Von Stadtbild bevorzugt: Das Konzept von KCI orientiert sich an der historischen Bebauung, beachte die "Fassadenfibel" und habe ein überzeugendes Nutzungskonzept, so der Verein. Visualisierung: KCI

Hanau

Schlossplatz: Verein Stadtbild kritisiert Baugesellschaftsentwurf

Hanau. Beim Hanauer Ortsverband des Vereins Stadtbild Deutschland sowie bei weiteren Fürsprechern des KCI-Entwurfs herrscht nach wie vor Fassungslosigkeit darüber, dass der Magistrat der Stadt Hanau bei der Neugestaltung des Schlossplatzes den Vorschlag der Bietergemeinschaft Baugesellschaft/Terramag favorisiert.

Von David Scheck

Die Gegner dieses Entwurfs sehen dabei auch vorgegebene Kriterien nicht eingehalten. Für sie ist klar: „Das darf keinesfalls durchgepeitscht werden.“

Baugesellschaftsentwurf „darf keinesfalls durchgepeitscht werden“

Mit dem möglichen „Durchpeitschen“ ist die Stadtverordnetenversammlung gemeint, denn die Stadtparlamentarier werden – ungeachtet der Festlegung des Magistrats, aber sicher nicht davon unbeeindruckt – letztlich entscheiden, welcher der drei eingereichten Entwürfe es werden soll.

Nun ist die Magistratsempfehlung schon so etwas wie ein Fingerzeig, dennoch wollen die Kritiker des Entwurfs von Baugesellschaft und Terramag sich nicht damit abfinden. Um dem Nachdruck zu verleihen, hatte der Hanauer Ortsverband von Stadtbild um seinen Vorsitzenden Reinhard Hühn zum Pressegespräch geladen.

Mit dabei waren neben anderen auch Dominik Mangelmann, der Bauingenieur ist und als Initiator des Wiederaufbaus der Frankfurter Altstadt gilt, sowie Diplomingenieur Geo Oeter aus Frankfurt.

Bisher gab's keine öffentliche Bürgerversammlung

Ihre Kritik richten Hühn und seine Mitstreiter zum einen an die Rathausspitze, zum anderen beziehen sie sie auf den von Baugesellschaft und Terramag eingereichten Entwurf. „Die Stadt hätte fragen müssen: Was wollen die Bürger?“

Doch eine öffentliche Bürgerversammlung, bei der man hätte über das Vorhaben informieren und dabei auch ein Stimmungsbild in der Bevölkerung hätte abfragen können, hat bis heute nicht stattgefunden. Allerdings konnten sich Interessierte beim Hanauer Bürgerwochenende Ende März unter anderem auch über das Thema Schlossplatzbebauung informieren.

Verein Stadtbild sieht Kriterien nicht eingehalten

Allerdings erheben Hühn, Mangelmann und Oeter noch andere Vorwürfe: So halte der Entwurf der Baugesellschaft grundlegende Richtlinien zur Bebauung der Altstadt, festgehalten in einer sogenannten „Fassadenfibel“, nicht ein.

So sehe das Konzept der Baugesellschaft beispielsweise eine Verkleidung mit Klinker in der Sockelzone vor, obwohl dies nicht erlaubt sei; ebenso sei die Anordnung des Eckgebäudes im Riegel zwischen Kanzleigebäude und ehemaliger Schule am Schlossplatz giebelständig, in der „Fassadenfibel“ der Stadt Hanau heiße es aber: „Die traufständige Bebauung der Blockrandbebauung ist einzuhalten.“

Hotel würde mehr Frequenz bringen

Und auch die Anordnung der Dachgauben widerspreche im Modell der Baugesellschaft der „Fassadenfibel“. Kriterien wie diese erfülle der KCI-Entwurf diesbezüglich eher als jener der vom Magistrat favorisierten Konkurrenz. Dass der Investor aus Frankfurt sich mit seinem an der historischen Vorkriegsbebauung orientierten Entwurf an diese Vorgaben gehalten habe und nun offenbar in die Röhre schaue, stößt Hühn und Co. übel auf.

Auch was die Nutzung der Gebäude – für die Stadtspitze natürlich ein äußerst wichtiges Kriterium – betrifft, läge das Konzept von KCI vorne. Dieses beinhaltet im Gegensatz zu jenem der Baugesellschaft ein Hotel. Ein solches in „dieser schönen Lage“ (Hühn) würde mehr Frequenz und damit auch eine höhere Auslastung für den Congress Park Hanau (CPH) mit sich bringen, sind die Befürworter überzeugt.

Wie kann der Schlossplatz am besten belebt werden?

Dagegen bezweifeln Hühn, Mangelmann und Oeter ein solches Mehr an Publikumsfrequenz durch die Idee der Baugesellschaft mit der Unterbringung einer Tanzschule und eines Clubs in den neu zu errichtenden Gebäuden. „Wo ist da das Leben tagsüber?“, fragt Hühn. Schließlich gehe es doch darum, den Schlossplatz zu beleben.

Und um Wirtschaftlichkeit: Hühn und die Ingenieure kalkulieren eine monatliche Miete von rund 12 000 Euro, die die Tanzschule aufbringen müsste. „Da muss erst einmal die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden.“ KCI dagegen habe für sein geplantes Café und den Hessenshop solide Investoren an der Hand, die ihr Interesse schriftlich hinterlegt hätten.

Mit Argumenten wie diesen wollen Hühn und seine Kompagnons in den kommenden Wochen auf die Fraktionen zugehen, um die Stimmung doch noch in Richtung KCI umzuschwenken.

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