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Ob Solo oder als Paar: In der Tanzschule Berné in Hanau ist für ausreichenden Abstand gesorgt. Die gelben Aufkleber am Boden sorgen dafür, dass sich die Tänzer nicht zu nahe kommen.

Tanzen auf neun Quadratmetern

Seit Kurzem hat die Tanzschule Berné in Hanau wieder geöffnet – unter strikten Auflagen

  • vonGabriele Reinartz
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Anfang März wurde die Tanzschule Berné, so wie alle anderen Tanzschulen in Hanau, wegen der Corona-Krise schließen. Nun fand der erste Kurs wieder statt. 

„Am 13. März mussten wir dank Corona unsere Tanzschule schließen, obwohl noch drei Kurse Anspruch auf Unterricht gehabt hätten. Auch den Brüder-Grimm-Ball mussten wir absagen und auf September verlegen. Hintergrund ist, dass laut Hessischer Verordnung Tanzschulen nicht systemrelevant sind, sondern unter der Rubrik Diskotheken, Tanzclubs und, man mag es kaum glauben, Bordellen geführt werden“, erzählt Inhaberin Ute Berné und muss selbst über Letzteres lachen.

 Also schrieb sie, unterstützt von ihrer Tochter Britt Harrington, die zusammen mit ihrer Mutter die Tanzschule leitet, unzählige Briefe an politische Verantwortliche aus Bund, Land und Stadt. Mit Erfolg: „Wir sind sehr froh, dass wir nach acht langen Wochen wieder Kurse anbieten können, wenn auch sehr eingeschränkt.“ Heißt konkret: Es dürfen nur Paare zusammen tanzen, die entweder miteinander verheiratet sind oder in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft zueinanderstehen. 

Ute Berné: Erster Tanztag lief problemlos

Des Weiteren stehen jedem Tanzpaar lediglich neun Quadratmeter Tanzfläche zur Verfügung, dementsprechend ist Platz für maximal zehn Paare gegeben. „Damit die einzelnen Tanzpaare sich nicht zu nahekommen, haben wir die neun Quadratmeter am Boden mit Klebestreifen sichtbar gemacht. Außerdem dürfen unsere Kunden die Tanzschule ausschließlich durch den Eingang betreten und über den Garten wieder verlassen, um auch so Nähe zu vermeiden“, zählt Berné die Vorkehrungen auf. Dass Desinfektionsmittel am Eingang zugänglich ist sowie die Umkleiden und die Bar geschlossen bleiben, versteht sich von selbst. Die Quadratmeter bestimmen auch die möglichen Tänze. Verboten sind solche, die einen engen Körperkontakt voraussetzen. Standard fällt somit weg. 

„Unser erster Tanztag ist problemlos verlaufen“, erinnert sich die Chefin. „Jeder betrat mit Mundschutz die Tanzschule, einige Kursteilnehmer behielten diesen sogar während des Kurses auf. Die Schuhe wechselten sie im Garten. Und unsere Tanzlehrer, insgesamt sind wir zu siebt, haben dafür gesorgt, dass regelmäßig nach den Kursen die Tische, Klinken, Toiletten und alles andere, mit dem Kunden in Kontakt kommen konnten, desinfiziert wurden.“ Türen stünden ab sofort grundsätzlich offen, auch um Durchzug zu erzeugen. 

Große wirtschaftliche Einbußen durch Corona

Den Auftakt am Sonntag machten erwachsene Stammkunden der Tanzschule. Kurse für Schüler bleiben weiterhin verboten. „Mir tun die jungen Leute so leid, weil ihnen das Highlight, der Abschlussball, genommen wurde“, bedauert Berné. „Einigen Gruppen fehlten nur noch zwei Kurse, dann wäre es für sie so weit gewesen.“ Sie hofft daher, dass es bald für sie weitergehen wird und für Schüler allgemein im September. 

Durch Corona muss die Tanzschule große wirtschaftliche Einbußen verkraften. Nicht nur durch die wochenlange Schließung, auch die aktuell auferlegten Einschränkungen führen dazu, dass nur die Hälfte des Kursangebotes stattfinden kann. „Wirtschaftlich ist die Tanzschule derzeit eigentlich nicht tragbar“, verrät Berné freimütig. 

Zwei Anfängerkurse ab 6. Juni

Ihre Tanzlehrer hätte sie daher im Mai alle in Kurzarbeit schicken müssen. „Aber meine Tochter Britt und ich sind fest entschlossen, niemandem zu kündigen. Deswegen verzichten wir beide auf ein Gehalt. Wir hoffen sehr auf Besserung im Herbst.“ Auch ihren Auszubildenden, der seit vier Jahren dabei sei und jetzt eigentlich seine Abschlussprüfung hätte, möchten sie nicht verlieren. Die Tanzschule ist Ute Bernés Lebenswerk. Einst übernahm sie diese von ihren Eltern und konnte den Erfolg vervielfältigen.

Doch durch Corona sei sie „von jetzt auf gleich auf null gesetzt worden“. Wer aber die engagierte und lebhafte Frau kennt, weiß, dass diese sich davon nicht entmutigen lässt. Und so geht es Schlag auf Schlag weiter: „Am 6. Juni bieten wir zwei Anfängerkurse an. Der eine beginnt um 16, der andere um 18 Uhr. Diese Kurse könnten zum Beispiel für Hochzeitspaare interessant sein. Und um 11 Uhr am selben Tag gibt es noch einen Rock’n‘ Roll-Kurs. Hier tanzt dann jeder für sich.“ ››

Mehr Informationen zur Tanzschule Berné gibt es im Internet

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