Besuch auf Sportsfield: Bernhard Daldrup, unter anderem kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, SPD-Bundestagsabgeordneter Dr. Sascha Raabe und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel. Foto: David Scheck

Hanau

Sportsfield: SPD-Politiker Sascha Raabe auf Visite vor Ort

Hanau. In ihrem Kampf um die Weiternutzung und damit den Erhalt der 22 Wohnblöcke von Sportsfield Housing erfährt die Stadt Hanau Unterstützung aus der Berliner Politik. Zuerst verschaffte sich die Bundestagsabgeordnete der Grünen Daniela Wagner Eindruck, nun kam der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe nach Wolfgang.

Von David Scheck

Mit dabei hatte Raabe Bernhard Daldrup, seit 2014 kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Daldrup, das merkt man schnell, hat ein Herz für die Kommunen. Neben seiner Tätigkeit als kommunalpolitischer Sprecher ist er seit 2018 auch Obmann für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen der SPD-Bundestagsfraktion. Auf seiner Internetseite nennt er sich selbst „die Stimme der Kommunen im Deutschen Bundestag“.

Politiker kann sich in Situation hineinversetzen

Und er kennt die Situation vieler Städte und Gemeinden, wo sich Wohnen und Gewerbe nahe kommen: „Ich komme aus einer Stadt mit zementverarbeitender Industrie. Dort erkennen die Leute an ihrer Wäsche, die sie im Garten zum Trocknen aufgehängt haben, die Qualität des Zements.“ Daldrup ist Bundestagsabgeordneter für den Kreis Warendorf in der Nähe von Münster in Westfalen. Daher sind ihm natürlich auch die üblichen „Düfte“ aus landwirtschaftlichen Betrieben nicht unbekannt.

Kurz gesagt: Er kennt Menschen und gehört wohl auch selbst dazu, die gelegentlich den einen oder anderen unangenehmen Geruch vor der Haustüre haben. So wie manche Bewohner in Hanau. Denn ja, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky beim Vor-Ort-Termin, „die Dunlop riecht manchmal“. Allerdings habe der Reifenhersteller, wie der OB einschränkt, „noch nie so wenig gerochen wie heute“. Und das Unternehmen plant wie berichtet weitere Investitionen in seine Infrastruktur.

Abgesehen davon habe es in all den Jahren keine einzige Beschwerde über Geruch von Seiten der Bürger gegeben. Auch Raabe bestätigt, dass in seinen etwas mehr als 17 Jahren als Bundestagsabgeordneter nie eine solche Beschwerde über Dunlop an ihn herangetragen wurde.

Nachnutzung sei "hochvernünftig"

Lobende Worte – mit einer nickenden Zustimmung von Raabe – fand der OB für den Themenschwerpunkt, mit dem der HA die Causa Sportsfield prominent in den Mittelpunkt rückte. Doch die Frage, die wohl alle Anwesenden am meisten interessierte, richtete Kaminsky direkt an Daldrup: „Wie kannst du uns helfen?“

Der Angesprochene fand zunächst lobende Worte, hielt die Nachnutzung der Bestandsgebäude für „hochvernünftig“ – gerade in einem verdichteten Ballungsraum wie dem Rhein-Main-Gebiet, in dem Wohnraum eher gesucht als gefunden wird. Schließlich, so Daldrup, habe sich ja im Grunde nichts geändert: Früher lebten auf Sportsfield Menschen, heute auch, eben nur andere.

Lobende Worte für Experimentierklausel

Die Klassifizierung reines Wohngebiet hält er nach heutigen Standards eigentlich für Unsinn und begrüßt daher die von der Baulandkommission vorgeschlagene Experimentierklausel. Eine solche sollte ausprobiert werden, findet der Bundestagsabgeordnete, selbstverständlich nicht als Freifahrtschein, sondern im Rahmen zumutbarer Immissionswerte in Sachen Lärm und Geruch.

Eine Frage, die beim Thema Sportsfield immer wieder gestellt wird: Ist Hanau mit seinem Problem allein? Die Frage beantwortet der OB etwas verklausuliert, dass es keine Rückmeldung gebe, „dass es sich um ein Massenphänomen handelt“. Aber: „Auch Einzel-Verrücktheiten darf man ja verhindern.“ Dass es in wachsenden Städten immer wieder zu Konflikten zwischen dem Anspruch auf ruhiges Wohnen und auf urbanes Leben gibt, weiß auch Daldrup, und nennt Beispiele.

Flexible Lösungen gefragt

Die Hafen City in Hamburg wäre aus Lärmschutzgründen gar nicht möglich gewesen. Die Lösung brachte der „Hamburger Weg“, ein Leitfaden für Lärm in der Bauleitplanung. Das zentrale neue Instrument stellt darin die Betrachtung des „Innenraumpegels“ dar. Das anlässlich der Planung der Hafen City entwickelte neue Schallschutzkonzept ist darauf ausgerichtet, dass während der Nachtzeit ein Innenraumpegel von 30 dB(A) in Schlafräumen bei gekipptem Fenster nicht überschritten werden darf.

Kurzum: eine flexible Lösung auf einen lokal auftretenden Lärmkonflikt. Ein anderes solches Beispiel sei das Klubsterben in Berlin – den Anwohnern ist es schlicht zu laut, Ausgehmöglichkeiten werden dadurch weniger. Doch das sind Beispiele für Konflikte bei Lärm. Der „Casus knacksus“ bei Sportsfield wird jedoch der Geruch sein.

Baugesetzbuch zum richtigen Zeitpunkt

Wie stehen also Hanaus Chancen? Dazu sagt der lokale Bundestagsabgeordnete Raabe: „Die Novelle des Baugesetzbuches kommt zum richtigen Zeitpunkt.“ Denn jetzt bestehe die Möglichkeit, Hanaus Problem aufs Tapet zu bringen. Den Ablauf erläuterte Daldrup: Zunächst werde das federführende Bundesinnenministerium einen Entwurf einbringen, der dann zur Abstimmung durch alle anderen Ressorts gehe. „Ich hoffe, dass das im März gelingt“, so Daldrup.

Anschließend werde die Novelle zur Lesung in den Bundestag eingebracht. Eine interessante Information, die jedoch natürlich nichts über die Chancen Hanaus aussagt. Vielleicht sollte deshalb Daldrups Ausspruch zum Abschluss etwas Mut machen: „2020 wird das Jahr des Baugesetzbuches.“

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