Hanau

Er spart immer: Der Hanauer Torsten Heinze ist Extrem-Couponer

Hanau. Ein Euro und achtundsechzig Cent statt 11,06 Euro: fast 90 Prozent Ersparnis. Beim Überprüfen des Kassenbons huscht ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht von Torsten Heinze. Das Hobby des 30-jährigen Hanauers nennt sich „Extrem Couponing“.

Von Ulrike Pongratz

Bei einer kleinen Einkaufstour in einem Drogeriemarkt und in einem Schnellrestaurant in der Region sprechen wir über das Couponing als Freizeitbeschäftigung.

Coupons gibt es eigentlich überall. Manchmal liegen sie Zeitungen und Zeitschriften bei, sie landen als Postwurfsendung im Briefkasten, man erhält sie mit einem Einkaufsbeleg an der Kasse. Man findet Rabattgutscheine direkt in den Regalen. Natürlich gibt es sie in Massen im Internet auf speziellen Themenseiten zum Ausdrucken. Oder sie lassen sich als Aktionsrabatte auf dem Smartphone aktivieren, wenn die entsprechende App installiert ist.

Mappe und Taschenrechner hat er immer dabei

Torsten Heinze ist in allen Systemen zu Hause. „Ein echter Couponer hat immer eine Mappe und einen Taschenrechner dabei“, sagt der Hanauer und zeigt eine unglaubliche Coupon-Sammlung, ordentlich sortiert in Plastikhüllen. Beim Demonstrationseinkauf brauchen wir sie nicht.

Es ist nicht viel los im Markt, wir schlendern gemütlich durch die Regalreihen, Heinzes Blicke gelten den Preisschildern. „Werden Waren abverkauft, sind sie deutlich im Preis reduziert. Lässt sich das Produkt mit einem Rabatt oder Coupon kombinieren, kann man richtig viel sparen – oder sogar Gewinn machen,“ erklärt der Sparprofi.

Sparen mit App, Gutscheinen und Coupons

Aber hier wird er nicht fündig. Er greift zu bei der Aktion „Zahnbürsten und eine Tube Zahnpasta gratis“, holt eine Packung reduzierte Windeln aus dem Regal und zwei preisreduzierte Packungen Geruchs-Stopp für die Spülmaschine.

An der Kasse legt Heinze den Aktionsschein aus dem Regal zu den Zahnbürsten, aktiviert seine Gutscheine auf der App, legt zudem einen Rabattcoupon für den gesamten Einkauf auf das Laufband – und bezahlt letztlich keine zwei Euro. Das Geheimnis bestehe in der Kombination mehrerer Rabattmarken, so Heinze. Er kenne inzwischen die Kassensysteme und verfolge genau, wann Händler oder Hersteller Produkte mit Preisnachlässen bewerben.

Schon die Eltern waren Schnäppchenjäger

In den Geschäften nach Aktionswochen einkaufen, das kennt Torsten Heinze noch von seinen Eltern, die samstags die Anzeigen markiert haben. Doch über das einfache Sparen ist der Speditionskaufmann längst hinaus.

Seit 2005 das Rabattgesetz liberalisiert worden sei und auch in Deutschland Preisnachlässe in größerem Umfang möglich seien, betreibt Torsten Heinze mit dem Extrem-Couponing eine Freizeitbeschäftigung, die längst über den „Kick an der Kasse“ hinausgeht.

Heinze ist in der Szene eine Berühmtheit

Das Hobby wirkt auf verschiedene Art und Weise in den Freundes- und Bekanntenkreis hinein. Gleichgesinnte tauschen sich aus, in den sozialen Netzwerken finden sich Gruppen zusammen, die sich gegenseitig Tipps geben. Er sei – auch durch Fernsehauftritte – sehr bekannt in der Szene, sei in mehreren Gruppen aktiv und auch Administrator der Coupon-Gruppe auf Facebook.

„In Hanau gibt es zudem einen Stammtisch. Wir treffen uns regelmäßig und ich hier habe neue Freunde durch das Couponing kennengelernt“, sagt Torsten Heinze, der auch in Düsseldorf einen Couponer-Stammtisch leitet, weil er zu den Menschen dort persönlichen Kontakt halten möchte.

Einkäufe werden auch für soziale Zwecke gespendet

„Die Menschen halten uns ja für verrückt“, sagt Torsten Heinze lachend und während wir kurz vor Geschäftsschluss zum Schnellrestaurant unterwegs sind, kommen wir auf die ethische Seite des ‚Extrem Couponing‘. Der Hanauer hat am Morgen einen Gutschein über das Internet geordert, der drei Snacks statt eines einzigen erlaubt. „Man muss das nehmen, was noch da ist,“ erklärt er, „eine gute Sache, ein Vorteil für Kunden und Verkäufer, diese App, die alle Standorte anzeigt, die Essen günstig abgeben. Lokale können ja nicht an Tafeln liefern und müssen auf diese Weise weniger wegwerfen“, sagt Heinze.

Bei seinen Einkaufsaktionen spielten soziale und Umweltaspekte inzwischen eine größere Rolle, so Heinze. Von seinen Einkäufen würden Familie, Freunde und Arbeitskollegen profitieren; er spende auch gerne an Kitas oder an das Rote Kreuz.

Lieber im Laden als im Internet unterwegs

Als „Schnäppchenjäger“ ist Torsten Heinze lieber in den Ladengeschäften als im Internet unterwegs. „Hier kann ich die Sachen anprobieren und anfassen, und ich sehe an der Kasse sofort, ob der Rabatt auch berücksichtigt wurde.“

Oft könne man zudem den Preis verhandeln oder man erhalte Zugaben. Niemals würde er die Regale leerräumen, so Heinze. Er kaufe auch nicht mehr alles, bei vielen Produkten, insbesondere bei Lebensmitteln achte er auf die Qualität und vermehrt auf Umweltstandards.

Nur Zeit spart Heinze nicht

Warum so wenige Menschen die vielfältigen Möglichkeiten nutzen würden, darauf weiß auch Torsten Heinze keine endgültige Antwort: „Vielfach werden die Sparmöglichkeiten unterschätzt, insbesondere die Kundenbindungsprogramme machen sehr viele Angebote, Bonuspunkte einzusetzen. Manche Menschen trauen sich vielleicht nicht, andere nehmen sich nicht die Zeit.“

Die muss man schon investieren, will man beim Einkaufen sparen. Man muss ja nicht in das Extrem-Couponing verfallen, wie Torsten Heinze, der sich tatsächlich noch ärgern kann, wenn er einen Vorteil übersehen hat – auch bei Centbeträgen.

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