Die Höhen der Gebäude am Schlossplatz sind bei der Diskussion um die Wahl des geeigneten Planungsentwurfs ein zentrales Argument im Pro und Contra. Luftbild: Axel Häsler

Hanau

Schlossplatz: Architekt übt Kritik an Argumentation der Stadt

Hanau. In der Diskussion um die Bebauung des Schlossplatzes melden sich jetzt auch der Hanauer Architekt Olaf Gerstner und sein Investor KCI zu Wort, die –- wie berichtet – mehrfach in der jüngsten Sitgung des Umwelt- und Strukturausschusses von Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtentwickler Martin Bieberle erwähnt wurden.

Von Jutta Degen-Peters

Gerstner, dessen Entwurf bei den Bürgern große Resonanz findet, weist, wie es der Ausschuss bereits tat, darauf hin, dass er mit dem Verein Stadtbild Hanau in keinerlei Verbindung stehe. Ferner erklärt er, dass dem Investor KCI sehr wohl die „Letters of Intent“ vorlägen. Es gebe also mehr als die monierten unverbindlichen Zusagen.

Den mutigen Entscheidungen der Verantwortlichen von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung zum Stadtumbau zollt er seinen Respekt und hofft in diesem Sinne „auf eine Entscheidung der Stadtverordneten, die Hanau in die Zukunft trägt und die Entwicklung der Stadt bestmöglich befördert“, so Gerstner wörtlich in einer Stellungnahme, die uns gestern erreichte.

"Notwendige und lang ersehnte Ergänzung zum CPH"

Gerstner ist überzeugt, dass die im KCI-Entwurf vorgeschlagenen Nutzungen (Hotel mit Gastronomie, Gaststätte, Café und Hessenshop) hervorragend zur Belebung beitragen würden. Sie passten zudem „als notwendige und lang ersehnte Ergänzung zum CPH“ optimal an diesen Ort. Auch die Nutzung des Kanzleigebäudes als Seminarhaus wirke belebend, ist Gerstner überzeugt und findet die im Wettbewerb geforderte offene Nutzung für alle Hanauer optimal umgesetzt.

An der städtischen Kritik der von KCI vorgeschlagenen Bebauung des Schlossplatzes macht Gerstner mehrere Störfaktoren aus: Die Aussage, wonach der Städtebau nach 1945 als Maßstab heranzuziehen sei, verbietet sich seiner Ansicht nach, denn sie stünde einer Bebauung generell im Wege. Im Übrigen würden „die maßstäblichen Vorgaben jener Zeit (...) nicht eingehalten“, gibt er zu bedenken.

Städtebau müsse sensibel geschehen

Das zweigeschossige Haus des Handwerks definiere auf dem Platz die Geschossigkeit der Bebauung nach 1945. Mit einer dreigeschossigen Bebauung Richtung Kanzleigebäude und einer viergeschossigen zum Fronhof (mehr als ein Geschoss höher als die Stadthalle) negiere man jeden städtebaulichen Bezug, findet Gerstner. Städtebau müsse sensibel und mit Bezug zu diesem bedeutsamen Ort geschehen. Er könne auch nicht aus dem Städtebau der Aufbauleistung nach 1945 abgeleitet werden.

Die ins Feld geführte beispielgebende neue Bebauung durch das CPH an der nördlichen Seite des Platzes sorgt laut Gerstner nach übereinstimmender Meinung für eine wohltuende Fassung des Schlossplatzes Richtung Norden. „Diese neue Bebauung steht an der Stelle des ehemaligen Stadtschlosses. Position und Dimension folgen dem historischen Vorbild. Das ist gut so. Das gefällt“, argumentiert Gerstner weiter.

Und er fragt im selben Atemzug, wieso sich eine solche städtebauliche Fassung des Platzes an der südlichen Seite verbiete. Dem Argument, dass der Städtebau nach 1945 dies nicht vorgesehen habe, darf man sich seiner Meinung nach nicht beugen. Es gelte, innezuhalten und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

Die Dimensionen müssen stimmen

Auch an Marktplatz und Freiheitsplatz sei es gelungen, die Plätze in ihrer Dimension zu erneuern, wodurch die Plätze kleiner wurden und an Aufenthaltsqualität gewannen: „Wenn die städtebaulichen Dimensionen stimmen, kann die Stadt gelingen.“

Mit der geplanten Bebauung folge KCI den historischen Proportionen im Städtebau, betont Gerstner. Dadurch glaube man, den Schlossplatz neu und besser zu fassen, den Fronhof mit angemessenen Proportionen zu rekonstruieren und an der Fronhofgasse und der Erbsengasse städtebauliche Qualitäten der Bebauung von vor 1945 in die heutige Zeit zu bringen.

Besondere Dichte historischer Bauten

Kein Ort in Hanau besitze wie der Schlossplatz mit Kanzleigebäude, Fruchtspeicher, Wasserturm und Stadthalle eine ähnliche Dichte historischer Bauten, so Gerstner weiter. Dieser Bestand biete die einmalige Chance, einen „emotional angreifenden Ort zu schaffen“, weshalb KCI in ihrem Entwurf „die Fassaden nicht in der Vergangenheit verhaftet, sondern von ihr inspiriert“ gestaltet habe. „Die Gebäude bauen eine Stadt, nicht die Fassaden“, ist der Architekt überzeugt. Ergo könne keine noch so wohl gestaltete Fassade einen falschen Städtebau heilen.

Allerdings könnten gut gestaltete Fassaden nach der sicheren Überzeugung von KCI die Aufenthaltsqualität der Stadträume aufwerten, was im Rahmen des City Konjunktur Programms mit der Verschönerung bisweilen profaner Architekturen durch Mittel der Fassadengestaltung geschehen sei.

Gerstner betont abschließend, er sei – den Vorgaben der Ausschreibung folgend – mit KCI in einer weiteren Überarbeitung bereit, gemeinsam mit Vertretern der Stadt an der Gestaltung der Fassaden zu arbeiten, und verweist darauf, dass die Zusammenarbeit zwischen einem privaten Investor und der Stadt beim Neubau des Forums bestens funktioniert habe. „Menschen haben ein sehr feines Gespür für gute Orte“, gibt sich der Architekt überzeugt. „Neben einer belebenden Nutzung sind angenehme Proportionen und ein Sinn für Gestaltung hierzu nötig. Beides hat der Schlossplatz verdient.“

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