In voller Montur: Matthias Gramann. Foto: Jasmin Jakob

Hanau

Steinheimer Kerb: Bewährte Tradition unter neuem Namen

Steinheim. Von Freitag, 19., bis Sonntag, 21. Juli, findet die 47. Steinheimer Kerb wieder an den Mainwiesen statt.

Von Jasmin Jakob

Hinter der Kulturhalle an der Uferstraße wird das Festzelt aufgebaut. Die diesjährige Kerb wird in vielen Programmpunkten der vom Vorjahr ähneln, doch eines ist vollkommen neu: Sie wird zum ersten Mal vom neugegründeten Verein „Staanemer Kerbborsche“ veranstaltet.

Diese Neuigkeit hat in Steinheim bereits für Gesprächsstoff gesorgt. „Wir hoffen, dass die Leute schnell merken, dass sich nichts geändert hat“, sagt Kerstin Mänz, die Schriftführerin des im Februar gegründeten Vereins. Eine Vereinsgründung war aus versicherungs- und steuerrechtlichen Gründen notwendig, da die Helfer bei Unfällen nicht ausreichend abgesichert gewesen wären und damit nicht der Verdacht der Geldwäsche aufkommt. Schließlich musste man für die Kerb große Mengen an Bargeld auf ein Konto einzahlen, das dann per Überweisung an andere Firmen ging.

Bis vor drei Jahren, als die Kerb noch in Gerhard Gritzkas Hof stattfand, operierte man in einer Grauzone, da man die Kerb noch als Privatveranstaltung bezeichnen konnte. Mit dem Umzug an die Mainwiesen musste man sich jedoch eine andere Lösung einfallen lassen. Im Oktober 2018 wurde daher die Vereinsgründung beschlossen. Die Kerb wurde bis dato rund 40 Jahre unter dem Vereinsnamen der Deutschen Jugendkraft (DJK) Sportvereinigung Eintracht Steinheim veranstaltet. Denn der erste Vorsitzende der DJK, Gerhard Kraft, hatte sich 1972 bereit erklärt, eine Kerb zu organisieren. Er kürte den ersten Kerbborschen und gilt seitdem als „Kerbvadder“.

Bis 1989 war der Verein auch offizieller Betreiber der Kerb. Damals wie heute sind es vor allem die aktiven Kerbborschen und ihre Familien, die die Kerb ausrichten. „Wenn ein Kerbborsch ausgewählt wird, muss zuerst seine Frau gefragt werden“, sagt Mänz und lacht. Schließlich helfen in der Familie alle mit – übernehmen Dienste, steuern Kuchen und Tombolageschenke bei. Mit 34 Kerbborschen, einigen Frauen und Förderern zählt der neue Verein bereits knapp 50 Mitglieder. Die Satzung schrieb Ullrich Mänz, der als zweiter Vorsitzender im Verein mitwirkt. Den Vereinsvorsitz hat der Malermeister Matthias Gramann übernommen. Er wurde bereits 2001 zum Kerbborsch gekürt und sagt von sich: „Ich bin stolz, ein Kerbborsch zu sein.“

Zuwachs willkommen

Diese Kürung sieht er als lebenslange Verantwortung an, sich in Steinheim zu engagieren und die Traditionen, insbesondere durch die Ausrichtung der Kerb, zu wahren. Wer in diesem Jahr Kerbborsch wird, bleibt wie immer bis zur Kürung am Kerbsamstag geheim. Deshalb gilt diese Überraschung als Highlight der gesamten Kerb. Auch Kerstin Mänz ist schon als junges Mädchen zur Kerb gegangen. Für sie war das immer etwas ganz besonderes. „Zur Kerb kommen alle zusammen, auch die, die weggezogen sind, trifft man jedes Jahr wieder“, sagt sie. Daher liegt es auch ihr sehr am Herzen, dass die Kerb ein fester Bestandteil der Steinheimer Festkultur bleibt.

Damit das Engagement generationsübergreifend weitergegeben wird und sich auch finanziell trägt, freut man sich, wenn der Verein Zuwachs bekommt: „Wir hoffen jetzt natürlich auch bei der Kerb, neue Fördermitglieder zu gewinnen.“

Das könnte Sie auch interessieren