Unterm Schirm: Oberbürgermeister Claus Kaminsky (rechts) sprach zur Eröffnung. Sein Satz, dass der Platz den Großauheimern so übergeben werde, wie sie ihn haben wollten, wurde nicht von allen Besuchern goutiert. Foto: Rainer Habermann

Großauheim

Am Sonntag eingeweiht: Der Rochusplatz strahlt in neuem Gewand

Großauheim. Am heutigen Sonntag ist der neu gestaltete Rochusplatz mit dem ebenfalls brandneuen August-Gaul-Denkmal des Aachener Künstlers Matthias Kohn feierlich eingeweiht worden. Etliche Bürger kamen zu der lang erwarteten Veranstaltung.

Von Rainer Habermann

Das altbekannte Rochuskreuz mit dem gekreuzigten Jesus, das versetzt und wieder eingelassen wurde, und die ebenfalls historische Metalluhr haben somit auf neuem Pflaster ein modernes Pendant: in Form einer steinernen Rundsitzgruppe um eine junge Linde, in die Kohn Motive des großen Sohnes Großauheims eingemeißelt hat.

Eröffnung pünktlich zum 150. Geburtstag von August Gaul

Überpünktlich zum 150. Geburtstag des international renommierten Tier-Bildhauers August Gaul am 22. Oktober konnten der Platz wie auch das neue Denkmal eingeweiht werden, mit einer ebenso launigen wie engagierten Rede des Hanauer Oberbürgermeisters Claus Kaminsky und einem Rochus-Gebet des Pfarrers der katholischen St.-Jakobus-Gemeinde Großauheim, Manuel Stickel.

Hunderte Großauheimer begleiteten die Veranstaltung auf dem erweiterten und komplett neu gepflasterten respektive asphaltierten Platz, dessen Gestaltung im Rahmen eines Stadtteilentwicklungskonzepts auf eine Bürgerbeteiligung aus dem Jahr 2013 zurückgeht.

Mancher äußert seinen Unmut

Das Büro „Die Landschaftsarchitekten Bittkau undamp; Bartfelder“ aus Wiesbaden hatten seinerzeit das Konzept erarbeitet, wie Kaminsky betonte. Als er an den Punkt seiner Rede kam: „Wir übergeben heute den Platz an die Großauheimerinnen und Großauheimer, so wie sie ihn gestaltet haben wollten“, erhob sich deutlich wahrnehmbarer Unmut im rund 200-köpfigen Publikum.

Was offenbarte, dass längst nicht alle Großauheimer von der Platzgestaltung mit viel Pflaster statt der ursprünglich grünen Insel – allerdings mit umlaufenden Fahrbahnen – überzeugt zu sein scheinen.

Projekt hatte mehrere Stadien der Bürgerbeteiligung durchlaufen

Doch der OB konterte dies mit dem Worten: „Ich habe mich an dieser Stelle schon auf das Gegrummel eingestellt, man kann es nie allen Recht machen.“ Tatsächlich hatte das Projekt mehrere Stadien der Bürgerbeteiligung durchlaufen, war lange im Ortsbeirat diskutiert worden, was Ortsvorsteher Reiner Dunkel bestätigte, und schließlich im November 2018 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden.

Noch einen „Tipp“ gab Kaminsky den Bürgern mit auf dem Weg, den insbesondere die Ladeninhaber entlang des Rochusplatzes wohl gerne weitergeben dürften: „Wenn man das ganze Jahr über bei einem berühmten Onlinehändler bestellt, darf man sich nicht wundern – wenn man dann einmal im Jahr kurz vor Weihnachten im Einzelhandel vor Ort einkaufen will, dass es den einen oder anderen nicht mehr gibt.“

Foto: Rainer Habermann

Auch was die Begrünung anbelangt, kann die Bilanz eigentlich nur positiv aussehen: „Wir haben hier jetzt 14 Bäume und damit sechs mehr als zuvor“, erklärten der OB und später Stadtrat und Verkehrsdezernent Thomas Morlock, der mit rund 1,3 Millionen Euro auch noch einmal die Gesamtkosten zusammenfasste.

Monument aus Stein lädt zum Sitzen ein

Mit den Worten: „Ich plane meine Reden jetzt immer so, dass am Ende die Sonne aufgeht“ (Kaminsky), schritten alle Protagonisten einschließlich der Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und des Künstlers Matthias Kohn zur Enthüllung des August-Gaul-Denkmals.

Es ist ein Monument aus Stein, das ausdrücklich zum Sitzen einlädt, wie auch die verschiedenen Holzbänke, deren Vorbilder auf dem Freiheitsplatz stehen. Und man darf munkeln: „Ob das August-Gaul-Rund mit den eingefrästen Tiermotiven wohl den einen oder anderen 'Graffiti-Künstler' anzieht? Oder der große Name das Objekt von solchen billigen Nachahmern moderner Kunst abhält?"

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