Kinder früh an den Umgang mit Wasser heranführen: In seinem Schreiben, das unter anderen an die Vereinte Martin-Luther-Stiftung gerichtet ist, betont Bürgermeister Axel Weiss-Thiel die Wichtigkeit der Kurse, die bisher im Rehabecken der Stiftung stattgefunden haben. 
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Kinder früh an den Umgang mit Wasser heranführen: In seinem Schreiben, das unter anderen an die Vereinte Martin-Luther-Stiftung gerichtet ist, betont Bürgermeister Axel Weiss-Thiel die Wichtigkeit der Kurse, die bisher im Rehabecken der Stiftung stattgefunden haben. Symbol

Schwimmkurse gerettet

TG Hanau: Neuer Pächter für Therapiebad gefunden

  • David Scheck
    vonDavid Scheck
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Wie die Vereinte Martin Luther und Althanauer Hospital Stiftung Hanau (VMLS) mitteilt, wurde eine Lösung für den Erhalt des Therapiebades in der Martin-Luther-Anlage gefunden.

Update, 1.12.2020, 09.55 Uhr: Nach der Zustimmung des Aufsichtsrates am Montag werde zeitnah ein Vertrag mit der Schwimmschule Flipper unterzeichnet, hieß es. Die Schule pachte das Bad in der Martin-Luther-Anlage ab 1. Januar 2021.

„Wir freuen uns sehr, dass die Schwimmschule, die das Bad schon länger nutzt, direkt mit uns ins Gespräch gekommen ist. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin Franziska Wanderer haben wir ein gutes Ergebnis erarbeitet, das nach der Freigabe durch das Aufsichtsgremium der Stiftung jetzt vertraglich unter Dach und Fach gebracht wurde“, erklärt VMLS-Vorstandsvorsitzender Thorsten Hitzel laut Mitteilung. Die VMLS hatte mitgeteilt, die jährlichen Betriebskosten von bis zu 200 000 Euro nicht mehr stemmen zu können.

Mit der Vermietung an Flipper sei die Stiftung finanziell erheblich entlastet worden. Vor allem aber bestehe die Möglichkeit für alle bisherigen Nutzer, ihre Kurse und Programme in den gewohnten Räumlichkeiten weiterhin durchzuführen. Die Schwimmschule werde mit allen Mietern Kontakt aufnehmen und die weitere Zusammenarbeit besprechen, so Hitzel.

Erstmeldung, 25.11.2020, 09.07 Uhr: Die angekündigte Schließung des Schwimmbads auf der Martin-Luther-Anlage der Vereinten Martin-Luther-Stiftung (VMLS) schlägt hohe Wellen. So meldeten sich kurz nach Erscheinen des Artikels im HA zu dem Thema die Fraktionen von SPD und die Bürger für Hanau (BfH) jeweils mit Mitteilungen zu Wort und fordern Alternativen beziehungsweise den Erhalt des Rehabeckens. Ein konkretes Hilfsangebot kommt von der Stadtspitze.

In einem Brief wendet sich Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) an Vorstand und Gremien der VLMS, die Turngemeinde Hanau (TGH) sowie die Vorsitzende Lebenshilfe Hanau und Behindertenbeauftragte der Stadt Hanau, Liselotte Schaffer. Darin äußert sich der Dezernent kritisch darüber, wie das Aus für das Schwimmbad seitens der Stiftung kommuniziert wurde („Auch als Mitglied einiger Aufsichtsgremien der Stiftung hätte ich mir gewünscht, dass diese Gremien frühzeitig in entsprechende Überlegungen des Vorstands einbezogen worden wären“), bietet aber auch konkret zwei Optionen als Lösungsmöglichkeiten an: Weiterbetrieb des Beckens der Stiftung oder Ausweichen in eines der städtischen Schwimmbäder.

Für Weiss-Thiel liege es nahe, „alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen mit dem Ziel einer zukunftssicheren Lösung für das VMLS-Bad, die die finanzielle Belastung nicht allein die VLMS tragen lässt“. Für ihn sei der Kostendruck, der im Pflegesystem auf Altenpflegeeinrichtungen ausgeübt werde, unbestreitbar, ebenso wie die Tatsache, dass ein sechsstelliges jährliches Defizit sowie der Sanierungs- und Investitionsaufwand nicht über die Pflegesätze und Eigenbeiträge getragen werden könne.

Plan B von Weiss-Thiel heißt Heinrich-Fischer-Bad

Wie berichtet, will die Stiftung das unter anderem von der TGH für Baby- und Kleinkinderschwimmkurse genutzte Rehabecken zum Jahresende aus Kostengründen schließen. Die Betriebskosten hätten sich mittlerweile auf rund 180 000 Euro summiert. Gleichzeitig betont Weiss-Thiel aber die Wichtigkeit, „Kinder möglichst frühzeitig an den Umgang mit Wasser heranzuführen und ihnen das Schwimmen beizubringen“, wie er in seinem Brief schreibt. Darüber hinaus könnten Wassertherapien für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen von erheblicher Bedeutung sein. Vielleicht seien, so der Bürgermeister, bei der Prüfung der Möglichkeiten für einen Erhalt des Beckens „auch noch nicht alle möglichen Unterstützungen in den Blick genommen worden“. In seinem Schreiben bittet Weiss-Thiel daher den Vorstand der VLMS, „keine endgültigen unumkehrbaren Fakten zu schaffen“.

Der „Plan B“ von Weiss-Thiel, sollte die Schließung des VMLS-Bades zum Jahresende unausweichlich sein, heißt Heinrich-Fischer-Bad. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Hanauer Bäder GmbH biete er an, so Weiss-Thiel, gemeinsam mit dem GmbH-Geschäftsführer Uwe Weier Ausweichkapazitäten im Heinrich-Fischer-Bad für die Nutzer des VMLS-Schwimmbades zu prüfen.

Die Kapazitäten in den städtischen Bädern sind allerdings derzeit begrenzt. Das Lindenaubad in Großauheim ist wegen Sanierung noch bis Sommer 2022 geschlossen. „Bei entsprechender Flexibilität aller Beteiligten sollten sich hier Möglichkeiten finden lassen“, ist Weiss-Thiel überzeugt. Die SPD fordert in ihrer Mitteilung den Aufsichtsrat der Stiftung auf, die angebotenen Gespräche „unvoreingenommen aufzunehmen und aktiv daran mit zu wirken, dass neue Kooperationen oder alternative Betriebsformen besprochen werden können“. Ähnlich äußert sich die BfH-Fraktion. Bei allem Kostendruck auf viele Bereiche des Sozialsystems dürfe eine Schließung nur das allerletzte Mittel sein.

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