In der Gesprächsrunde erzählen die Künstler von ihren Erfahrungen und beantworten Fragen aus dem Publikum. Foto: Lena Bellon

Hanau

Sprachkonzert: Ein gemeinsames Zeichen gegen Ausgrenzung

Hanau. Fremdenhass, Ausgrenzung, Gewalt und Homophobie sind in der heutigen Zeit häufig Thema. Dabei muss es immer wieder auch Menschen geben, die den Mund öffnen und laut werden gegen Hass und Gewalt jeglicher Art.

Von Lena Bellon

Genau das taten viele Künstler, die sich für das Sprachkonzert im Amphitheater auf der Bühne versammelten. „Jeder Mensch ist wichtig“, das ist die Botschaft, die an diesem Vormittag an Schüler aus dem ganzen Main-Kinzig-Kreis vermittelt werden soll.

Niko Deeg, Vorsitzender der Jüdisch-Chassidischen Kultusgemeinde Breslev Deutschland, moderiert die Veranstaltung. Immer wieder erzählt er von seinem Leben als Jude und Vater einer multikulturellen Familie. „Wir müssen mehr aufeinander achten und vor allem auf das, was uns verbindet, und nicht das, was uns teilt“, ist nur eine der vielen Aussagen, für die er von den Schülern viel Applaus erntet. Was viele Jugendliche vereint, sind Musik und Tanz, vor allem wenn sie eine gute Message haben.

Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ Severino Seeger

Genau das haben die Künstler vom Sprachkonzert „Miteinander“. Neben der Hip-Hop-Tanzgruppe Breakdance und dem syrischen Solotänzer Wassim Isber treten einige Rapper auf. Das Highlight vieler Jugendlicher war aber der Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“, Severino Seeger. „Das ist wirklich eine coole Aktion. Das Thema muss auf jeden Fall präsent sein und mit solchen Veranstaltungen bewirkt man viel“, sagt die 15-jährige Leila. „Ich hoffe trotzdem, dass es besser wird als letztes Jahr. Da haben mir die Rapper nicht so gut gefallen“, ergänzt sie.

Auch von der Förderschule Friedrich-Fröbel-Schule sind Schüler und Lehrer anwesend. „Ausgrenzung betrifft unsere Schüler im Alltag ganz besonders. Aber auch Mobbing und Vorurteile untereinander sind bei uns präsente Themen“, erzählt Jutta Weiser, die stellvertretende Schulleiterin. „Rap hat oft den Ruf, dass er angreift und die falschen Inhalte vermittelt. Aber mit den richtigen Texten kann Rap genau die richtige Message verbreiten“, kündigt Niko Deeg den Rapper Ben Salomo an. In seinen Texten singt er davon, dass es nur einen Gott gibt und dass er sich nicht an Beschimpfungen gewöhnen möchte, sondern lieber etwas dagegen tut.

Gesprächsrunde auf der Bühne

Als am Ende eine Gesprächsrunde auf der Bühne stattfindet, erzählen alle Künstler noch persönliche Geschichten von sich und machen dem überwiegend sehr jungen Publikum klar, wie wichtig es ist, Liebe, Frieden und Respekt zu verteilen und für andere einzustehen.

Auch die Schauspielerin und Moderatorin Radost Bokel ist anwesend und erzählt, wie sie und ihr kleiner Sohn im Supermarkt angefeindet wurden. „Es geht nicht nur um die Beschimpfung und die Unverschämtheit dieser Frau. Vor allem war ich schockiert, dass es scheinbar keinen anderen in dem Supermarkt interessiert hat“, berichtet Radost Bokel.

Künstler berichten von ihren Erfahrungen

Auch der Rapper Drive By, der im Rollstuhl sitzt, kennt nur zu gut, dass Menschen ihn schief ansehen: „Viele trauen mir zunächst gar nichts zu und halten mich immer für geistig behindert“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Dabei hat der junge Mann einen ganz normalen Job und fährt Auto so wie jeder andere gewöhnliche Mann.

Die Message der Veranstaltung ist also ganz klar: Wir müssen lernen, uns nicht von unseren optischen Eindrücken täuschen zu lassen und jedem Menschen eine Chance geben. Die Botschaft dürfte für niemanden neu sein, dennoch müssen wir uns eingestehen, dass ein vorurteilsfreies Miteinander ohne Hass und Rassismus erst dann vollbracht ist, wenn Veranstaltungen wie diese nicht mehr notwendig sind und die Gleichheit aller Menschen eine Selbstverständlichkeit geworden ist.

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