Viele Kinder, zu wenig Plätze: Eine Initiative der AG Kita und Familie der Kirchengemeinde St. Johann Baptist und dem Steinheimer Familien- und Generationenzentrum schlägt wegen der Betreuungssituation in Steinheim Alarm und sucht nach alternativen Möglichkeiten. Symbolfoto: Pixabay

Hanau

Steinheim sucht nach Lösungen für den Kitaplatz-Mangel

Steinheim. Hanau wächst, junge Familien mit Kindern ziehen hierher – und die Stadt kommt unter anderem wegen Personalmangels nicht hinterher, genügend Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Auch in Steinheim gibt es Engpässe.

Von David Scheck

Eine Initiative der AG Kita und Familie der Kirchengemeinde St. Johann Baptist und des Steinheimer Familien- und Generationenzentrums in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Steinheim schlägt nun Alarm und sucht nach alternativen Lösungen. Dazu lädt die Initiative zu einem Treffen ein.

Kritische Situation in allen Stadtteilen

„Die Betreuungs- und Bildungssituation für Kinder ist in Steinheim wie in anderen Stadtteilen Hanaus und darüber hinaus äußerst angespannt und wird es auch weiterhin bleiben“, teilt die Initiative schriftlich mit. Eltern könnten zurzeit nicht davon ausgehen beziehungsweise damit planen, dass ihr Kind ab dem dritten Lebensjahr einen Kita-Platz erhalte. Vielen Kindern in Steinheim habe in diesem Jahr kein Kindergartenplatz angeboten werden können.

„Laut Auskunft des Eigenbetriebs wird sich die Situation aufgrund des Personalnotstandes in diesem Bereich auch noch weiter hinziehen, obwohl man sich bemüht, mehr Ausbildungsplätze für Fachkräfte zur Verfügung zu stellen“, macht die Initiative deutlich, dass sie sich bereits direkt an die Stadt gewandt hat. Durchschnittlich seien, so die Stadt auf eine Anfrage unserer Zeitung, rund 25 Stellen unbesetzt.

Bewerbungen decken Bedarf nicht

Regelhaft fänden alle zwei Wochen Vorstellungsgespräche für Erzieher statt. „Es gibt kontinuierlich Bewerbungen in diesem Stellenbereich. Die Anzahl der Bewerbungen deckt jedoch nicht den Bedarf. Zudem führen aufgrund von mangelnden persönlichen oder fachlichen Kompetenzen nicht alle Bewerbungsverfahren zum Erfolg“, so die Antwort der städtischen Pressestelle. Derzeit gibt es 219 städtische Betreuungsplätze in Steinheim (Stand: 31. Juli 2019), wie die Stadt Hanau mitteilt. Dazu kommen noch 276 Plätze in freier Trägerschaft, insgesamt also rund 500.

Dass – wie die Initiative behauptet – der Eigenbetrieb Kindertagesstätten entschieden habe, momentan nur Kindergartenplätze zu vergeben, wenn beide Elternteile berufstätig sind, bestätigt die Stadt auf Nachfrage nicht: Um finanzielle Auswirkungen durch Betreuungsmangel zu verhindern und berufstätige Familien aus den Stadtteilen mit Betreuungsengpässen nicht zu benachteiligen, seien zunächst stadtweit Plätze an berufstätige Familien vergeben worden, heißt es aus dem Rathaus. Aktuell erhielten Familien ohne Berufstätigkeit Platzangebote. Hier gälten das Lebensalter des Kindes und der Eingang der Voranmeldung als entscheidende Kriterien.

Zweistellige Absagenliste bei freien Trägern

Dramatisch ist laut der Initiative auch die Situation bei den freien Trägern in Steinheim: Die Absagenliste sei im Krippen- und Kita-Bereich zehnstellig. Spielgruppen, so die Rückmeldung von vielen Eltern, seien voll und hätten Wartelisten. Dasselbe gelte für Angebote im Sportbereich (Kinderturnen, Fußball).

Was die Bedarfsabdeckung angeht, seien, so die Stadt, alle Zahlen, die nicht die Planung, sondern die Bedarfslage (Voranmeldung) betreffen, sehr schwankend und nicht valide. „Familien melden ihre Bedarfe bislang in Papierform stadtweit bei unterschiedlichsten Trägern an. Im Gegenzug teilen sie den Trägern nicht verlässlich mit, wenn sie ein Platzangebot erhalten beziehungsweise angetreten haben“, heißt es von Seiten der Stadt. Das soll sich mit der Einführung des Online-Kita-Portals ab 6. Dezember ändern (wir berichteten).

Stadt ergreift Maßnahmen

Derzeit lägen in Steinheim 61 Voranmeldungen von Eltern für die unterschiedlichen Altersgruppen wie folgt vor. Aufgrund der Bedarfslage seien folgende Maßnahmen ergriffen worden: Veränderung der Hortplätze von zwölf Jahren auf maximal Ende der Grundschulzeit – über die geänderte Gebühren- und Entgeltsatzung zum 1. August 2019; Umstrukturierung einer Hortgruppe in der Kita Steinheim in eine altersgemischte Gruppe für Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren seit September

Im Rathaus sei darüber hinaus im Juni eine Beratungsstelle eingerichtet worden, die Voranmeldung von unversorgten Familien registrierte und nach Beratung, insbesondere für berufstätige Eltern, stadtweite Platzangebote koordinierte. Dadurch hätten mögliche finanzielle Notlagen bei Familien verhindert werden können.

Angebotsübersicht für Familien in Planung

Bei dem Infotreffen am 26. November wollen die Initiatoren ausloten, welche Betreuungsmöglichkeiten es für Kinder aktuell noch geben kann und welche Bildungs- und Freizeitangebote die reiche Vereinslandschaft von Steinheim für Familien vorhält. Dazu habe man bereits eine Umfrage in der Interessengemeinschaft Steinheimer Vereine und Verbände (IgSV) gestartet und erste Ergebnisse vorgestellt. Daraus solle eine Übersicht für Familien entstehen, welche Angebote es in Steinheim gibt und wo und wie sie sich genau erkundigen können.

„Weiterhin wollen wir schauen, ob man das eine oder andere Angebot verwirklichen kann, wenn man Kooperationen organisiert – zum Beispiel, der eine hätte noch Raumkapazität, der andere Kursleiter“, so die Initiative. Mit den Ergebnissen soll dann mit der Stadt Hanau ins Gespräch gegangen werden, um auszuloten, welche Unterstützung noch von dort kommen kann – wenn nicht personell, dann vielleicht finanziell.

Das Treffen der InitiativeDie AG Kita und Familie und das Familien- und Generationenzentrum Steinheim laden für Dienstag, 26. November, um 19 Uhr zu ihrem Infotreffen alle interessierten Steinheimer Vereinsvertreter sowie interessierte Eltern und Großeltern in das Steinheimer Familien- und Generationenzentrum, Raum Abraham und Sarah, Ludwigstraße 27, ein.das

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