"Meine Arbeit als Leiterin des Staatlichen SChulamts habe ich keine Sekunde bereut" - Sylvia Ruppel wird nach 20 Jahren in Hanau offiziell verabschiedet. Foto: Degen-Peters

Hanau

Sylvia Ruppel wird als Schulamtsleiterin gebührend verabschiedet

Hanau. Am heutigen Freitag wird Sylvia Ruppel, Leiterin des Staatlichen Schulamts in Hanau, offiziell verabschiedet. Am 28. Februar ist ihr letzter Arbeitstag. Und auch wenn sie es so nicht wollte, es werden über 200 Gästen erwartet: Freunde und Weggefährten, lokale und überörtliche Prominenz. Ruppel ist geschätzt und beliebt.

Von Jutta Degen-Peters

20 Jahre lang war die aparte Pensionärin in spe, hinter der man eher eine Galeristin als die Chefin der Schulaufsicht vermuten würde, in Hanau tätig, kam vom Schulamt in Offenbach in die Goldschmiedestadt, weil sie dort aushelfen sollte. Aus dem Aushelfen wurde schnell ein bleibender Job.

Die mit Charme gepaarte Beharrlichkeit, das Durchsetzungsvermögen und die Fähigkeit Ruppels zum Netzwerken überzeugten die Entscheider im Kultusministerium, als es um die Nachfolge des scheidenden Schulamtsleiters Eberhard Luft Mitte September 2010 ging. Ruppel übernahm zunächst kommissarisch und erhielt von der damaligen Kultusministerin Nicola Beer im August 2012 die Ernennungsurkunde. Seither ist sie „Herrin“ über 128 Schulen im gesamten Main-Kinzig-Kreis mit über 50 000 Schülern und über 3400 Lehrstellen. Dass die Verantwortung für Heranwachsende und Lehrende für das Schulamt mit dem Begriff Aufsicht verbunden ist – ein Begriff, den mancher negativ interpretiere – stört Ruppel nicht.

Wusste schon mit fünf, dass sie Lehrerin werden wolleOhne Aufsicht und Lenkung böten sich schließlich keine Spielräume, die sich gestalterisch nutzen lassen, sagt die Frau mit der sanften Stimme. Zugetraut hat man der Hessin, die mit ihrem Mann in Oberhessen lebt, offenbar schon früh so einiges. Sie selbst wusste schon mit fünf Jahren, wie sie bei einem Gespräch in ihrem Büro im dritten Stock am Hessen-Homburg-Platz berichtet, dass sie einmal Lehrerin werden wollte.

Nach ihrem Studium der Germanistik und Anglistik, Deutsch als Fremdsprache und Slawistik in Gießen hatte sie kaum ihr Referendariat an der Gesamtschule Oberursel beendet, da wurde sie im Studienseminar schon angesprochen, ob sie nicht Lehrer ausbilden wolle.

1983 wurde sie RektorinZweifelte sie damals noch daran, dass sie als Berufsanfängerin neben den Schülern auch Erwachsenen schon etwas beibringen könne, so führte sie dieser Weg schnell nach oben. 1983 war sie Rektorin an einer Gesamtschule in Oberursel, wo sie erst den Realschul- und später auch den Hauptschulzweig leitete. 1988 wurde sie Pädagogische Leiterin der Gesamtschule Solms im Lahn-Dill-Kreis. Sie war parallel Mentorin für Referendare, leitete Lehrgänge zur Lehrerfortbildung, war an die Kultusabteilungen der Regierungspräsidien Darmstadt und später Gießen abgeordnet und konnte in der Kultusministerkonferenz mitreden, als es um die Einführung von Bildungsstandards ging.

In Hanau hat Ruppel die bedarfsorientierte Lehrerzuweisung eingeführt und bei allem Bemühen um ausreichend Kräfte für die Hauptfächer auch immer Kunst, Musik und die Kultur im Blick gehabt. Mit der Idee, Schulen die Kunstwerke ihrer Schüler im Schulamt ausstellen zu lassen und für die Eröffnungen namhafte Personen – wie Opernintendant Bernd Loebe aus Frankfurt oder den Hessischen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann – zu gewinnen, verschaffte sie den Schulen Aufmerksamkeit und mehrte das Selbstbewusstsein der jungen Künstler.

Sprache Schlüssel zur IntegrationEin besonderes Anliegen war der Mutter eines erwachsenen Sohnes das Thema Integration. Schon im Studium hatte sie das damals in Gießen neu eingeführte Fach „Deutsch als Fremdsprache“ belegt. Überzeugt, dass der Schlüssel zur Integration in guten Sprachkenntnissen liege. Sprachentwicklung und die Förderung von Lesekompetenzen sind bis heute ein Schwerpunkt geblieben, der sich in vielfältigen vom Schulamt veranstalteten Fachtagungen und Fortbildungen niederschlug.

Dabei hatte Ruppel stets im Auge, dass in der Region Hanau die kulturelle Vielfalt auch ihre Herausforderung mit sich bringt.

„Willkommenskultur ja, aber wir dürfen dabei nicht unsere eigenen Werte aus den Augen verlieren“So waren auch politisch und religiös motivierter Extremismus Gegenstand von Besprechungen und Tagungen. „Willkommenskultur ja, aber wir dürfen dabei nicht unsere eigenen Werte aus den Augen verlieren“, sagt sie. Zufrieden blickt sie auf Initiativen wie das Mentoren-Projekt an Ludwig-Geißler- und Philipp-Reis-Schule. Dort bildet das Malteser-Hilfswerk, zu dem Ruppel wie zu vielen weiteren Organisationen beste Kontakte hat, Schüler als Mentoren aus. Diese begleiten dann Flüchtlinge über eine längere Zeit. Das Arbeiten an Themen wie Respekt und Kinderrechte, die enge Zusammenarbeit mit dem Main-Kinzig-Kreis, der Stadt Hanau und dem Präventionsrat sind Dinge, an die sich die 65-Jährige gerne erinnern wird.

Dass sie auf die Frage nach ihrem Lieblingsort in Hanau lachend spontan „das Staatliche Schulamt“ antwortet, macht auch ein wenig nachdenklich. Die Arbeit mit dem dortigen Team im Amt, mit Schulleitern, Lehrkräften und Schülern, die Kooperation mit Kommunalpolitikern, Wirtschaftsleuten und Künstlern wird der umtriebigen Pädagogin fehlen. Genau wie die tägliche frühmorgendliche Autofahrt über die A 45 von Wölfersheim nach Hanau mit ihrem Farbenspiel von Sonne und Wolken oder verschiedenen Grauschattierungen.

Langweilig dürfte es der Theater- und Opernliebhaberin nicht werden. Am 1. März ist sie schon wieder im Einsatz: als Jurymitglied beim Diktatwettbewerb des HANAUER ANZEIGER.

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