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Soufjan Ibrahim spielt „Brüderchen“ auf der Hanauer Bühne

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Von: Katrin Stassig

Brüderchen und Schwesterchen: Soufjan Ibrahim spielt neben Katja Straub die Hauptrolle in der Märcheninszenierung.
Brüderchen und Schwesterchen: Soufjan Ibrahim spielt neben Katja Straub die Hauptrolle in der Märcheninszenierung. © BGF Julian Freyberg

Soufjan Ibrahim schwärmt von Hanau. „Ich finde die Stadt wunderschön“, sagt der Schauspieler im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist hier viel mit dem Rad unterwegs, alles sei gut zu erreichen. Seine vorübergehende Adresse ist die Bruchköbeler Landstraße, dort wohnt er für die Dauer der Brüder-Grimm-Festspiele. Am Samstag, 4. Juni, steht der 22-Jährige erstmals vor Publikum auf der Bühne des Amphitheaters. Dann feiert „Brüderchen und Schwesterchen“ Premiere.

Eigentlich hatte Soufjan Ibrahim im letzten Sommer für eine Rolle im „Drosselbart!“ vorgesprochen und -gesungen. Dessen Autor Peter Lund ist Professor an der Universität der Künste in Berlin, wo Ibrahim Schauspiel, Gesang und Tanz studiert. Eine Rolle im Musical ist es letztlich nicht geworden, aber einige Wochen später erhielt der junge Darsteller einen Anruf von Intendant Frank-Lorenz Engel, ob er denn auch an den anderen Stücken Interesse habe. „Natürlich, gerne“, war seine Antwort, erzählt Ibrahim und lacht.

In „Brüderchen und Schwesterchen“ hat er jetzt sogar eine Hauptrolle, außerdem mehrere Auftritte im „Sommernachtstraum“: als einer der Elfen, als Flaut und Thisbe. In beiden Stücken, so verrät er, gibt es viel Musik, vor allem im Märchen. Die Kompositionen stammen von Lukas Nimscheck, der durch die Band „Deine Freunde“ bekannt ist. „Da wird man auf jeden Fall mit ein paar Ohrwürmern rausgehen“, ist Ibrahim überzeugt.

Die Brüder-Grimm-Festspiele waren dem Schauspieler schon vorher ein Begriff – in der Musicalszene ist das Hanauer Festival bekannt, und aus seinem Studiengang hatten immer wieder Kollegen ein Engagement in Hanau. „Es ist eine tolle Spielstätte – ein perfekter erster Job.“

Für Ibrahim sind die Festspiele das erste professionelle Bühnenengagement. Im diesjährigen Ensemble ist er mit seinen 22 Jahren das „Küken“ und mit einigem Abstand der Jüngste. Viele der Kollegen sind seit Jahren im Beruf, „ich kann sehr viel lernen“. Als Student steht der Tenor kurz vor dem Abschluss, muss parallel zu seinem Engagement in Hanau Ende Juni noch seine Prüfung ablegen. Als Grundlage für seine Abschlussarbeit hat sich Ibrahim, der schon seit seiner Kindheit gerne und viel liest, den Bestseller „Die Mitternachtsbibliothek“ (Matt Haig) ausgesucht. Mit Romanen und speziell Thrillern kennt er sich besser aus als mit Märchen, gesteht er. „Die Klassiker kennt man“, aber „Brüderchen und Schwesterchen“ war ihm zum Beispiel erst mal kein Begriff.

Brüderchen heißt im Stück Klaus und ist zu Beginn in einer typischen Geschwisterbeziehung zu erleben – kindlich frei. Im Haus der bösen Stiefmutter und Stiefschwester und im Dorf hingegen haben Klaus und Klara (Katja Straub) nicht viel zu lachen, „müssen die Drecksarbeit erledigen“. Klaus sei „ein offener, emotionaler und sehr gutherziger Typ – als Reh wird er dann ein bisschen eine Diva“, sagt Ibrahim über seine Rolle.

Ein Tier zu spielen sei anspruchsvoll und herausfordernd – vor allem körperlich. „Auf zwei Beinen laufe ich nur etwa 15 Prozent des Stücks“, erzählt der Darsteller. In der Horizontalen zu spielen und zu singen, daran musste er sich erst einmal gewöhnen. Zum Ausgleich macht er Übungen für Rücken und Bauch. „Es ist nicht ohne, macht aber auch wahnsinnig viel Spaß.“

Überhaupt sei die Inszenierung „unfassbar lustig“, findet er – „es gibt aber auch viele Emotionen und berührende Momente“. „Es ist ein Stück für jedermann, weil es verschiedene Themen anspricht, mit denen jeder Berührungspunkte hat.“ Soufjan Ibrahim ist übrigens auch im realen Leben mit einer Schwester groß geworden. Sie ist knapp sechs Jahre jünger als er, im Stück hingegen ist er der Jüngere. „Die Beziehung zueinander, das Necken, das kennt man.“

Aufgewachsen ist er in Haltern am See in Nordrhein-Westfalen. Gesungen hat Ibrahim, solange er denken kann. Die Erzieherinnen in der Kita haben sein Talent erkannt und seinen Eltern geraten, ihn in die Musikschule zu schicken. Schon relativ früh hat er dann auch mit Gesangsunterricht begonnen, außerdem Klavierspielen gelernt. Fernsehzuschauer erinnern sich vielleicht an Ibrahim als Teilnehmer der Talentshow „The Voice Kids“ im Jahr 2014.

Das Schauspielen kam später dazu – in Theatergruppen im Jugendalter. Eine entscheidende Erfahrung war der Auftritt mit der Musical-AG seiner Schule. Der Berufswunsch war trotzdem zunächst ein anderer. Soufjan Ibrahim wollte Pilot werden, weil er das Fliegen und das Reisen liebt. Nach dem Abitur wollte er diesen Kindheitstraum umsetzen, hätte die Ausbildung aber vorfinanzieren müssen – was nicht bezahlbar war. Weil er erst mal „was Anständiges“ machen wollte, begann er ein Lehramtsstudium, merkte aber schnell: „Das ist überhaupt nicht meine Welt.“

Seine Welt sollte die des Musicals werden. Noch während des ersten Semesters bereitete er sich auf die Aufnahmeprüfung an der Universität der Künste in Berlin vor – und wurde genommen.

Für die Zeit nach den Brüder-Grimm-Festspielen hat er verschiedene Projekte in Aussicht. Noch ist aber nichts in Stein gemeißelt. Gibt es Traumrollen, die er gerne mal spielen würde? Den „Aladin“, der in Kindheitstagen sein Lieblingsfilm von Disney war und zu seinem kulturellen Hintergrund passen würde (seine Mutter stammt aus Marokko, der Vater aus Ägypten). Und die „West Side Story“ findet er großartig. Auch ein erneutes Engagement in Hanau kann er sich gut vorstellen.

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