketche mit Musik. Das sei etwas vollkommen Neues, wie das Ensemble betont.

Musikalische Einlagen

In jeder Szene werde es eine musikalische Einlage geben, zum Beispiel Elvis Presleys „Love me tender“ (Szene „Skat“), Herbert Grönemeyers „Männer“ (Szene „Geigen und Trompeten“) oder Max Raabes „Für Frauen ist das kein Problem“ (Szene „Herrenmoden“). Doch es wird nicht nur eine CD abgespielt, sondern Nabroth selbst wird singen.

Bis zur Generalprobe wird also auch das eifrig geprobt werden. „Bis dahin sind es noch acht Mittwochabende und zwei Samstage, an denen wir uns treffen werden. Da uns mittwochs nur zwei Stunden zur Verfügung stehen und nicht jeder von uns an allen Terminen Zeit hat, können wir immer nur maximal drei Szenen einstudieren“, erzählt Paech. Welche das sind, hänge immer von der jeweiligen Besetzung am Abend ab. Aber die Arbeitsintensität steige mit dem Näherrücken des Termins, bestätigt er schmunzelnd. Mit den Sketchen angefangen hätten sie schon im Frühsommer, allerdings mit Unterbrechungen aufgrund der Schulferien.

„Wir sind wie ein Familienbetrieb“, sagt Lothar Hain, der im Sketch „Der Wähler fragt“ den allseits bekannten, anarchistischen Opa Hoppenstedt spielt, „jeder kann und muss alles spielen können. Und das ist auch möglich, da einige von uns schon seit vielen Jahren dabei und dementsprechend routiniert sind.“ Auch Nabroths fünfjähriger Sohn soll einen kurzen Auftritt haben.

Ein Gag muss sein

„Mal schauen, ob er im tatsächlich auf der Bühne stehen wird“, wirft sein Vater ein. Der Gag sei daher so eingebaut, dass er, falls sein Sohn einen Rückzieher machen sollte, trotzdem noch funktionieren werde.Die Loriot-Stücke haben es dem elfköpfigen Ensemble absolut angetan. „Loriot ist einfach unübertroffen. Er lässt viele Alltagsdinge im Chaos versinken“, amüsiert sich Paech. „Stets auf Höflichkeit und gute Umgangsformen bedacht, scheitert er doch jedesmal grandios.“

Die Theatergruppe hat sich mit ihrem Loriot-Abend mittlerweile sogar ein Stammpublikum erspielt. Die letzten Vorstellungen waren ausverkauft. Wer da leer ausging, hat nun wieder eine Chance auf Karten.

Termine

Das Theater Stückgut führt den Loriot-Abend an folgenden Terminen im Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans-Böckler am Sandeldamm 19 auf:

29.2. um 18 Uhr (öffentliche Generalprobe)

1.3. um 11 Uhr (Premiere)

1.3. um 16 Uhr

7.3. um 19 Uhr

8.3. um 16 Uhr

21.3. um 19 Uhr

22.3. um 16 Uhr

Karten für Probe und Vorstellungen kosten zwölf Euro, acht Euro ermäßigt. Sechs Euro kosten Karten für die Generalprobe. Die Tickets sind im Buchladen am Freiheitsplatz erhältlich.

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