Unvergessen: der langjährige HSB-Leiter Gerhard Janz. Von seinen Mitarbeitern wurde er liebevoll "Papa Janz" genannt. Foto: Pongratz

Hanau

Sonderfahrt für "Papa Janz": HIS und HSB feiern Nachbarschaft

Hanau. Als das Busdepot an der Leipziger Straße zu klein und die Arbeitsbedingungen verbesserungsbedürftig geworden waren, trieb er im Jahr 1967 den Umzug des Hanauer Straßenbahn (HSB) an die Daimlerstraße voran: Gerhard Janz. HIS und HSB feiern nun 50 Jahre Nachbarschaft an der Daimlerstraße.

Von Ulrike Pongratz

Auch bei der Planung für die Bushallen und die Werkstatt half der heute 94-Jährige. Kein Wunder also, dass der ehemalige Leiter des städtischen Nahverkehrsunternehmens eine Art Ehrengast beim gemeinsamen Tag der offenen Tür von HSB und Hanau Infrastruktur Service (HIS) war.

HIS und HSB hatten am Wochenende zum ersten Mal gemeinsam ihre Tore geöffnet. Aus gutem Grund: Seit fünf Jahrzehnten sind sie an der Daimlerstraße 5 Dienstleistungs-Nachbarn. Dort konnten Besucher hinter die Kulissen der städtischen Betriebe schauen und Vorführungen, Kinderanimation, Showeinlagen und Musik genießen.

CabrioGerhard Janz durfte an diesem Tag keinesfalls fehlen. Er war bis 1986 Betriebsleiter der HSB, wird bis heute in freundschaftlicher Verbundenheit „Papa Janz“ genannt. Vor mehr als 50 Jahren war er für die Planung der neuen Betriebshallen verantwortlich. „Nicht für die Architektur, sondern für den Arbeitsablauf. Das musste stimmen,“ erinnert er sich. Die Körperkraft des 94-Jährigen lässt so langsam nach. Er ist recht flott und geschickt im elektrischen Rollstuhl, seinem „Cabrio“ – wie er selbst sagt – unterwegs.

Erinnerungsvermögen und Gedanken des Seniors sind allerdings klar, sein Blick ist wach. Die Geschichten rund um die HSB sind präsent. „Wir hatten damals sehr viel Platz, freies Gelände. Es lag günstig, nahe der Endhaltestelle der Linie 2, einer der wichtigsten Linien. Der damalige Oberbürgermeister Herbert Dröse hatte uns versprochen: 'Ihr kommt da mit drauf.'“ Ein Glücksfall. Bis heute hat das Grundkonzept Bestand.

EinmannverkehrMit dem Fahrrad sei er jeden Tag von der Leipziger Straße, dem damaligen Betriebsgelände, zur Baustelle geradelt, sagt Janz. Dabei seien die Anfangsjahre sehr schwer gewesen. 1959 sei er in die Stadt am Main gekommen – nach gut zehn Berufsjahren in Herford, wo er sehr viele Erfahrungen gesammelt habe, die gut und nützlich für Hanau gewesen seien. Anfang der 60er Jahre habe man den Betrieb auf den Einmannverkehr umstellen müssen – gegen große Widerstände der Belegschaft, so Janz. Bitter seien diese Jahre mitunter gewesen.

Den meisten Kollegen aber ist ihr ehemaliger Chef als „Papa Janz“ in Erinnerung geblieben. Einer, der jeden Morgen alle Mitarbeiter mit Handschlag begrüßte. Unvergessen sind auch Betriebs- und vor allem Weihnachtsfeiern. „Was ist eine Weihnachtsfeier ohne Musik?“, sagt Janz noch heute. Unter seiner Leitung wurden von den Kindern der Beschäftigten Weihnachtslieder gesungen. Zudem gab die obligatorischen Schoko-Küsse.

Hanauer MärchenbahnGerhard Janz wurde beim Tag der offenen Tür nicht nur von HSB-Geschäftsführer Thomas Schulte herzlich begrüßt. Er kam auf dem Gelände kaum voran. „Hallo Herr Janz“, hieß es von vielen Seiten. Und: „Erinnern Sie sich? Sie haben mich damals eingestellt.“ Oder auch: „Wir hatten uns damals in den Haaren!“ Gerhard Janz erinnerte sich an jeden Einzelnen. Stellvertretend für seine Kollegen sagte Manfred Bock, zuletzt stellvertretender Betriebsleiter: „Über 40 Jahre habe ich bei der HSB gearbeitet und möchte keinen Tag missen.“ In der Fahrer-Fortbildung habe er die erste Hilfe-Ausbildung angeregt und hätte – bis heute beiden in guter Erinnerung – bei Gerhard Janz den Fingerkuppen-Verband demonstriert.

Gerhard Janz ist auf dem Betriebshof immer noch zu Hause. Doch sind er und seine Familie tatsächlich überrascht, als sie das aktualisierte Modell des Betriebshofes wohlbehütet hinter Glas sehen. Dessen Grundstein haben sie vor über 40 Jahren gelegt. Janz genießt – wie die Besucher – das bunte Programm an der Daimlerstraße. Die Hanauer Märchenbahn hat an diesem Tag freie Fahrt durch Hanau. Mit einer Sonder- und Freifahrt zum Festtag „Herzlich willkommen Gerhard Janz“ – und nach Hause – ehrt die HSB auch ihren ehemaligen Leiter. „Nicht, dass er mit seinem Rollstuhl fährt.“ Zutrauen kann man das dem alten Herrn allemal.

Das könnte Sie auch interessieren