Klein-Auheim

Schüchterner Jungelch und zutrauliche Gänse neu im Wildpark

Klein-Auheim. Verhaltensforscher Konrad Lorenz hätte derzeit im Klein-Auheimer Wildpark Alte Fasanerie seine große Freude. Dort werden zwei am 9. Mai geborene und auf den Menschen geprägte Gössel von drei jungen Wildpark-Mitarbeitern großgezogen. Sie laufen mitunter sogar fremden Zweibeinern hinterher.

Von Holger Hackendahl

Die Gänseküken werden von Svenja Jäkel, Leah Rasche und Dorian Stache, die im Wildpark ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren, umsorgt. „Der Steinbacher Kampfganter (Männchen) hat sich mit Leinegans 'Kuki' verpaart – nachdem im vergangenen Jahr sein altes Gänseweibchen verstorben war“, berichtet Wildparkbiologin Dr. Marion Ebel. Daraus gingen fünf befruchtete Gänseeier hervor. „Nach dem Schlupf hatte die nicht sehr Gänseküken-erfahrene 'Kuki' leider drei der Jungen erdrückt, sodass wir ihr – vorsichtshalber – die zwei verbliebenen Gössel abgenommen haben“, erläutert Ebel, dass die jetzt schon recht stattlichen Küken ein Monat alt sind. „Die zwei zutraulichen Gössel werden seitdem von unseren FÖJlern versorgt. Sie haben den Part des Gänsevaters übernommen.“

Die zwei Junggänse wachsen schnell, entwickeln sich gut und folgen ihren menschlichen Eltern bei der täglichen Arbeit auf Schritt und Tritt. Bei den täglichen Arbeiten wie Haustiergehege saubermachen und Tiere füttern laufen die Gössel mit. Die possierlichen Junggänse stärken sich dann mit am Wegesrand wachsendem Gras und Brennnesseln. „Isaak und Martina – so die Namen der Gössel – werden darüber hinaus mit kleingeraspelten Karotten und Salat gefüttert“, wissen die FÖJler, dass es weltweit nur noch 190 Leinegänse gibt. „Wahrscheinlich wird das Gefieder – wenn die Gänse dann erwachsen sind – weiß leuchten und grau-bläulich schimmern“, tippt Biologin Ebel auf ein Gewicht von knapp über fünf Kilogramm. Angst, dass die Gänse mal als Weihnachtsbraten enden, müssten sie übrigens nicht haben, ergänzt Dr. Ebel.

Drei FÖJler (Freiwilliges Ökologisches Jahr) kümmern sich um die beiden jungen Gänse. Foto: Holger Hackendahl Weiterer Nachwuchs steht bevor

Anfang Juni gab es im Wildpark weiteren Nachwuchs bei Rot-, Dam- und Sikawild. Auch beim Jagdfasan sind Küken geschlüpft und ein Storchenpaar baut im Rotwildgehege auf einem Baumstumpf in 15 Metern Höhe einen neuen Horst.

Große Freude macht der Tierpfleger-Crew derzeit auch Elchkuh „Jule“, die – wie schon im Vorjahr ebenfalls am 17. Mai – ein Elchkalb zur Welt gebracht hat. Mutter und Kind sind wohlauf, verstecken sich aber im Dickicht, da Elchmama „Jule“ keinerlei Annäherung – auch nicht der ihr bekannten Tierpfleger – duldet. „Das Kälbchen sieht gut aus. Wir denken, es ist ein weibliches Jungtier und hoffen, dass es durchkommt“, sagt die Wildpark-Biologin.

Mutter und Kälbchen sind scheu

Es scheint, als wäre alles okay, und die Mutter-Kind-Bindung stimmt auch. Das Kalb trinkt regelmäßig – so weit wir das beobachten können“, erläutert Ebel, dass sich Mutter Jule mal in ein Birken- oder aber ins Kieferwäldchen zurückzieht, sie sich vor allzu neugierigen Besucher- und Tierpflegerblicken versteckt. „Ein einziges Mal habe ich beide etwas näher zu Gesicht am Zaun bekommen. Da war ich selbst erstaunt“, sagt Ebel. Für Wildparkbesucher ist es nahezu unmöglich, Mutter und Kälbchen zu Gesicht zu bekommen. Bereits im Frühjahr 2018 war die scheue „Jule“ Mutter geworden, das erste Mal. Das Kälbchen verstarb allerdings wenige Tage nach der Geburt. Zuvor hatte sich „Jule“ mit ihrem Nachwuchs vollends gegen Blicke neugierige Wildparkbesucher abgeschottet.

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