Ab dem 8. Dezember will Sonja Nehls gemeinsam mit elf anderen für den guten Zweck auf das höchste Bergmassiv Afrikas steigen. Foto: Privat

Hanau

Sonja Nehls trainiert für den Aufstieg auf den Kilimandscharo

Hanau. Fundraising – ein in Deutschland relativ unbekannter Begriff. Am besten kann man das Wort mit Mittelbeschaffung übersetzen. Oft versteckt sich dahinter die Beschaffung von Geld für den guten Zweck. Und genau das tut Sonja Nehls: Sie möchte 2000 Euro zusammenbekommen, um ein Projekt von Unicef zu unterstützen.

Von Elfi Hofmann

Ihre „Gegenleistung“ ist allerdings ziemlich ungewöhnlich. Die 37-Jährige verkauft keinen Kuchen oder ihr Hab und Gut auf einem Flohmarkt, sondern besteigt den Kilimandscharo.

Eigentlich sei sie gar nicht sportlich, erzählt Nehls. „In der Schule war ich in allen Fächern gut, aber in Sport noch nie.“ Deshalb dachte sie auch lange nach, als sie im Januar von der Geschäftsführerin ihres Arbeitgebers, der Schwacke GmbH, eine Mail bekam, in der auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht wurde, gemeinsam mit Kollegen aus ganz Europa den Kilimandscharo zu besteigen.

Eine Gruppe sollte aus zwölf Teilnehmern bestehen. „Wenn jeder 2000 Euro Spenden zusammentragen kann, entspricht das dem Gegenwert eines Allradfahrzeugs für die medizinische Versorgung von Unicef in entlegenen Dörfern in Afrika“, so Nehls. Eigentlich hätte sie die Mail damals gelöscht, erinnert sie sich. Doch nach langem Überlegen sagte sie dann Ja zu dem Projekt. „Ich hätte mich geärgert, wenn ich die Chance nicht wahrgenommen hätte. Außerdem wollte ich sowieso was ändern und sportlicher werden“, erzählt die Hanauerin.

Ihre Familie und Freunde seien zuerst irritiert gewesen von dem Vorhaben, so kannten sie die junge Frau eigentlich gar nicht. Auch ihr Mann sei am Anfang nicht überzeugt gewesen und habe sie für „bescheuert“ erklärt. Doch davon ließ sich Nehls nicht abbringen. Ganz im Gegenteil: Die Kritik stachelte die Betriebswirtschaftlerin noch zusätzlich an.

In drei Tagen über die höchsten Berge

Im April bekam sie die Bestätigung über ihre Teilnahme. Und seitdem geht es Schlag auf Schlag. Neben dem Training im Fitnessstudio, das perfekt auf ihr Vorhaben abgestimmt ist, besucht sie einen Aerobic-Kurs, wandert und legt so viele Kilometer wie möglich zu Fuß zurück. Zwölf Kilo habe sie schon abgenommen, „aber da geht noch mehr“, ist sich Nehls sicher. Vor drei Wochen ist sie die Treppen im Kölner Dom nach oben gestiegen, das sei schon deutlich einfacher gewesen als bei ihrem letzten Besuch vor 15 Jahren.

Stichtag für den Aufstieg auf den Kilimandscharo ist der 8. Dezember. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Eine „Generalprobe“ für den Ernstfall absolvierten die Teilnehmer vor rund zwei Wochen in Großbritannien. Innerhalb von drei Tagen bestiegen sie die „Three Peaks“ – die höchsten Berge in England, Schottland und Wales. Bei dieser Tour haben sich Nehls und die meisten anderen Teilnehmer das erste Mal persönlich gesehen.

Die Fitness stimmt

„Das war ein Gefühl wie auf einer Klassenfahrt“, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Jeder Tag sei anders gewesen. „Am ersten Berg hatte ich beim Abstieg richtigen Wackelpudding in den Beinen, beim zweiten musste ich kurz vor dem Gipfel meinen Rucksacke abgeben“, so die 37-Jährige. Mit einer halben Tafel Schokolade habe sie aber diese Herausforderung gemeistert. Entschädigt wurden die Wanderer durch eine tolle Aussicht und dem Gefühl: Wir schaffen das!

Nach dem Wochenende in Großbritannien wisse sie jetzt, dass die Fitness auf jeden Fall stimme, auch wenn der Kilimandscharo natürlich um einiges höher ist. Und darin kann das größte Problem liegen, denn wie der Einzelne auf die Höhe reagiert, wisse man eben erst, wenn man es versucht. Starten wird die Gruppe bei 1800 Metern, jeden Tag wollen sie rund 1000 Meter überwinden. Am fünften Tag steht dann der Schlussanstieg zum Gipfel an.

Vorher bekommt keiner der Zwölf viel Schlaf, denn oben ankommen wollen sie pünktlich zum Sonnenaufgang. Dann sind zwei Tage veranschlagt, um wieder bei der Ausgangsbasis anzukommen. Begleitet werden die Teilnehmer von zwei Guides und lokalen Führern. Das Gepäck müssen sie übrigens nicht selbst tragen. „Das ist sogar verboten“, erklärt Nehls. Nur einen Tagesrucksack mit Proviant und Kleidung hat die Gruppe tagsüber auf dem Rücken.

500 Euro fehlen noch

Trotz der großen persönlichen Herausforderung betont die gebürtige Kesselstädterin aber, dass der Spendengedanke immer im Vordergrund steht. Rund 1500 Euro hat sie bisher sammeln können, 500 Euro fehlen also noch zum großen Ziel. Freunde, Familie und Kollegen hätten sich beteiligt, über Verlosungen sei auch einiges zusammengekommen. Auf einer extra für die Aktion eingerichteten Seite im Internet kann man direkt spenden und dort auch mitverfolgen, wie das Training voran geht.

Demnächst will Nehls übrigens eine längere Tour von Klein-Auheim aus am Main entlang nach Seligenstadt machen. „Wenn mich jemand sieht, freue ich mich, wenn er mir mal winkt und alles Gute wünscht“, sagt sie. Und so ganz kann die 37-Jährige immer noch nicht glauben, dass sie in ein paar Wochen auf fast 6000 Metern Höhe stehen wird, schließlich habe sie früher bei dem kleinsten Hügel schon gemotzt und niemand habe ihr so etwas zugetraut, sie sich selbst eigentlich auch nicht. Aber da hält sie es mit ihrem Maskottchen, der Hummel: „Physikalisch kann sie eigentlich nicht fliegen und tut es trotzdem, weil sie es nicht weiß. Ich kann eigentlich keine Berge hoch und mache es einfach.“www.justgiving.com/fundraising/sonjanehls

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