Hinterhalt in der Geistersiedlung: Zwischen diesen Häusern an der Annastraße haben die beiden Angeklagten ihren Kontrahenten überfallen.
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Hinterhalt in der Geistersiedlung: Zwischen diesen Häusern an der Annastraße haben die beiden Angeklagten ihren Kontrahenten überfallen.

Schuss in der Hanauer Geistersiedlung

Staatsanwältin fordert volle Härte des Gesetzes für Räuber-Duo aus dem Drogenmilieu

  • Thorsten Becker
    VonThorsten Becker
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Im Prozess vor dem Landgericht Hanau um einen schweren Raub im Drogenmilieu hat die Staatsanwältin hohe Freiheitsstrafen für ein Duo gefordert. Sie sieht in dem Verbrechen, bei dem einem 51-jährigen ins Knie geschossen wurde, einen „hinterlistigen Überfall“

Hanau - Zwei Männer aus dem Drogenmilieu liegen im Clinch. Es geht um größere Mengen Haschisch. Am 25. Oktober vergangenen Jahres greift der 33-jährige Sercan T. zur Waffe. Zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Komplizen Eugen O. lockt er den 51-jährigen A. zur Geistersiedlung an der Annastraße/Kinzigheimer Weg. Der Vorwand: Angeblich wartet dort, mitten in dem stockdunklen, menschenleeren Areal, eine junge Dame aus dem Rotlichtmilieu auf A., der wohl deshalb 1000 Euro in seinem Portemonnaie stecken hat.

Lockvogel aus dem Rotlichtmilieu - Treffpunkt in Hanauer Geistersiedlung vereinbart

Doch der Weg zum käuflichen Sex entpuppt sich als Hinterhalt. Das vermummte Duo lauert in einem Gebüsch, als der Freier zu dem angeblichen amourösen Treffpunkt am Rande der Stadt erscheint. A. wird mit einem Elektroschocker kampfunfähig gemacht und gefesselt. Dann fällt ein Schuss aus einer Pistole mit Schalldämpfer, die T. in der Hand hält. Das Opfer wird im Knie getroffen und schwer verletzt. Mit 1000 Euro flüchtet das Duo in Richtung Bieberer Berg und nehmen rund 1,3 Kilogramm Haschisch aus der Wohnung des Opfers mit.

An diesem Sachverhalt gibt es nach sieben Verhandlungstagen vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Hanau wohl kaum noch einen vernünftigen Zweifel, zumal die beiden Angeklagten das Geschehen – zumindest in groben Zügen – eingeräumt haben (wir berichteten). Jetzt biegt der Prozess auf die Zielgerade, es geht ums Eingemachte – die juristische Bewertung des Verbrechens.

Staatsanwältin: Schwerer Raub, Freiheitsberaubung und bewaffneter Drogenhandel

Staatsanwältin Melissa Pfaffenberger fordert die volle Härte des Gesetzes: T. soll für neuneinhalb Jahre hinter Gitter, sein Komplize für acht Jahre und vier Monate. Beide sollen sich zudem einer Drogentherapie unterziehen. Sie sieht das Duo auf der Anklagebank als überführt an und fordert eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen schweren Raubs, Freiheitsberaubung sowie bewaffneten Drogenhandels.

„Das war ein hinterlistiger Überfall“, sagt Pfaffenberger, die nach der Beweisaufnahme einen ausgeklügelten Plan von T. sieht. Das Motiv: T. will sich rächen und zusammen mit O. das Haschisch und die 1000 Euro rauben. Der 33-Jährige habe einen „erheblichen Aufwand“ betrieben, um A. in die Falle zu locken. Der Kauf der Waffe, der Einsatz eines Lockvogels, der bewusst ausgewählte, einsam gelegene Tatort, die Vermummung und der Einsatz eines Schalldämpfers sprächen für eine „erhebliche kriminelle Energie“.

Hat sich der Schuss versehentlich gelöst? Anklägerin: Das sind Märchen

Zwar hätten beide Angeklagte Geständnisse abgelegt und den Drogenfahndern der Kripo weitere Hinweise gegeben. Doch die Aussage von T., er sei davon ausgegangen, die Pistole sei gesichert gewesen und der Schuss habe sich versehentlich gelöst, schenkt Pfaffenberger keinen Glauben und verweist sie in das Reich der Märchen. Selbst jeder Laie könne selbst an einer Schreckschusswaffe den roten Punkt am Sicherungshebel einer Waffe klar deuten: „Rot ist gleich tot.“

Genauso sieht es die Vertreterin der Nebenklage. „Das war ein krasser Überfall, der mit einer krassen Strafe geahndet werden muss“, sagt Rechtsanwältin Claudia Fennemann. Ariane Iversen und Ralf Müller-Lühmann, die beiden Verteidiger von T., machen keinen Hehl daraus, dass es ein Raub gewesen ist, sehen aber geringere Schuld. Sie beantragen daher eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Peter Oberländer, der Verteidiger von O. sieht seinen Mandanten ebenfalls als schuldig an, dringt neben einer Freiheitsstrafe, die er nicht näher beziffert, vor allem auf den Drogenentzug. (Von Thorsten Becker)

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