Kritischer Austausch: Vertreter der Schulelternbeiräte aus ganz Hessen diskutierten mit Kultusminister Ralph Alexander Lorz (Fünfter von links), aber auch untereinander das Thema Digitalisierung an Schulen. Foto: PM

Hanau

Schulelternbeiratstagung mit Kultusminister in Hanau

Hanau. Der Stadtelternbeirat hatte am Samstag sowohl den hessischen Kultusminister Professor Ralph Alexander Lorz (CDU) als auch sämtliche Schulelternbeiräte des Landes zu einer Tagung in die Hohe Landesschule (Hola) am Alten Rückinger Weg eingeladen.

Von Rainer Habermann

Nicht wenige folgten dieser Einladung, sie konnten zunächst den Erklärungen des Staatsministers und weiterer Referenten lauschen, darüber diskutieren und sich anschließend in Workshops mit dem eigentlichen Thema der Veranstaltung, der Digitalisierung an Schulen, auseinandersetzen. Einen zentralen Fragenkatalog hatte der Hanauer Stadtelternbeirat erarbeitet: zu Fragen der Medienkompetenz von Schülern, der Sicherheit von Daten und Inhalten, zum Zeitplan der Digitalisierung, und zum Thema „Bildungsgerechtigkeit“.

Einen ersten Akzent setzte der Hanauer Bürgermeister und Bildungsdezernent Axel Weiss-Thiel, der den „zentralen Punkt“ in der Umsetzung der Digitalisierung nicht im „Faktor Hardware“, wohl aber im „Faktor Mensch“ sieht. Und nach eigenen Worten ein Déjà-vu hatte, als ehemals zuständiger Dezernent für die Digitalisierung der Stadtverwaltung.

Gemischte Vorraussetzungen

Der Vorsitzende des Hessischen Landeselternbeirats (LEB), Korhan Ekinci aus Taunusstein, selbst im beruflichen Leben IT-Spezialist, markierte den nächsten Vortragspart mit kritischen Bemerkungen zur Frage der Hard- und Software-Wartung über die kommenden Jahre.

Und Annette Soffner, Vorsitzende des Hanauer Stadtelternbeirats, mahnte, die rund 5000 Lehrkräfte in Hessen müssten „mit auf die Reise genommen werden“. Und forderte außerdem: „Copy undamp; paste darf nicht das eigenständige Denken ersetzen“. Gemischte Voraussetzungen also für eine Botschaft des hessischen Kultusministers Lorz, der das Landesprogramm „Digitale Schule Hessen“, ausgestattet mit 500 Millionen Euro für fünf Jahre, vorstellte.

Das magische Viereck

Kernpunkte des Programms sind laut Lorz ein „Praxis-Beirat“, der auf ministerieller Ebene eingerichtet werden und eine Beteiligung der Elternbeiräte einschließen soll. Es gehe darum, einen „einheitlichen Grundstandard in die Schulen zu bringen“, was die IT-Ausstattung betrifft. Außerdem bilde das „magische Viereck“ aus technischer Ausstattung inklusive Breitband und WLAN, einer pädagogischen Unterstützung, gut ausgebildeten Lehrkräften und der Schaffung einer Medienkompetenz einschließlich Jugendmedienschutz die Grundlage der Digitalisierung aller hessischen Schulen.

Das Internetportal, mit dem alle Schulen künftig verbunden sein sollen, setze in erster Linie auf sogenannte Open Source Software und nicht auf die Angebote großer Konzerne wie Microsoft oder Apple. Die einzelnen Schulen sollen – quasi im Gegenzug zur Förderung – bei Antragstellung für Fördermittel aus dem 500-Millionen-Paket, möglich bis ins Jahr 2021, „Medienbildungskonzepte“ erarbeiten.

Konter vom Staatsminister

Eine Kritik aus den Reihen der Schulelternbeiräte, das Programm komme „viel zu spät“ und sei vom Umfang her „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, konterte der Staatsminister mit den Worten: „Sind 100 Millionen Euro pro Jahr, nur für die IT-Technik, etwa nichts?“

Es gibt laut Angaben des Statistischen Landesamtes in Hessen (Stand: Schuljahr2018/2019) insgesamt 1854 Schulen mit rund 629 000 Schülern, wobei die Spanne von Grund- über Privatschulen bis hin zu Gymnasien reicht. Somit ergibt sich rein rechnerisch ein Betrag von knapp 54 000 Euro pro Jahr und Schule oder ein Betrag von knapp 160 Euro pro Jahr und Schüler.

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