Für den Verein Stadtbild ist der Schlossplatz ein wichtiges Thema. Archivfoto: Mike Bender

Hanau

Schlossplatz: Hat der Verein Stadtbild Urheberrechte verletzt?

Hanau. Mit sprichwörtlich fast allen Mitteln hatte der Ortsverband Hanau des Vereins Stadtbild um seinen Vorsitzenden Reinhard Hühn versucht, die Entscheidung der Stadtverordneten in Sachen Schlossplatz noch in eine andere Richtung zu lenken. Wie sich nun zeigt, hat er das offenbar nicht nur mit fairen Mitteln getan.

Von David Scheck

In einer Stellungnahme, gesendet an den Magistrat der Stadt Hanau, distanziert sich Dr. Markus Häfner, ehemaliger Hanauer Stadthistoriker, vom Hanauer Verein Stadtbild. Hühn hatte in einer Pressemitteilung Ende vergangener Woche ein „Expertengremium“ erwähnt, das dem Verein beratend zur Seite stehe. „Die Pressemitteilung erweckt den Eindruck, ich stände dem Verein nahe und gehöre dem 'Expertengremium' an. Beiden Sachverhalten möchte ich dezidiert widersprechen“, teilte Häfner schriftlich dem Magistrat mit. Die Pressestelle der Stadt Hanau hatte das Schreiben an die Redaktion weitergeleitet. Weiter heißt es darin: „Ich stehe in keinerlei Kontakt zum Verein. Über die Argumentation mit meinem Namen und meinen Forschungen habe ich erst durch Presseartikel erfahren.“

In der Mitteilung und dessen Anhang bezieht sich Stadtbild auf die von 2015 veröffentlichte Dissertation „Jede Stadt braucht ihr Gesicht. Der Wiederaufbau der Stadt Hanau nach 1945 – Zwei Dekaden zwischen Zerstörung und Urbanität“. „Der Text des der Pressemitteilung angefügten Anhangs entspricht in hohem Maße meinen Ausführungen aus dieser Publikation, ohne mich als Autor und Urheber zu erwähnen und mich um eine Abdruckerlaubnis gefragt zu haben“, schreibt Häfner. Selbiges sei auch in der Veröffentlichung „Stadtbildanalyse Historische Hanauer Altstadt“ erfolgt, die, so der Historiker, „in Teilen nahezu wörtlich meine Forschungen übernimmt, ohne dies kenntlich zu machen und damit Verstöße gegen das Urheberrecht und den Codex guter wissenschaftlicher Praxis darstellt“.

Verein stand vorher bereits in der Kritik

Darüber hinaus stelle Stadtbild Häfners Forschungsergebnisse verkürzt dar, „ohne die städtebaulichen Vorstellungen, baugesetzlichen Bestimmungen, Förderrichtlinien und funktionalen Erwägungen der Wiederaufbauzeit darzulegen, die ich detailliert herausgearbeitet habe“.

Wie berichtet, hatte sich auch der Vorwurf Hühns, die Stadt habe bei den Planungen zum Schlossplatz das Landesamt für Denkmalpflege nicht miteinbezogen, als falsch herausgestellt. Von dort hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung, dass dem Landesamt alle drei eingereichten Entwürfe vorgelegt worden seien. Zudem habe im Kanzleigebäude eine Begehung stattgefunden. Hühn hatte in seiner Mitteilung von einer Kontaktaufnahme mit einer Vertreterin des Landesamts für Denkmalpflege gesprochen. Wie sich herausstellte, handelte es sich allerdings um die Vertretung der zuständigen Ansprechpartnerin. Diese habe zur Thematik um Schlossplatz und Kanzleigebäude keinerlei Auskunft geben können und habe auch keine Unterlagen dazu gekannt. Daraus schloss Hühn offenbar, dass dem Amt nichts dazu vorliege. In seiner Stellungnahme – nachdem sich gezeigt hatte, dass das Landesamt sehr wohl eingeweiht war – schreibt Hühn nun: „Die Vertretung hätte wissen müssen, dass es den Vorgang 'Schlossplatz – Kanzleigebäude' gibt.“

Urheberrechtsverletzung: Historiker Markus Häfner wirft Stadtbild vor, in der Broschüre „Stadtbildanalyse Historische Hanauer Altstadt“ aus einer seiner Publikationen abgeschrieben zu haben, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen oder ihn als Autor zu nennen. Deckblatt: Verein Stadtbild

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