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Strenge Regeln für das Grab: Der Grabstein darf nicht in ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt sein.

Auch Beisetzung in Ruhewald ab 1. September möglich

Keine Grabsteine aus ausbeuterischer Kinderarbeit: Stadt Hanau ändert Friedhofssatzung

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Die Stadt Hanau hat ihre Friedhofssatzung geändert. Präzisiert wurde unter anderem das Verbot von Grabsteinen aus ausbeuterischer Kinderarbeit durch Aufnahme einer Bestimmung aus dem Hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetz von 2018.

Eine ähnliche Hanauer Regelung gab es zwar auch schon in der bisherigen Fassung der Friedhofsordnung, wie die Hanauer Friedhofsverwaltung mitteilte, allerdings gab es damals noch keine Gesetzesgrundlage.

Herkunft der Grabsteine muss dokumentiert werden

Nach der Gesetzesvorschrift dürfen Kommunen verlangen, dass nur solche Grabsteine aufgestellt und nur solche Grabeinfassungen angelegt werden, die nachweislich „ohne die schlimmsten Formen von Kinderarbeit“ hergestellt wurden. Die Gesetzesvorschrift des Landes gibt konkret vor, wie ein solcher Nachweis geführt werden kann. Das kann eine lückenlose Dokumentation darüber sein, wonach der Grabstein ausschließlich in einem Staat der EU, des Europäischen Wirtschaftsraums oder in der Schweiz hergestellt wurde.

In der Praxis wird der Nachweis jedoch meist durch das Vorhandensein eines anerkannten Zertifikats geführt, mit dem ebenfalls versichert wird, dass die Herstellung nicht in ausbeuterischer Kinderarbeit erfolgt ist. Auch dies ist nach der landesgesetzlichen Bestimmung möglich. Alexandra Kinski, Abteilungsleiterin Friedhöfe bei der Stadt Hanau, sagte dem HANAUER ANZEIGER: „Die auf unseren Friedhöfen tätigen Steinmetzbetriebe sind schon seit Jahren für dieses Thema sensibilisiert und darüber informiert. Sie lassen sich den Nachweis durch ihre Großhändler vorlegen.“

Steinmetzin rät Kunden, sich über Herkunft zu informieren

Silke Urban, sie ist in einem Steinmetzbetrieb im Südosten der Stadt tätig, bestätigt diese Praxis: „Wir arbeiten schon seit Jahren nur mit solchen Firmen zusammen, die die Herkunft ihrer Produkte mit einem anerkannten Zertifikat nachweisen und damit den Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit versichern.“ Der geforderte Nachweis werde zusammen mit jeder einzelnen Lieferanten-Rechnung geführt. Davon unabhängig rät die Abteilungschefin der Friedhöfe: „Der Verbraucher sollte beim Erwerb eines Grabsteins nachfragen, woher der Grabstein kommt.“

Dass die ab 1. April geltende Friedhofs- und Bestattungsordnung jetzt auf die gesetzliche Regelung des Landes Hessen Bezug nimmt, bedeutet indes auch für die Stadt Hanau mehr Rechtssicherheit bei der Durchsetzung des Verbots von Grabmalen aus ausbeuterischer Kinderarbeit auf ihren Friedhöfen.

150 Millionen werden weltweit zu Kinderarbeit gezwungen

Das Thema beschäftigt seit geraumer Zeit auch andere hessische Städte und wird durch Berichte von der Kinderhilfsorganisation Unicef und der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO = International Labour Organization) beflügelt. Danach würden weltweit rund 150 Millionen Kinder zur Kinderarbeit gezwungen und fast 73 Millionen von ihnen müssten unter hochgefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten, etwa in Steinbrüchen in Indien oder China. Fast die Hälfte aller unverarbeiteten Steine kämen von dort, heißt es.

Die Neufassung der Friedhofs- und Bestattungsordnung ändert aber auch die Bestattungszeiten auf den Friedhöfen und führt eine Frist zur Beisetzung von Urnen ein. Danach müssen Urnen nunmehr analog der Regelung des Gesetzgebers spätestens nach neun Wochen seit der Einäscherung des Leichnams erfolgen. Bisher hat es dafür in der Hanauer Friedhofsordnung keine Frist gegeben.

Beisetzung in Ruhewald ab 1. September möglich

Neu ist auch, dass das Nutzungsrecht einer Wahlgrabstätte bereits vor einem Sterbefall erworben werden kann. Ab 1. September 2020 soll es auch die Möglichkeit der Beisetzung in einem sogenannten Ruhewald im Stadtteil Großauheim geben. Ein entsprechendes Areal wird dort in einem Waldstück in Höhe der Limesschule angelegt. Allerdings wird auch hier Urnenpflicht bestehen. Anders als bei normalen Urnengräbern darf hier keinerlei Grabschmuck und ähnliches abgelegt werden. Eine schlichte Kennzeichnung der Beisetzungsstelle wird ausschließlich durch die Friedhofsverwaltung stattfinden.

Wesentliche Änderungen in der Friedhofsordnung

Bestattungen finden auf dem Hauptfriedhof in der Regel montags bis freitags statt, auf den anderen Friedhöfen hingegen dienstags, donnerstags und freitags. Bestattungen zu besonderen Zeiten sind möglich.

Beisetzung in einem Ruhewald: Ab September sollen Beisetzungen in einem Ruhewald in Großauheim, Waldstück in Höhe der Limesschule, möglich sein.

Grabsteine: Das bisher schon geltende Verbot von Grabsteinen aus ausbeuterischer Kinderarbeit ist nunmehr auf Grundlage des Hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetzes geregelt worden.

Frist für Urnenbeisetzung: Urnen müssen nun innerhalb von neun Wochen nach Einäscherung des Leichnams beigesetzt werden.

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