Momentan ist die Langstraße in der Hanauer Innenstadt noch befahrbar. Sie wird gerne als innerstädtische Querverbindung genutzt. Damit soll bald Schluss sein. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Stadt verzichtet auf Tempo-Bremse - Langstraße wird Fußgängerzone

Hanau. Eine Kehrtwende hat die Stadt in der Langstraße vollzogen, in der als Mittel gegen Raser, Poser und sonstige Verkehrsrowdys eine Tempo-Bremse namens Actibump eingebaut werden sollte.

Von Jutta Degen-Peters

Mit diesen versenkbaren Stahlplatten, die sich um einige Zentimeter herabsenken, wenn sich ein Raser nähert, hatte die Brüder-Grimm-Stadt im Mai bundesweit für Aufsehen gesorgt. Jetzt hat die Stadt von dem Vorhaben Abstand genommen. Wie Verkehrsdezernent Thomas Morlock in der jüngsten Umwelt- und Strukturausschusssitzung erklärte, soll die Langstraße zwischen Steinheimer Straße und Hirschstraße bald zur Fußgängerzone werden. Als Termin nannte der Stadtrat gestern auf HA-Nachfrage, dies solle „so schnell wie möglich“ geschehen. Er gehe davon aus, dass die Umwidmung im ersten Quartal 2020 umgesetzt sein könne. Als Kostenrahmen nannte er 110 000 bis 120 000 Euro.

Grund für die Wartezeit sind die in den Boden versenkbaren Poller, die die Stadt ausschreiben müsse. Auch die Installation der Poller, die sowohl an der Querung der Steinheimer Straße als auch an der Querung der Hirschstraße angebracht werden sollen, brauche ihre Zeit.

Gründe für den Verzicht

Bei einem Sachstandsbericht im Ausschuss, der im Brüder-Grimm-Saal des CPH tagte, erklärte Morlock am Donnerstag, weshalb die Stadt von der Tempo-Bremse abgekommen ist. Nach diversen Verkehrsüberwachungsmaßnahmen habe man neu über diese Form der Verkehrsberuhigung nachgedacht und festgestellt, dass diese die Probleme der Langstraße nicht in Gänze lösen könne. Auch habe die Stadt noch immer keine offizielle Antwort des Regierungspräsidiums auf die Anfrage zur Rechtmäßigkeit des Actibump erhalten. Diese Wartezeit habe man genutzt, weiter über die Zukunft der Langstraße nachzudenken.

Täglich durchfahren Morlocks Worten nach nur 2400 Fahrzeuge die Langstraße, die drei Fußgängerzonen kreuze. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres seien dort 2000 Verkehrsverstöße festgestellt worden, viele davon Parkvergehen. „Mit den Actibumps lösen wir weder die Probleme im ruhenden Verkehr, noch die der 'Poser'“, stellte Morlock fest.

Die Stadt hofft, dass sich durch eine Fußgängerzone Langstraße die Aufenthaltsqualität für Anlieger wie Geschäftsleute gleichermaßen verbessert. Aktuell lasse sich trotz der guten Lage ein „Downgrading bei den Geschäften“ feststellen, womit vermutlich eine geringere Kundenfrequenz gemeint war. Morlock räumte ein, dass die Umwidmung der Langstraße auch Nachteile mit sich bringe. Dazu zähle der Wegfall von 20 bis 30 Parkplätzen auf den Seitenstreifen sowie der Verlust des „Woll-Rödel-Parkplatzes“. Allerdings passe das Verbannen des Parkverkehrs aus der Innenstadt genau ins Parkraumkonzept.

Langstraße eine wichtige Verkehrsachse

Der Stadtrat betonte, das Argument, die Langstraße sei eine wichtige Verkehrsachse als Verbindung zum städtischen Klinikum, sei obsolet. Die Situation habe sich mittlerweile komplett verändert, seit das neue Parkhaus an der Mühlstraße gebaut und die neue Zufahrt für die Rettungswagen über den Mühltorweg eingerichtet worden sei.

Das Befahren der Langstraße soll für Anlieger und die Kunden der Geschäfte auch nach der Umwidmung möglich sein. Hierfür werde noch nach einer passenden Lösung gesucht, erklärte Morlock.

Anlieger und Geschäftsleute werden im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 31. Oktober um 19 Uhr im Brüder-Grimm-Saal des CPH über die neue Fußgängerzone aufgeklärt.

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