Eine Abschaltung in den Sommermonaten ist vom Tische: Vergangenes Jahr gab es noch andere Informationen zu Staudinger Block 5. Foto: Mike Bender

Hanau

Stadtwerke stellen beim Ortsbeirat Zukunft der Fernwärme vor

Großauheim/Wolfgang. Die Nachricht, dass das Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg Block 5 in den Sommermonaten (Juni bis August) abschalten will, schlug vor knapp einem Jahr in Hanau wie eine Bombe ein.

Von Elfi Hofmann19 000 Haushalte in Hanau und Großkrotzenburg werden über das Kraftwerk mit Wärme versorgt. Auch Wasser wird darüber erwärmt. Die Stadtwerke Hanau mussten also reagieren. Allerdings warteten die Mitglieder des Ortsbeirats Großauheim/Wolfgang bis jetzt auf ein im vergangenen Jahr angekündigtes Konzept, wie es mit der Fernwärme und den Kosten dafür in Hanau weitergehen soll. Das holten die Stadtwerke bei der letzten Sitzung des Ortsbeirats nach. Die gute Nachricht: Frieren muss niemand in Hanau.

Keine Probleme im Sommer

Man habe mit Uniper, dem Betreiber des Kraftwerks, intensiv verhandelt, erklärt Steffen Maiwald. Der Geschäftsführer der Stadtwerke war gemeinsam mit Matthias Fernitz zu Besuch bei der Ortsbeiratssitzung und beruhigte die Mitglieder: „Im Sommer ist eine Selbstversorgung kein Problem.“

Wenn es eine Kälteperiode geben würde, könnten die Stadtwerke mit ihren eigenen Heizwerken einspringen. Diese werden sogar relativ oft eingeschaltet, ohne dass die Anwohner es mitbekommen. Insgesamt kämen über das Jahr verteilt rund 90 Prozent der Wärme von Staudinger. Die genaue Zahl hänge auch von der Entwicklung auf dem Strommarkt ab, denn die Fernwärme ist eigentlich ein Abfallprodukt der Stromerzeugung.

Laut Maiwald habe man mit Uniper einen Vergleich beschlossen, der besagt, dass die Hanauer Stadtwerke – wenn Not am Manne ist – auf Hilfskessel zugreifen können. Dieses Sicherheitsnetz soll allerdings nur in Ausnahmefällen greifen. Kurz vor Weihnachten habe der Betreiber auch die Ankündigung, das Kraftwerk in den Sommermonaten auszuschalten, zurückgenommen.

Suche nach langfristigen Konzept

„Diese Konstellation ist allerdings eine Brücke, kein Zukunftsmodell“, so Maiwald. Deshalb arbeiten die Stadtwerke an einem langfristigen Konzept, das Hanau unabhängig von Staudinger machen soll. Wärmenetze 4.0 nennt Fernitz das. Dabei kann zum Beispiel der jeweilige Konsument selbst zum Erzeuger werden, indem er seine durch Sonnenenergie gewonnene Wärme an die Stadtwerke zurückspeist. Dafür habe man bereits einen Förderantrag gestellt. Bei Bewilligung würden 50 Prozent der Kosten übernommen.

Eine Zusammenarbeit mit Uniper strebe man aber weiterhin an, so Maiwald. Im Jahr 2024 will Staudinger einen neuen Anlagenpark aufbauen. Was genau dort passiere, stehe zwar noch nicht fest, aber sicher sei, dass dort auf jeden Fall ein Energiestandort bleiben soll. Allgemein sei die Situation in Hanau sehr konfortabel, wie Maiwald und Fernitz betonen. „Wir haben eine gute Verhandlungsposition dank des eigenen Konzepts“, so Maiwald.

Nichtsdestotrotz produziert Staudinger kostengünstiger Wärme als die Stadtwerke. Das liegt auch daran, dass man Gas nicht einfach so auf Vorrat günstig einkaufen könne. Wenn dann spontan auf einen Engpass reagiert werden muss, sind die Kosten für den Verbraucher schwer kalkulierbar, eine Prognose also schwer möglich.

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