Der Leiter der Abteilung Umwelt und Naturschutz der Stadt Hanau, Dieter Zuth, erläutert anhand einer Karte die Einschränkungen oder Verbote für Bootsverkehr auf der Kinzig. Foto: Thomas Seifert

Hanau

Stand-up-Paddling undamp; Co: Wo die Kinzig befahren werden darf

Hanau. Die Stadt hat mit Main und Kinzig zwei Gewässer vor der Haustür, die dazu einladen, mal mit einem Boot oder einem sogenannten Stand-up-Paddle-Board (SUP) die Sicht vom Wasser auf das Ufer mit seiner vielfältigen Fauna und Flora zu werfen.

Von Thomas Seifert

Vor solch einer Fahrt sollte man sich aber erkundigen, wo das Bootfahren oder Paddeln erlaubt und wo es verboten ist.

Während es auf dem Main, der zwar zum Landschaftsschutzgebiet Hessische Mainauen gehört – es reicht von der Mündung in den Rhein bis zur bayrischen Grenze –, für Bootfahren oder Stehpaddeln keine Beschränkungen gibt, sieht das auf der Kinzig ganz anders aus.

Ein Leser hatte die Redaktion darüber unterrichtet, dass „ihm als Freizeitpaddler aufgefallen ist, dass die Bulau ganzjährig und der übrige Abschnitt von der Mündung bis zur Bulau von Mitte Februar bis Mitte Juli gesperrt ist.

Trotzdem fahren im gesperrten Zeitraum Tretboote vom Bootsverleih an der Kinzigmündung auf der Kinzig. Es wird fleißig geangelt und ein Hanauer Sportverein trainiert auf der Kinzig nebst SUP-Paddlern. Passt alles nicht mit dem Naturschutz überein“, soweit die Mail.

Wie genau sehen die Verbote aus?

Wer darf denn nun wann und wo die Kinzig mit einem Boot oder einem Surfboard befahren und wo darf geangelt werden, wollten wir von Dieter Zuth, dem Abteilungsleiter Umwelt und Naturschutz bei der Stadt Hanau, wissen.

Treffpunkt war der Steg am Tiefgarten zwischen dem Stadtteil Lamboy/Tümpelgarten und der Innenstadt, der einen sehr schönen Blick auf die Kinzig mit ihrer dichten Uferbepflanzung sowohl flussauf- als auch flussabwärts bietet.

Bulau unterliegt sehr strengen Vorschriften

„Die Bulau auf den Gemarkungen Erlensee und Hanau ist zum Großteil ein Naturschutzgebiet und im restlichen Bereich ein FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) und unterliegt deshalb sehr strengen Vorschriften. Dort ist ganzjährig jeglicher Bootsverkehr strikt verboten, zudem gibt es weitere weitreichende Einschränkungen auch für Radfahrer oder Spaziergänger“, konkretisierte Zuth.

Die Bulau sei ein natürlich belassener und schwer zugänglicher Auenwald, in dem sich die Kinzig immer wieder ein neues Bett sucht und sich der Flusslauf je nach Niederschlagsmenge verändert, was auch so gewollt sei. Lediglich im Bereich kurz vor der Brücke der B8 über den Fluss sei dieser ein Stück begradigt worden, dort hätten früher einmal hinter einer kleinen Aufstauung Kanusportler trainiert.

An diesem Abschnitt sei auch ein Pegelhäuschen positioniert, das wichtige Daten über die aktuelle Wasserdurchflussmenge und den Wasserstand liefere. Von diesem Punkt flussaufwärts an beginne das besonders geschützte Naturschutz- und FFH-Gebiet.

Die Kinzig darf vom 1. März bis zum 15. Juli nicht befahren werden

Auf der Kinzig, die von diesem Punkt an bis zur Mündung zum Landschaftsschutzgebiet der Stadt Hanau gehört, sind die Einschränkungen nicht so streng. Während der sogenannten Brut- und Setzzeit vom 1. März bis zum 15. Juli ist aber auch auf dieser gesamten Flussstrecke die Benutzung von mit muskelkraftbetriebenen Wasserfahrzeugen aller Art generell verboten. Damit sollen Wasservögel ungestört brüten können.

In der restlichen Zeit, also vom 16. Juli bis zum 30. Februar darf in dieser „Zone I“ nur mit Genehmigung gebadet und gegrillt werden und es ist ebenfalls nur mit Genehmigung zulässig, auf der Kinzig „motor- oder muskelkraftbetriebene Wasserfahrzeuge aller Art (einschließlich Surfbretter) einzusetzen, mit ihnen zu fahren oder anzulegen“.

„In diesen Abschnitt der Kinzig hat der Mensch schon immer eingegriffen und den Flusslauf korrigiert, zum Beispiel durch die Wehre an der Herrnmühle oder flussabwärts hinter der Wilhelmsbrücke zwischen Antoniter- und Corniceliusstraße.

Ausnahmen für Ski- und Kanugesellschaft

Deshalb sind die Auflagen dort nicht so restriktiv“, so Zuth. Außerdem gebe es eine Regelung, die „privilegierte Wassernutzer“, in diesem Fall die Mitglieder der Ski- und Kanugesellschaft Hanau mit ihrem Bootshaus an der Katharina-Belgica-Straße, von dieser Regelung ausnehme.

Deshalb dürfen die Kanusportler auch während der Brut- und Setzzeit auf der Kinzig trainieren, erläuterte der Fachmann. Er verwies auch auf die selbst auferlegten „Zehn goldenen Regeln für Wassersportler für das Verhalten in der Natur“, in denen ein äußerst sensibler Umgang mit der Fauna und Flora an Gewässern detailliert beschrieben wird.

Bisher wenig Klagen oder Beschwerden

Der Abteilungsleiter stellte im Gespräch fest, dass seit dem Inkrafttreten der „Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet 'Stadt Hanau'“ im Jahr 2013 als Nachfolgerin von früheren Verordnungen sehr selten Klagen oder Beschwerden über vermeintliche Verstöße bei der Stadt eingegangen seien. Der Bootsverleih an der Kinzigmündung wüsste über die Sperrzeit Bescheid und er gehe davon aus, dass die Bootsmieter darauf aufmerksam gemacht werden.

Man werde aber im kommenden Jahr vor Beginn der Brut- und Setzzeit nochmals darauf hinweisen, dass nun für viereinhalb Monate das Befahren der Kinzig verboten ist. Und was die Angler angehe, verwies Dieter Zuth auf Paragraf 5 der Verordnung: „Genehmigungsfreie Handlungen: (1) Keiner Genehmigung nach § 4 dieser Verordnung bedürfen 2. die Ausübung der Jagd und Fischerei.“

Das LandschaftsschutzgesetzDie „Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet 'Stadt Hanau'“ samt dazugehörigem Kartenmaterial kann beim Amt für Umwelt und Naturschutz der Stadt Hanau eingesehen werden. Den Text findet man auf der Homepage der Stadt unter dem Stichwort „Lsvo Hu Ende“. tse

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