Anschlag von Hanau
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Blumen und Kerzen, die im Gedenken an die zehn Opfer der Bluttat abgelegt wurden, spiegeln sich in einer Pfütze vor dem Brüder-Grimm-Denkmal.  

Terroranschlag in Hanau

Noch immer viele offene Fragen: Ausländerbeirat fordert lückenlose Aufklärung

  • Kerstin Biehl
    vonKerstin Biehl
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In einer Mitteilung blickt der Ausländerbeirat der Stadt Hanau auf den rassistischen Terroranschlag in Hanau zurück und fordert mehr Hilfen für die Opfer. Es sei einer der schlimmsten terroristischen Angriffe auf die Zivilgesellschaft zur Friedenszeiten gewesen, heißt es in dem Schreiben.

„Dieser Anschlag in Hanau war die Folge von grenzenlosem Rechtsradikalismus, Fremdenhass und Muslimfeindlichkeit“, so der Ausländerbeirat. Der Täter erschoss in dieser Nacht acht Männer und eine Frau mit Migrationshintergrund, die zwischen 20 und 37 Jahre alt waren, sowie seine 72-jährige Mutter und schließlich sich selbst. 

„Nach diesen rassistischen Morden in Hanau am 19. Februar 2020 standen wir nach Abstimmung mit der Stadt Hanau als Mitglieder des Ausländerbeirats in Form von ehrenamtlichen Opferbetreuern von der ersten Stunde an rund um die Uhr den Angehörigen der Verstorbenen und den Verletzten zur Seite“, schreibt das Gremium. Es habe die tiefe Trauer und den unerträglichen Schmerz geteilt. Zudem sei es umgehend gelungen, eine gute Struktur und Aufgabenverteilung zu organisieren, um die vorhandenen Bedarfe der Angehörigen unmittelbar abzuholen. 

Dank unter anderem an Claus Kaminsky und den städtischen Einrichtungen und Eigenbetrieben

Durch die tatkräftige Unterstützung ehrenamtlicher Selbst-Organisationen sowie städtischer Einrichtungen seien schließlich die richtigen Maßnahmen definiert und entsprechend umgesetzt worden. Somit seien zunächst wichtige Aufgaben während den Mahnwachen, Kundgebungen sowie Beerdigungen wahrgenommen worden, um die Angehörigen auch auf der organisatorischen Ebene möglichst zu entlasten. „Während unserem Einsatz erhielten wir schnell in der Öffentlichkeit die Bezeichnung als 'Die Helden der Herzen'. Der Kreis der Helden ist aber nicht mit uns begrenzt, sondern umschließt insbesondere auch die Vereine und Personen, mit denen es überhaupt erst möglich war so zu funktionieren. 

Deshalb bedanken wir uns hiermit herzlichst im eigenen und im Namen der betroffenen Familien nochmals ausdrücklich bei Herrn Oberbürgermeister Claus Kaminsky und den städtischen Einrichtungen und Eigenbetrieben, Herrn Behlül Yilmaz und dem Muslimischen Arbeitskreis Hanau (MAH), Imam Macit Bozkurt und dem Islamischen Verein Hanau e.V. sowie der Jugendabteilung des Vereins, Herrn Rafael Petrache und der Rumänisch Orthodoxe Kirche, den Vertretern des Demokratisch Kurdischen Gesellschaftszentrums e.V. sowie der Jugendabteilung des Vereins, dem Kultur und Sportverein von Bosnien Herzegowina Hanau e.V., der Bosnisch-Islamischen Gemeinschaft Hanau e.V. sowie allen anderen Helfern und Unterstützern“, schreibt der Ausländerbeirat. 

Familien wollen, dass diese Untat und deren Opfer nicht vergessen werden

Ein Monat ist seit dem Anschlag vergangen. Ein Monat mit vielen Tränen, viel Schmerz und Leid nicht nur von den Angehörigen der Opfer des Terroranschlages, sondern auch von vielen weiteren Menschen, die auf die eine oder andere Weise doch mit beteiligt und betroffen waren, so das Gremium. Nun bedürfe es jedoch einer noch intensiveren Betreuung der Angehörigen, weil es nun gelte, sich den Herausforderungen der Folgen zu stellen. „Auch hier möchten und werden wir unterstützen, wo immer wir nur können. Wir die, Mitglieder des Ausländerbeirates der Stadt Hanau und die Helden der Herzen, werden auch Maßnahmen ergreifen und politische Forderungen formulieren, damit eine solche Tat nie wieder passiert“, heißt es in der Pressemitteilung. 

Derzeit sei der größte gemeinsame Wunsch der Familien, dass diese Untat und deren Opfer niemals in Vergessenheit geraten. Auch hier gebe es bereits konkrete Ideen, die dazu beitragen werden. Hierunter falle auch die lückenlose und glaubhafte Aufklärung der Angehörigen und der Gesellschaft in Bezug auf den Tathergang sowie die Hintergründe. Deshalb betont Selma Yilmaz-Ilkhan, Vorsitzende des Ausländerbeirates der Stadt, dass noch immer zahlreiche offene Fragen vorhanden seien und plädiert entschieden für eine transparente Ermittlung sowie eine detailliertere Darstellung insbesondere für die Familien der Opfer. „Das sind wir den Angehörigen und vor allem aber auch den Verstorbenen schuldig“, so Yilmaz-Ilkhan.

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