Hanau

Silke Hoffmann-Bär soll Leiterin des Stadtgesundheitsamtes werden

Hanau. Die Stadt Hanau geht mit großen Schritten voran auf dem Weg Richtung Kreisfreiheit. Gestern Nachmittag stellten Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtrat Thomas Morlock die Ärztin Dr. Silke Hoffmann-Bär als Leiterin eines neuen Stadtgesundheitsamtes vor.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Sie soll, so die Brüder-Grimm-Stadt zum 1. April 2021 kreisfrei wird, das Amt aufbauen und entwickeln. Hoffmann-Bär hat ihren ersten Arbeitstag am 1. Oktober. Formell ist sie vorerst der Stabsstelle Prävention zugeteilt. Sollte Hanau, so der OB, nicht kreisfrei werden – „wovon ich nicht ausgehe“ –, wird die 49-Jährige die Bereiche Präventition und Gesundheitsförderung auf- und ausbauen und „all das tun, was wir als Nicht-Behörde tun dürfen“.

Die Bewerberlage sei gut gewesen, so der OB und sein Stadtrat unisono. Viele habe die Aufgabe gereizt, ein Gesundheitsamt von Null aufbauen zu können. Auch für Hoffmann-Bär ist es eine „mega-tolle“ Herausforderung wie sie in der Pressekonferenz einräumt. Die 49-Jährige stammt aus Leipzig, hat dort Humanmedizin studiert, als Ärztin, freiberufliche Medizinjournalistin und Dozentin gearbeitet, bevor sie 2006 nach Hessen kam. Seither lebt sie mit ihrer Familie in Hanau. „Ich lebe gerne hier“, sagt die dreifache Mutter. Die Stadt sei vielfältig und bunt.

Bürgernähe und kurze Wege

Seit Januar 2015 arbeitet Hoffmann-Bär beim Main-Kinzig-Kreis, erst als Ärztin im Gesundheitsamt, seit Juli 2017 als Sachgebietsleiterin des Kinder- und Jugendärtzlichen Dienstes und seit August 2018 als Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen. Sie hat klare Vorstellungen davon, was ein Stadtgesundheitsamt den Hanauern bringt, spricht von kurzen Wegen, Bürgernähe und Synergien durch Kooperationen, etwa mit der Vitos-Klinik, einer Kinder- und Jugendpsychiatrie im Tümpelgarten, dem Jugendamt oder dem Eigenbetrieb Kindertagesstätten.

Ein Thema: die Schuleingangsuntersuchungen. Diese werden derzeit von der verantwortlichen Behörde, dem Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises, durchgeführt und finden dezentral in den jeweiligen Schulen statt.Hoffmann-Bär setzt auf Zentralisierung. Die Schulen müssten dann keine Räume mehr vorhalten, und die Bedingungen für die Kinder und die Mitarbeiter, die die Untersuchungen durchführen, würden sich deutlich verbessern, so die 49-Jährige. Auch bei Kitabesuchen oder der Betreuung von zum Beispiel Tbc-Patienten biete die Nähe eindeutig Vorteile.

Konzept steht noch aus

Auch für Morlock liegen die Vorteile einer eigenen Behörde auf der Hand. Wenn beispielsweise Menschen in prekären Lebenssituationen, Drogenabhängige oder Obdachlose, von der Hanauer Stadtpolizei aufgegriffen würden, müsse diese den Sozialpsychiatrischen Dienst in Gelnhausen informieren. „Bis der gerufen ist und die Mitarbeiter vor Ort sind, ist der Obdachlose längst weg“, so Morlock. Er verspricht sich mehr Nähe und kürzere Wege, auch für sozial-schwache Familie mit behinderten oder chronisch kranken Kindern, die nicht mehr bis nach Gelnhausen fahren müssen.

Konzeptionell ist bisher wenig Fleisch am Knochen. „Wir haben kein fertiges Konzept“, räumt Morlock ein. Anders soll es werden. Neu. Mehr Dienstleistungscharakter. Auch das Wo ist noch offen. „Wir sind in Gesprächen“, sagt Kaminsky dazu. Er verspricht eine Innenstadtlage für die neue Behörde und dazueine zeitnahe Entscheidung. Hoffmann-Bär setzt ebenfalls auf ein Gebäude im Zentrum Hanaus. „Beim Main-Kinzig-Kreis unterhalten wir ein eigenes Büro. Vielleicht können wir hier mit dem Klinikum zusammenarbeiten.“ Wenn die Kreisfreiheit kommt, werde zügig mit dem Aufbau begonnen. 20 Mitarbeiter, diese Zahl war bereits vor Monaten genannt worden, sollen im neuen Stadtgesundheitsamt beschäftigt werden.

Plan B in der Tasche

Und wenn Hanau nun doch nicht kreisfrei wird? Dann wird Hoffmann-Bär das Thema Prävention verantworten, angedockt an die Stabsstelle Prävention, die bereits Projekte wie Frühen Hilfen auf den Weg gebracht hat. Niederschwellige Informations- und Beratungsangebote hätte sie gern mehr, Sprechstunden zu allen möglichen Themen rund um die Gesundheit, Impfberatung. So oder so gelte es präventiv aufklärend zu arbeiten, schon in Kindergärten und Grundschulen „um Chancengleichheit zu ermöglichen“.

„Die Stadt von morgen“, so der OB, „soll ein Ort sein, der Gesundheit und Wohlbefinden fördert.“ Er zitiert die Hanauer Allgemeinmedizinerin Dr. Maria Haas-Weber, die auf der letzten Gesundheitsmesse von einer „Sorgenkultur“ gesprochen hatte. Auch wenn der Aufbau eines Stadtgesundheitsamtes am Ende „nur“ der Aufbau einer Behörde sei, also ein technischer Vorgang ist er doch mehr für Kaminsky und die handelnden politischen Vertreter. Der Weg Richtung kreisfreie Stadt Hanau geht weiter. Zeitnah will Kaminsky die Leiterin der Gemeinsamen Einrichtung von Stadt Hanau und der Hanauer Bundesagentur für Arbeit präsentieren. Sie soll bereits am 1. August ihren Dienst beginnen.

Das könnte Sie auch interessieren