Auf Einladung des HMV kamen Personen aus verschiedenen Bereichen in Hanau zusammen und diskutierten über das Hanauer Sicherheitskonzept. Foto: Hofmann

Hanau

Stadt braucht Licht: Diskussion über Hanauer Sicherheitskonzept

Hanau. Ist die Situation in Hanau wirklich so prekär, wie sie mancher Bürger wahrnimmt? Der Hanau Marketing Verein (HMV) hat Aussagen wie „Es wird immer schlimmer!“ „Alleine gehe ich im Dunkeln nicht mehr raus“ zum Anlass genommen und zu einem Erfahrungsaustausch über das Sicherheitskonzept in der Stadt eingeladen.

Von Elfi Hofmann

In den vergangenen Monaten hat die Stadt zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das Sicherheitsgefühl vor allem in der Innenstadt zu stärken. Neben der Videoüberwachung am Freiheitsplatz, Marktplatz und rund ums Forum wurde auch eine Stadtwache im Rathaus eingerichtet. Sieht man sich die aktuellen Zahlen der Kriminalitätsstatistik an, könnte man meinen, dass diese Maßnahmen eigentlich gar nicht nötig seien, denn zum einen ist die Anzahl der Polizei gemeldeten Fälle zurückgegangen, zum andern liegt die Aufklärungsquote bei über 60 Prozent. Die Diskrepanz zwischen gefühlter Sicherheit und den belegbaren Zahlen ist also groß.

Dass das Sicherheitsthema kein Hanauer Phänomen ist, betonte auch Britta Hoffmann-Mumme in ihrer Einführung. „Aber es spricht halt keiner gerne darüber“, so die Moderatorin Abends. Thomas Morlock tut es trotzdem und betont, dass man dem Gefühl der Bürger auf jeden Fall Respekt zollen müsse. Das tue die Stadt auch mit der vermehrten Präsenz der Polizeistreifen und vor allem durch die Videoüberwachung, durch die schon einige Straftaten aufgeklärt worden seien.

Dabei gibt es laut Jürgen Fehler, dem Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig, zwei Varianten: „Entweder schreiten die Beamten sofort ein, wenn sie eine Straftat am Bildschirm beobachten oder sichten die Aufnahmen nach deren Meldung.“

Ein aktuelles Beispiel für den zweiten Fall ist die „Schutzstreife“ der NPD, die vor einigen Wochen durch die Innenstadt gezogen und dabei auch in den Fokus der Videoüberwachung geraten war (wir berichteten). Nach der Auswertung der Bilder habe die Polizei drei Personen identifizieren können und Strafverfahren eingeleitet.

Doch um solche Fälle geht es vielen Hanauern gar nicht, sie haben vor allem Angst vor Gruppen von Jugendlichen, die sich in den Abendstunden zum Beispiel am Freiheitsplatz aufhalten. Oder auch vor der Tanzschule Berné. „Vor allem ist es viel zu dunkel“, entrüstete sich Ute Berné, Besitzerin der Tanzschule. Wenn sie mit einer ihrer Gruppen zu einem Auftritt in der Main-Kinzig-Halle unterwegs sei, treffen sie immer wieder auf Gruppen, die „ihre Mädchen“ anmachten. Deshalb lasse sie auch niemanden mehr alleine laufen, sondern ebenfalls nur in Grüppchen. „Ich habe mich oft beschwert und es ist schon viel passiert. Aber wir fühlen uns immer noch unwohl.“

Ähnlich sieht es auch Norbert Schalinsky. Der Erste Vorsitzende des HMV hat zwar selbst keine Angst, sich im Dunkeln durch Hanau zu bewegen, vielen Kunden und auch seiner Frau gehe es aber ähnlich wie Ute Berné. Dass sich viele Menschen besonders von den Gruppen in der Innenstadt eingeschüchtert fühlen, weiß auch der Leiter des Ordnungsamts Thorsten Wünschmann. In der Dunkelheit werde das natürlich auch nicht besser. Deshalb werde verstärkt auf die Personen zugegangen und ihr Verhalten thematisiert. „Bei manchen macht das auch Eindruck, einige entschuldigen sich auch“, so Wünschmann.

Eine Rechtsgrundlage, diese Gruppen einfach aufzulösen, habe man aber nicht, ergänzt Fehler. „Rund um das Forum gibt es auch offenes Wlan, das zieht Jugendliche natürlich noch zusätzlich an“, so der Leiter der Polizeidirektion. Bei all diesen Problemen würden natürlich mehr Polizeistreifen den Bürgern auch mehr Sicherheit vermitteln. Eine genaue Zahl wollte Fehler zwar nicht nennen, bestätigte aber, dass auch Hanau etwas von der Aufstockung der Beamten in ganz Hessen etwas haben werde.

„Die Politik orientiert sich aber an Zahlen, das subjektive Empfinden ist eher zweirangig“, so Fehler. Dass besonders viele Flüchtlinge an Straftaten beteiligt seien, wie einer der Zuschauer vermutete, wies Fehler zurück. Es gebe weder abweichende Zahlen noch große Auffälligkeiten.

Aus Sicht von Gastronom Stefan Gebauer, der in der Innenstadt mehrere Lokale betreibt, hat sich hingegen in den vergangenen Monaten an der Sicherheitslage nichts geändert. Trotz der Videoüberwachung, die er nach anfänglichem Zweifel mittlerweile positiv sieht, ist ihm aber auch klar: „Die Kriminalität sucht sich ihre dunklen Ecken.“ Da müsse man am Ball bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren