Breite Fugen, abgebrochene Steine und kleine Ausbesserungen: Der Bodenbelag am Freiheitsplatz ist sichtlich mitgenommen. Foto: Dieter Kögel

Hanau

Schwieriges Pflaster: Mängel sorgen für nötigen Handlungsbedarf

Hanau. Das Pflaster der Innenstadt stand bereits kurz nach seiner Fertigstellung im August 2015 in der Kritik. Nun treten die baulichen Mängel stärker hervor und drängen zum Handeln. Der Beton wird unter der hohen Verkehrsauslastung rissig und die Bodenplatten verschieben sich zu holprigen Stolperfallen.

Von Jasmin Jakob

Bis gestern Nachmittag wurde daher an der Nordseite des Freiheitsplatzes im Abschnitt zwischen Bangertstraße und Marktstraße der Mittelstreifen ausgetauscht. „Das im Zuge des Stadtumbaus verlegte Pflaster hat sich an der Nordseite des Freiheitsplatzes als nicht praktikabel erwiesen“, begründet dies ein Pressesprecher der Stadt.

Zu Beginn der Bauphase hatte man sich aus ästhetischen Gründen für Betonplatten und gegen eine Asphaltierung entschieden. Auch ein spezieller Reinigungseffekt, bei welchem durch eine beschichtete Oberfläche bei Regenwetter Verunreinigungen entfernt werden sollten, trug zur Entscheidung bei.

Effekt bleibt aus

Doch der gewünschte Effekt blieb aus. 2017 hatten die Platten Patina angesetzt und wiesen starke Verunreinigungen auf. So funktioniere die Selbstreinigung laut Stadt nicht bei hartnäckigen Verunreinigungen wie Kaugummis, Vogelkot, Reifenspuren durch das Durchdrehenlassen der Räder oder fetthaltigen Rückständen. Daher müssen die Platten regelmäßig von der Stadt mit entsprechender Technik gereinigt werden.

Da der Straßenbelag der Last der Busse nicht standhielt, wurden nun die Betonplatten entfernt und der Mittelstreifen asphaltiert. Mit dieser Lösung soll die Ober‧flächenstruktur des Straßenbelags beibehalten und eine optisch angepasste, widerstandsfähigere Variante gefunden werden. Die Bauarbeiten dazu hatten am Donnerstag begonnen. Bereits in der vergangenen Woche wurde der alte Plattenbelag aufgebrochen und abtransportiert.

Ebenso konnte eine neue Bindeschicht angebracht werden, auf welcher der Gussasphalt im sogenannten Cera-Print-Verfahren in Natursteinoptik geprägt wurde. „Das Problem war nicht das Material, sondern die Fugen“, so der Pressesprecher. Die Platten hätten sich abgesenkt und seien an den Rändern gebrochen. So stellten sie vor allem für Radfahrer und Fußgänger eine Sturz- und Stolpergefahr dar. Da der Umbau aufgrund einer Fehlentscheidung fällig wurde, trägt die Stadt die anfallenden Kosten in Höhe von 32 000 Euro.

Bereits 2016 ein Problem

Die Fugen waren bereits 2016 ein Problem. Durch den Betrieb von Kehrmaschinen und den Sog von Busreifen wurde das Fugenmaterial aus den Zwischenräumen gezogen. Mit einer Spezialmasse aus Kunstharz, Gummigranulat und Sand mussten die zu breit gewordenen Zwischenräume versiegelt werden. Die Kosten dafür beliefen sich auf 125 000 Euro.

Hinzu kommen erhebliche bauliche Mängel auf der Südseite des Freiheitsplatzes, für die die Stadt die Baufirma verantwortlich macht. Dort ist der Beton rissig geworden. Zum einen läge das an einem unsachgemäß gefertigten Unterbau, der teilweise erneuert werden müsse, da zu viel Wasser unter den Beton eindringen könne. Das verursacht im Winter erhebliche Frostschäden. Zum anderen stehe der Beton zu sehr unter Spannung.

Rechtsstreit mit der Baufirma

Wegen dieser Baumängel steht Hanauer Infrastruktur Service (HIS) schon seit längerer Zeit im Rechtsstreit mit der Baufirma. Nachdem die Fristen für die Mängelbeseitigung verstrichen waren, hat die Baufirma nun angekündigt, ein entsprechendes Sanierungskonzept vorlegen zu wollen. „Da ist ganz lange nichts passiert, erst unter Klageandrohung hat sich etwas bewegt“, so der Pressesprecher.

Im Zuge der Gewährleistungsfrist mussten bereits im Herbst 2017 die Randsteine an den Bussteigen erneuert sowie Schäden an der Entwässerungsrinne in der Verlängerung der Hammerstraße zur Bangertstraße behoben werden.

Auch hier waren die Kanten der Platten abgeplatzt. Auch am Marktplatz ziehen sich Risse durch den Beton der Busfahrbahn. Diese sind ebenfalls auf bauliche Mängel zurückzuführen. Momentan seien allerdings keine konkreten baulichen Maßnahmen geplant.

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