Schlange stehen für den Schlepplift. Im Hintergrund das Hanauer Haus an der Talstation. Es verfügt über 30 Betten. Skiclubmitglieder können hier ganzjährig übernachten. Foto: Biehl

Hanau

Simmelsberg ist ein Traum für Skifahrer

Hanau/Gersfeld. Das Wetter ist  herrlich, die Bedingungen gut: Auf dem Simmelsberg - dem Hausberg des Skiclubs Hanau - kommen Skifahrer derzeit auf ihre Kosten. Eine Reportage.

Von Kerstin Biehl

Sonntagmorgen. Der Himmel strahlt in sattem blau, die Luft ist klar, die Temperaturen eisig. Zehn Grad unter dem Gefrierpunkt zeigt das Außenthermometer der Hanauer Hütte auf dem Simmelsberg. Auf dem Hausberg des Skiclubs Hanau, hoch über Gersfeld in der Rhön, liegen gut 40 Zentimeter Schnee. Ideale Bedingungen um sich die Skier anzuschnallen.

Und die laufen an diesem Morgen wunderbar. Der Schnee ist weich, die Schwünge fallen leicht, eisige Abschnitte sind auf den vier verschiedenen Abfahrtsmöglichkeiten kaum zu finden – ein Traum für jeden Skifahrer.Eine Stunde von Hanau entferntDieser Traum liegt lediglich eine gute Stunde von Hanau entfernt. Auf der A66 geht es Richtung Fulda, kurz vor Eichenzell fährt man von der Autobahn ab, folgt der B 27, später der B 279 in Richtung Gersfeld. Von dort sind es noch knappe fünf Minuten, dann steht man mitten im Skigebiet.Hier oben hat der Skiclub Hanau vor 50 Jahren einen Lift bis hoch zum Gipfelplateau gebaut. Und der fährt noch heute. An diesem Sonntag ist bereits am frühen Morgen die Schlange am Schlepplift lang. Er bringt die Skifahrer auf 850 Meter Höhe. Von dort gilt es zu entscheiden: rechtsherum geht es auf die schwarze Piste, die bekanntermaßen nur den geübten Skifahrern vorbehalten ist.Familienabfahrt wird bevorzugtDie meisten der Skigäste wählen die linke Abfahrtsseite. Sie bevorzugen die Familienabfahrt oder die Strecke durch den Wald. Bis man wieder unten ankommt, ist man auf der längsten Strecke gut 1,6 Kilometer unterwegs. Am Lift heißt es dann erneut, sich in die immer länger werdende Schlange einzureihen.Jetzt ist Warten angesagt. Doch als Skifahrer kommt man schnell ins Gespräch, über den Schnee, die neuen Skier oder die Qualität der Piste. Einmal quer über den Hang zieht sich die Liftschlange mittlerweile. Es sind massig Skifahrer am Simmelsberg unterwegs.250 zahlende SkigästeAm Ende des Tages wird der Vorsitzende des Hanauer Skiclubs, Patrick Rother, 250 zahlende Skigäste auf den Hängen des Vereins gezählt haben – und mit dem Tag überaus zufrieden sein. Doch nun gilt es die Einteilung der Skischulgäste vorzunehmen. Unterstützt wird er dabei von den Skilehrern Bernd Zilske und Manfred Kalb, allesamt vom Deutschen Skiverband zertifiziert. 26 Kinder zählt Rother an diesem Vormittag.„Wer stand schon mal auf Skiern, der kommt zu mir.“ Rother muss sich bei der wuselnden Menge kleiner Kinder Gehör verschaffen. Alle bekommen eine neongelbe Warnweste umgehängt. „Damit wir wissen, wer zu uns gehört.“ Dann geht es in vier Gruppen Richtung Übungshang. „Die Kleinen lernen schnell“, kündigt Rother an. Bei der Besteigung der flachen Übungspiste hilft den Anfängern der Eberhard-Rother-Lift, benannt nach Rothers Vater, ebenfalls langjähriger Vorsitzender des Vereins.Pizza-Pommes-PrinzipDie Ski-Minis schlagen sich derweil tapfer, erste Kurven gelingen dank des Pizza-Pommes-Prinzips recht schnell. Pizza beschreibt dabei die Pflugstellung, Pommes besagt, dass die Skier parallel nebeneinander zu stellen sind. Nach zwei Stunden ist jeder Teilnehmer so weit, die von Rother aufgestellten Hütchen zu umkreisen und sicher unten anzukommen.

 

„Kinder sollten windelfrei sein. Ein Einstiegsalter von vier Jahren halte ich für ideal, manche fangen aber auch früher an. Dann muss man schauen, wie die Kinder sich anstellen, auch von den Kräften her, wie lange sie das durchhalten“, erklärt Rother. Deswegen bietet der Skiclub immer zwei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags an. „Die meisten machen nur zwei Stunden, mehr schaffen die Kinder einfach körperlich nicht.“Haus wurde nach und nach ausgebautEiner, der sich bereits seit 35 Jahren im Skiclub engagiert, ist Volker Schmidt. Der Hanauer sitzt am Mittag im Hanauer Haus und tunkt einen Teebeutel in heißes Wasser. „Ich war schon 41 Jahre alt, als ich das erste Mal auf Skiern stand. Aber seitdem hat mich der Skisport nicht mehr losgelassen“, erzählt er. Dieses Wochenende ist er gemeinsam mit seiner Ehefrau auf die Hütte gekommen. Auch die Kinder, mittlerweile erwachsen, fahren Ski. „Das verbindet“, sagt der 77-Jährige.Er erinnert sich daran, wie das Haus auf dem Simmelsberg nach und nach ausgebaut wurde, wie Nadelbäume gepflanzt wurden, um dem in der Rhön ewig wehenden Westwind Paroli zu bieten und um Lifttrasse und Pisten zu schützen und zu stabilisieren.Erste Pistenraupe kam aus Garmisch-PartenkirchenUnd an den Erwerb der ersten richtigen Pistenraupe. Aus Garmisch-Partenkirchen kam sie, wurde gebraucht erstanden und durch Zuschüsse von Land, Kreis und Stadt sowie Privatsponsoren finanziert. Sie konnte walzen und gleichzeitig aufbereiten – ein Novum auf dem Simmelsberg. „Seitdem sind unsere Pisten stets top präpariert“, meint Schmidt.Inzwischen ist es Nachmittag. Jetzt gilt es für die Skilehrer den zweiten Schwung Skischüler in die Kunst des Fahrens auf zwei Brettern einzuführen. Der Ansturm ist nun deutlich geringer. Auch ein Erwachsener mischt sich unter die Ski-Knirpse.Viele Anfänger„Generell trennen wir die Erwachsenen von den Kindern. Auch diejenigen, die schon mal auf Skiern gestanden haben, kommen in eine separate Gruppe. In der Regel haben wir aber zu 80 Prozent totale Anfänger“, so Rother.Der 51-Jährige jedenfalls kommt am Sonntag in den Genuss eines Einzelkurses und hat Skilehrer Zilske ganz für sich. Wie die Kinder wird auch er in langsamen Schritten an das Stehen auf Skiern gewöhnt, muss links wie rechts Belasten und bald schon das erste Mal in den Übungslift einsteigen.Lifte haben bis 17 Uhr geöffnet„Als Erwachsener ist das natürlich etwas ganz anderes. Die Angst fährt, je älter wir werden, immer mehr mit“, so Zilske. Kinder würden einfach machen, Erwachsene seien hingegen zu verkopft. Dennoch gelingt dem Ski-Neuling bald die erste Abfahrt. Ob er dabei bleibt? Seine Antwort nach einer knappen Stunde Skikurs: „Ich habe jetzt zumindest ein Gefühl bekommen, was Skifahren heißt und weiß, dass es ganz schön viel Arbeit ist. Vielleicht komme ich mal wieder.“Es ist Spätnachmittag. Langsam verschwindet die Sonne hinter dem Bergrücken. Der Skitag neigt sich dem Ende entgegen. Bis 17 Uhr haben die Lifte geöffnet. Dann kehrt Ruhe ein im Ski-Zirkus. Ein Auto nach dem anderen verlässt das Skigebiet. Am Abend wird nur noch das Geräusch der Pistenwalze von den Hängen hallen und davon zeugen, dass der Simmelsberg auch morgen wieder zu einem Skitag in der Rhön einlädt.

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