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Ganz schön wuchtig – Die Schildkröte Nr. CC20/016 mit dem Namen Marieta wiegt stolze 50 Kilogramm.

Steinheimer Nabu-Mitglied erlebt tierische Auszeit 

Claudia Meindorfer hilft im Freiwilligendienst in Spanien bei der Rettung von Meeresschildkröten

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Wissenschaftlich betrachtet, trägt die 50 Kilogramm schwere Meeresschildkröte die schnöde Bezeichnung CC20/016. Das Team des Centro de Recuperación de Animales Marinos (CRAM) in Barcelona hat sie aber auf den klangvollen Namen Marieta getauft.

Die spanische Naturschutz-Organisation widmet sich dem Schutz des Meeres, vorwiegend der Unterwasser-Tierwelt und dabei insbesondere den Meeresschildkröten. Seit Mitte Februar gehörte auch Claudia Meindorfer, Mitglied in der Steinheimer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu), zum Team. 

Die Berufsschullehrerin absolvierte im Rahmen einer einjährigen Auszeit (Sabatical) ein zweimonatiges Volontariat in der Meerestier-Station, half bei der Ver- sorgung von verletzten Meeresschildkröten, die zumeist von Fischern geborgen werden. „Nach ihrer Ankunft in der Klinik wird an der Schildkröte eine Biometrie vorgenommen. Sie wird vermessen, gewogen, eventuell vorkommende Algen und Muscheln am Panzer werden entfernt. Wunden werden versorgt sowie ein Blutbild und ein Röntgenbild erstellt“, berichtet Meindorfer, die zuletzt auch die Corona-Krise zu spüren bekam. 

Säubern der Becken gehört zu den täglichen Aufgaben

In Spanien gilt seit zwei Wochen eine Ausgangssperre. Deshalb brach sie ihren Aufenthalt kurz vor Ende ab und kehrte nach einer langen Autofahrt vergangene Woche zurück. Die Naturschutzaktivistin arbeitete während ihres Aufenthalts drei Tage die Woche in dem Meerestierzentrum. Zu ihren täglichen Aufgaben gehörte unter anderem die Futterzubereitung. Die Schildkröten bekommen Sardinen, Merluza und Calamar. Manche müssen mit der Gabel gefüttert werden. Bei ihrer Versorgung in der Auffangstation bekommen die Schildkröten üblicherweise auch einen Chip, um sie nach ihrer Freilassung jederzeit lokalisieren zu können. 

Jetzt muss geschrubbt werden – Das Wasser der Intensivstationtanks werden regelmäßig gewechselt und im Hof des CRAM gereinigt.

Bis sie nach erfolgreicher Genesung wieder zurück in die freie Natur können, leben die Tiere in mit Meerwasser gefüllten Tanks. Während Meindorfers Zeit in Barcelona wurden zehn Schildkröten in der Station betreut, darunter Marieta, Massa und Casi. Zu den täglichen Aufgaben der Freiwilligen Helferinnen und Helfer wie Claudia Meindorfer gehört auch das Säubern der Becken und Wasserfilter, aber auch die Unterstützung bei der Blutabnahme, beim Röntgen oder der Biometrie. 

Lob für die Arbeit des Centro de Recuperación de Animales Marinos (CRAM)

Vor der Ausgangssperre kamen täglich Schulklassen und andere Besucher, um sich über die Arbeit des Centro de Recuperación de Animales Marinos zu informieren. „Die Kinder standen vor allem immer staunend am Fenster von Massa, der größten Schildkröte im CRAM.“ Die Schildkröten werden nach der Genesung von den Fischern, die sie geborgen haben, wieder ins Meer gebracht. Bei einigen geht das nicht. „Massa etwa stammt aus einem früheren Forschungszentrum und ist nicht mehr in der Lage, selbst Nahrung zu jagen“, berichtet Meindorfer. 

Einige Schildkröten seien auch auf einem Auge blind oder sonst nicht mehr in der Lage, im offenen Meer zu überleben. Die in Langenselbold wohnende Naturschützerin ist voll des Lobes für die Arbeit des spanischen CRAM. „Das macht tolle Aktionen – von Strandreinigung bis hin zu Seminaren und Workshops.“ Und das Praktikum in der Meerestier-Station ist eine Erfahrung, die die 42-Jährige nicht missen möchte. „Meeresschildkröten sind wunderschöne Geschöpfe, das war mir vorher gar nicht so bewusst.“

 

 

Das CRAM-Zentrum

Das CRAM-Zentrum mit einer Gesamtfläche von 18 000 Quadratmeter befindet sich neben dem Flughafen von Barcelona, am alten Golf del Prat del Llobregat und verfügt über Einrichtungen, die speziell für die Behandlung von Walen, Schildkröten und Seevögeln konzipiert wurden. Es beherbergt eine Klinik, ein Verwaltungsgebäude, einen postmortalen Schulungsraum und mehrere Schwimmbäder und Tanks für die Behandlung der Tiere. Nach Genesung der verletzten Tiere werden sie, wie etwa die Meeresschildkröten, schnellstmöglich wieder im Meer ausgewildert. Das Team bestehend aus Tierärzten und Ozeanografen steht 24 Stunden/366 Tage im Jahr zur Verfügung, um ein sofortiges und dauerhaftes Reaktionssystem aufrechtzuerhalten. Das Ziel von CRAM ist es, gestrandete Tiere so schnell wie möglich wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurückzubringen. „Die Arbeiten von CRAM sind möglich Dank der großartigen Arbeit der Fachleute für Klinik und Rettung der Meeresfauna und der selbstlosen Zusammenarbeit von Hunderten von Freiwilligen, die sich aktiv an der Naturschutzarbeit der Meere und Ozeane beteiligen“, sagt die Aktivistin. „Die Zusammenarbeit mit dem Fischereisektor, den öffentlichen Sicherheitskräften, den Seerettungseinheiten, den Hafenbehörden und den ländlichen Agenten ist für den Erfolg der Rettungsmaßnahmen von wesentlicher Bedeutung.“ CRAM bietet Schul-, Freizeit-, akademische und maritime Aktivitäten für Schulkinder, Familien, Seeliebhaber und Fachleute der Branche.

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