Der Schlossplatz heute: Das marode Haus des Handwerks (mit Verbindungsbrücke zum Kanzleigebäude) soll abgerissen werden. Foto: Robert Göbel

Hanau

Schlossplatz: Das sind die drei Entwürfe zur Neugestaltung

Hanau. Historisierende Bebauung oder moderne Ergänzung? Drei Bietergemeinschaften stehen in der Endrunde des Konzeptvergabeverfahrens zur Neugestaltung des Hanauer Schlossplatzes. Wir stellen die zur Wahl stehenden drei Entwürfe vor.

Es handelt sich um den Privatinvestor KCI (Frankfurt) mit einer historisierenden Bebauung und einer Nutzung mit Gastronomie, Wohnungen und Büros (Entwurf A), Privatinvestor 3W (Wiesbaden) mit einem Design-Hotel (Entwurf B) und die kommunale/privatrechtliche Bietergemeinschaft Baugesellschaft/Terramag (Hanau) mit einer Nutzung aus Gastronomie, Wohnen und Büros (Entwurf 3).

Entwurf A: Historisierende Bebauung

Mit der Bezugnahme auf die historischen Grundrisse der Altstadt will die Investorengemeinschaft KCI (Frankfurt) von allen drei Bewerbern das größte Neubauvolumen umsetzen: Auf 5500 Quadratmetern Geschossfläche ist ein weit in den Schlossplatz hineinragender Gebäudekomplex geplant, der „den Fußabdruck der historischen Gliederung nachzeichnet“, so Architekt Olaf Gerstner vom beauftragten Büro Gerstner/Kaluza. Die Fassaden sollen die historischen Vorbilder aufnehmen.

Markantes Gebäude wird eine Brauereigastronomie, das als Fachwerkhaus mit verglastem Giebel bis in Höhe zur Straßenführung entsteht. Im Gebäudekomplex zwischen Erbsengasse und Fronhof sollen Gewerbeeinheiten, ein Café mit Außengastronomie zum Fronhof hin und Wohnungen in den Obergeschossen entstehen. Der gesamte Komplex erhält eine Tiefgarage. Im hinteren Bereich an der Münzgasse sind Studentenwohnungen geplant. Im Kanzleigebäude entstehen Event-Lokale und Büros.​

So will die Investorengemeinschaft KCI den Schlossplatz bebauen: Basierend auf den früheren Gebäudegrundrissen soll vor der Karl-Rehbein-Schule nach dem Abriss vom „Haus des Handwerks“ neben dem alten Kanzleigebäude diese Gebäudezeile unter anderem mit Brauerei-Gaststätte und Außengastronomie entstehen.

Der Plan: Der neue Gebäudekomplex, für den das „Haus des Handwerks“ weicht, ragt beim Entwurf von Investor KCI sehr weit in den Schlossplatz hinein.

Historische Vorbilder: Links der Blick in die frühere Erbsengasse, rechts die vom KCI-Architektenbüro dort geplante Neubebauung.

So sah der Hanauer Schlossplatz vor seiner Zerstörung aus.

Entwurf B: Design-Hotel mit Gastronomie

Als Einziger der drei Bewerber, die in der Endrunde um die Neugestaltung des Schlossplatzes stehen, plant die Projektentwicklungsgesellschaft 3W (Wiesbaden) mit einer überwiegenden Hotelnutzung. Anstelle des „Hauses des Handwerks“ und im rückwärtigen Bereich der Münzgasse ist ein Design-Hotel in der Größenordnung von 100 bis 150 Zimmern geplant. Bei der Bebauung des Schlossplatzes ist als belebendes Element ein Brunnen vorgesehen.

Im Kanzleigebäude plant 3W im Erdgeschoss mit Gastronomie – bei der auch mit dem benachbarten Congress-Park zusammengearbeitet werden soll – und im Obergeschoss mit kleinen Konferenzräumen, Businesscentern, Co-Working-Räumlichkeiten und/oder Raum für Vereine wie die Altstadtinitiative.

Mit Brunnen und Hotel: Der Projektentwickler 3W aus Wiesbaden will den Schlossplatz zu einem Platz der Begegnung machen. Mit dem Hotel sowie dem Kanzleigebäude mit Gastronomie und gemischter Nutzung im Obergeschoss verspricht man sich Synergieeffekte und plant eine Kooperation mit dem CPH. Eine Historisierung ist nicht gewollt. Man müsse am Platz die Geschichte ablesen können.

Der Plan:Keine Abgrenzung – die Durchlässigkeit des Fronhofs ist ausdrücklich gewollt. Passanten können durch den Hof zum Schlossgarten laufen.

Intimer Charakter: Der Fronhof soll nicht nur für Veranstaltungen genutzt werden. Mütter mit ihren Kindern oder Schüler sollen hier einen Ort finden, an dem sie sich gerne aufhalten.

Entwurf C: Moderne Neubebauung

Mit einem Entwurf von Architekt Stefan Forster, der auch den Neubau an der Französischen Allee entworfen hat, geht die Baugesellschaft in einer Bietergemeinschaft mit dem privaten Unternehmen Terramag ins Rennen. Das Konzept sieht vor, dass das Areal in kommunaler Hand bleibt.

Forster plant mit einem viergeschossigen Gebäude anstelle des heutigen „Hauses des Handwerks“ und einer Neubebauung entlang der Münzgasse inklusive Tiefgarage mit einem Abschluss des Fronhofs, sodass der Platz zu einer geschlossenen Einheit wird.

Als Nutzungen sieht der Entwurf Gastronomie zum Schlossplatz hin vor, die Ansiedlung einer Tanzschule, ein Event-Lokal und Wohnungen. Im alten Kanzleigebäude, in das Lichtbänder und bodentiefe Fenster eingebaut werden sollen, sind Tagungsräume für Vereine und Unternehmen sowie im Obergeschoss Büros vorgesehen. Das Thema Lichtbänder und größere Fenster, die für die geplante Nutzung erforderlich sind, wären aber noch mit der Denkmalschutzbehörde abzustimmen.

Der Schlossplatz, umgestaltet nach dem Entwurf der Investorengemeinschaft Baugesellschaft/Terramag: Das „Haus des Handwerks“ ist einem Neubau gewichen, während das denkmalgeschützte Kanzleigebäude bodentiefe Fenster unten und Lichtbänder oben erhalten hat.

Der Plan:Die Neubauten bleiben zum Schlossplatz hin in etwa in der Flucht des heutigen „Hauses des Handwerks“.

Blick vom künftigen „Haus des Jugendrechts“ auf den Schlossplatz nach den Plänen von Architekt Stefan Forster. Die größeren Fenster und Lichtbänder im Kanzleigebäude sind eine Maximalforderung gegenüber dem Denkmalschutz und wären noch Verhandlungssache.

Parkplätze werden weichen - So geht es weiter

Egal, wer den Zuschlag erhält, die heutigen Parkplätze im Fronhof und auf dem Schlossplatz werden nach der Umgestaltung in allen drei Entwürfen weichen.

Im vergaberechtlichen Verfahren hat die Stadt folgende Ausschreibungsvorgaben genannt: Auf dem Schlossplatz beziehungsweise am Fronhof soll eine Mischung aus Wohnen (beziehungsweise Hotel), Gastronomie, Läden sowie kulturellen und sozialen Einrichtungen entstehen. Das frühere Kanzleigebäude soll dem Investor in Erbbaupacht überlassen werden. Das baufällige „Haus des Handwerks“ ist zum Abriss vorgesehen. An dessen Stelle sowie im rückwärtigen Bereich am Fronhof (Münzgasse) sollen Neubauten errichtet werden. Die Nutzung des Fronhofs für kulturelle Veranstaltungen soll auch in Zukunft gewährleistet sein.

Den Zuschlag soll der Bewerber mit dem aus Sicht der Stadtverordneten „besten Konzept“ erhalten und nicht der Höchstbietende. Zurzeit werden die drei in die Endrunde gekommenen Entwürfe in den Ausschüssen vorgestellt und dort beraten. Bisher ist geplant, dass ein Beschluss noch vor der Sommerpause gefällt werden soll.

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