Gleitfahrt auf dem Main: Trotz seines Alters leistet das Boot der DLRG noch gute Dienste. Foto: Patrick Scheiber

Hanau

Auf Spritztour mit der Hanau II - DLRG braucht neues Rettungsboot

Hanau. Glück gehabt. Gerade als die Regenwolken aufreißen, kommen Thomas Herrmann und sein kleiner Trupp mit dem VW-Bus die Schotterpiste heruntergefahren. Hinten auf dem Anhänger thront sie: die Hanau II.

Von Christine Semmler

Das kleine rote Boot ist inzwischen schon 28 Jahre alt und hat schon so einige Rettungsmanöver für die Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hingelegt.

„Das Boot ist fertig.“ Das ist so ziemlich das Erste, was der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe sagt, nachdem er ausgestiegen ist. Erst vor einem Jahr haben die Wasserretter das Boot komplett neu gestrichen. Auch der Motor ist neu. Aber der Zahn der Zeit nagt.

Herrmann kennt etliche Schwachstellen: Das Material, ein Kunststoffverbund, ist spröde geworden. Überall in der Schale haben sich kleine Risse gebildet, in die Wasser dringen könnte. „Das Boot verfault langsam von innen“, erklärt er. „Ich möchte nicht wissen, wie es unter der Schale aussieht.“

Er deutet auf die Hölzer auf denen die Klampen festgeschraubt sind: „Auch die werden langsam morsch.“ Und die Befestigung des Bootes am Hänger beginnt ebenfalls zu brechen.

Spritztour mit dem Boot

Sehr vertrauenserweckend, denkt sich die HA-Reporterin, die sich ebenfalls an der Großauheimer Nato-Rampe eingefunden hat. Schließlich hat die DLRG sie heute eingeladen, mit eben diesem Boot eine Spritztour auf dem Main zu machen. Aber Herrmann kann sie beruhigen. Das Boot, sagt er, funktioniere noch einwandfrei.

Ausgerüstet mit roter Jacke und Rettungsweste klettern die Passagiere in das fünf Meter lange Boot. Dann bringt es der Bus rückwärts auf dem Hänger in Richtung Wasser. „Unser Fahrer, Peter Kniß, ist Experte im Slippen“, erklärt Herrmann. Und DLRG-Mann Kai Geßner sorgt für mehr Gewicht im Heck. So landet die Hanau II in wenigen Minuten relativ sanft auf den Wogen des Mains.

Die Hanau II liegt sehr flach auf den Wellen, eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein Personen-Rettungsboot. „Aber sie ist längst nicht mehr auf dem neuesten Stand“, erklärt Herrmann. Auch deshalb muss sich die DLRG dringend ein neues Personenrettungsboot anschaffen. Kosten: stattliche 46 000 Euro. Die Hanauer DLRG besitzt noch ein zweites Arbeitsboot. Das ist 15 Jahre alt und muss noch ein bisschen halten. Rund 15 der etwa 50 aktiven Mitglieder besitzen übrigens den Bootsführerschein. „Die modernen Aluboote sind viel leichter und robuster“, sagt Herrmann. „Außerdem sind die Böden flacher.“ So könne ein Verletzter schneller in eine stabile Lage gebracht werden.“ Die Sitze sind, anders als hier, gepolstert. „Bei minus drei Grad auf dem Wasser -– da wird es ganz schön kalt unter dem Hintern“, sagt Herrmann lachend.

Als wolle er das bekräftigen, legt er gleich Tempo zu und bringt das kleine, wendige 60-PS-Boot in Gleitfahrt. Mit rund 40 Stundenkilometern ist es bereits so schnell, dass mehr als die Hälfte des Rumpfes aus dem Wasser ragt. Für die Reporterin heißt das: Schreibblock gut festhalten, die Nase in den Wind und ausnahmsweise mal nichts fragen.

Schon vieles erlebt

Die Hanau II hat schon vieles erlebt: Sie war bei beiden großen Elbhochwassern im Einsatz, hat vor 16 Jahren geholfen, den Deich am Kinzdorf vor dem Brechen zu bewahren und war bei so mancher Schiffs-Havarie auf dem Main zur Stelle. Sie hat außerdem etliche Bootsregatten abgesichert und große Polizeiübungen unterstützt. Ihren letzten Auftritt hatte sie erst im Juni beim Großbrand im Hafen. „Wir haben die Wasserseite mit Ölschlängeln abgesichert, damit keine Chemikalien in den Main gelangen konnten“, erklärt Herrmann, nachdem er das Tempo des Bootes gedrosselt hat. Es schippert nun gemütlich auf dem Wasser.

Die prompte Hilfe beim Hafenbrand sei auch Anlass für die Hanau Hafen GmbH gewesen, den Kauf eines neuen Bootes finanziell zu unterstützen, sagt Herrmann. Gemeinsam mit sieben anliegenden Firmen spendete die Gesellschaft 14 000 Euro als Zuschuss für die Neuanschaffung. Für die DLRG ein echter Lichtblick. „Wir finanzieren uns ja ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden“, sagt Herrmann. Rund 10 000 Euro fehlen noch, um das Boot zu bezahlen zu können. Deshalb freuten sich die Wasserretter auch über weitere Zuwendungen.

Die Reporterin muss zugeben: Die Bootsfahrt hat extrem viel Spaß gemacht und ist viel zu schnell vorbei. Am Mainufer wartet Kniß mit dem VW-Bus, um die Hanau II wieder an Land zu ziehen. Es braucht mehrere Anläufe, bis das Wassergefährt gerade aufsitzt. „Das ist bei den neuen Booten auch viel einfacher“, sagt Herrmann. „Sie haben mehr Spurrollen, die geben eine bessere Führung.“

Es steht fest: Im kommenden Jahr muss das Boot angeschafft werden. Welches Modell es sein soll, wird gerade entschieden. Aber nach der Investition, so Herrmann, sei vor der Investition. „Danach brauchen wir dringend ein neues Auto.“

Wer den Kauf des neuen Personenrettungsbootes der DLRG unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden: Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Sparkasse Hanau, BIC: HELADEF1HAN, IBAN: DE06 5065 0023 0016 0003 90, Stichwort: Rettungsboot

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