Umringt von zahlreichen Anwohnern und Mitarbeitern: Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (mit dem Rücken zur Fotografin) erklärt die Vorhaben der Stadt zum Stadtteilzentrum Südost und dem Quartiersplatz an der Leipziger Straße. Foto: Ulrike Pongratz

Stadtteilspaziergang: Müll nervt Anwohner im Freigericht-Viertel

Hanau. Die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne lockten zahlreiche Menschen in Parks und auf Spielplätze. Auch im Freigerichtviertel waren die Hanauer mit Kind und Kegel draußen unterwegs. Viele Bewohner nutzten die Gelegenheit, Bürgermeister Axel Weiss-Thiel auf einen Stadtspaziergang durch ihren Stadtteil zu begleiten.

Von Ulrike Pongratz

Im Rahmen des Bund-Länder-Projekts „Soziale Stadt“ hatte das Quartiersbüro am Montagabend alle Bürger eingeladen, sich gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung unmittelbar am Ort des Geschehens über bevorstehende Maßnahmen und laufende Planungen zu informieren und sich darüber auszutauschen. Ausdrücklich wurden die teilnehmenden Spaziergänger dazu ermutigt, ihre Ideen einzubringen, entweder spontan mündlich mitzuteilen oder auch gerne später in Form von E-Mails.

Der Stadtteilspaziergang startete gegen 17 Uhr am Stadtteilzentrum Südost in der Alfred-Delp-Straße und führte – vorbei am Quartiersplatz und Hochhaus in der Leipziger Straße – über die Anne-Frank-Schule zum Bürgerpark. Er endete gegen 19 Uhr im Quartiersbüro in der Freigerichtstraße.

Axel Weiss-Thiel, Quartiersmanagerin Karin Schnaudt, ihre Kollegin Gülhan Bilici und Vertreter der kommunalen Behörden sahen sich bei ihrer Ortsbegehung mit einer Vielzahl unterschiedlichster Vorschläge, aber auch einigen Beschwerden und zahlreichen Fragen konfrontiert.

Bereits am Startpunkt erklärte der Bürgermeister, dass sich Abriss und Neubau der Begegnungsstätte in Planung befänden, ein Vorhaben, das beispielsweise bei Marion Oberesch die Frage aufwarf, ob dann noch genügend Investitionsmittel für weitere Maßnahmen im Gebiet zur Verfügung ständen. „Und was bleibt für den Rest? Mir ist es wichtig, dass die Aufenthaltsqualität im gesamten, Freigerichtviertel verbessert wird“, sagte die Stadtverordnete der FDP-Fraktion und Mitglied des Ortsbeirats, „und nicht punktuell aufgewertet wird.“

Umfassender Maßnahmenkatalog

Das Programm „Soziale Stadt“, das von Bund und Land über einen Zeitraum von zehn Jahren gefördert wird, sieht für das Freigerichtviertel ein integriertes Handlungskonzept mit einem 30 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog vor. Baumaßnahmen wie die Sanierung von Gebäuden und stadtgestalterische Aufwertung, Verkehrsmaßnahmen oder auch Investitionen in Freiflächen und Spielplätze.

Die zweite Station, der Quartiersplatz am Hochhaus und das Entree in den Stadtteil, machte die komplexe Problemlage deutlich: Viel Verkehr – die Leipziger Straße ist eine der Hauptein- und ausfahrtstraßen – zugleich Parkplatz- und Spielplatzmangel. „Die Situation ist hier unbefriedigend. Es soll ein Konzept erstellt werden, das die Aufenthaltsqualität verbessert, aber alle Funktionen berücksichtigt“, sagte Bürgermeister Weiss-Thiel zum Quartiersplatz.

Positives Signal

Das Freigerichtviertel ist ein Gebiet mit höchster baulicher Dichte, wenig Freiraum und viel Verkehrsfläche. Das Thema Parken von Pendlern kam zur Sprache, wie auch der Müll, der alle Anwohner ärgert, sei es Abfall am Hochhaus oder der Sperrmüll, der bei einigen Häuserreihen regelmäßig vor der Türe liegt. „Vier Container stehen aktuell hier. Vor Kurzem hat die Stadt hier aufgeräumt, sonst wäre alles voller Müll“, sagte Anwohner Michael Scragg auf dem Weg zur Anne-Frank-Schule.

Dort wird das Thema „Elterntaxi“, „Parkzonen für Eltern“ und eventuell eine geänderte Verkehrsführung Schule, Anwohner und Eltern noch eine Weile beschäftigen. Wie auch beim Thema Müll ist auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer – Parken, zu schnelles Fahren – nur gemeinsam, über Aufklärung und Überzeugung zu lösen.

Ein positives Signal ging am Ende des Stadtteilspazierganges vom fast fertiggestellten Bürgerpark aus. Rege besucht, scheinen hier Gassigeher, Skater und Kicker friedlich neben- und miteinander auszukommen. Der trockene Sommer hat auch hier seine Spuren hinterlassen, vor allem in der Fläche.

„Alles wird gesammelt und ausgewertet“

Priorität habe für die Stadt Hanau daher die Anlage der Pflanzflächen, dann sei man offen für Flächen für Anwohner. Lärmschutz, Beleuchtung, Zustand der Gehwege, Zäune zur Bahnstrecke, größere Müllbehälter, verkehrsberuhigte Zonen und Anwohnerparken, die Liste der Anregungen während des zweistündigen Rundgangs ließe sich noch eine Weile fortsetzen. „Alles wird gesammelt und ausgewertet“, wurde versprochen.

Der Stadtteilspaziergang ist eine Form, die Bürger am Planungs- und Entwicklungsprozess des Freigerichtviertels zu beteiligen. Weitere Möglichkeiten, eigene Ideen und Wünsche einzubringen bieten sich am 11. Mai am „Tag der Stadtteilförderung“. Dort wird die Stadt Hanau im Bürgerpark die Maßnahmen im Freigerichtviertel präsentieren. Jederzeit ist das Quartiersbüro in der Freigerichtstraße 67 für Anregungen offen.

Das Quartiersbüro: Öffnungszeiten des Quartiersbüro sind Montag und Mittwoch von 14 bis 17 Uhr, Dienstag von 16 bis 19 Uhr und Donnerstag von 8.30 bis 11.30 Uhr. Das Büro ist unter Telefon 0 61 81/9 88 48 34 oder per E-Mail an quartier@freigerichtviertel.de erreichbar.

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