Moderne Technik macht Brandbekämpfung effektiver: Stadtbrandinspektor Peter Hack demonstriert ein neues Einsatzfahrzeug, das über eine bis zu 30 Meter ausfahrbahre Drehleiter mit kameragestütztem Monitor verfügt. Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau

Schlossbrand: So würde die Feuerwehr heute ein Großfeuer löschen

Hanau. Peter Hack, der als Stadtbrandinspektor an der Spitze der Hanauer Wehr steht, war am 7. August 1984 im Einsatz, als Schloss Philippsruhe in Flammen stand. Der damals 25-Jährige war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Großauheim und hauptberuflich als Feuerwehrmann in Frankfurt beschäftigt.

Von Jutta Degen-Peters

Noch heute sieht er dasBild des brennenden Schlossturms vor sich, wie es sich auf der Anfahrt mit dem Löschfahrzeug über die Philippsruher Allee seinen Augen darbot. „Damals hatte man vom Westbahnhof aus kommend noch einen viel freieren Blick aufs Schloss als heute“, sagt er. Dass das Feuer so weit oben auf dem Dach war, beschäftigte ihn, denn die Leitern der Einsatzfahrzeuge reichten noch nicht so hoch.

Auf die Frage, wie die Wehr heute auf einen Brand dieser Dimension reagieren würde und wie sie darauf vorbereitet wäre, stellt er mit aller Vorsicht fest: „Eine Brandausbreitung wie damals wäre heute in diesem Umfang wahrscheinlich nicht zu erwarten.“ Seine Überlegungen stützt er auf Analysen, die aus zurückliegenden Bränden gezogen wurden sowie auf die technischen Entwicklungen im Brandschutz. Daraus zieht er folgendes Fazit:

Brandschutz:

In den Jahrzehnten nach dem Brand wurdenflächendeckend Brandschutzvorrichtungen im Schloss eingebaut.Dazu zählen Brand- und Rauchschutztüren sowie Brandschutzverkleidungen an Türen und Wänden. Auch die Löschwassereinspeisung am Haupt- und Marstallgebäude wurde erneuert.

Alarm und Ausrückordnung:

Die Feuerwehr wäre viel schneller alarmiert und vor Ort als damals. Ein Katastrophenplan regelt die nach Dringlichkeit gestaffelten Stichworte. Diese reichen von Zimmerbrand und Verkehrsunfall bis hin zu Großereignissen. „In diesem Falle hieße das Stichwort 'Brandmeldealarm Schloss Philippsruhe'“, erklärt Hack. Anders als damals wären heute mindestens zehn Einsatzkräfte plus Ehrenamtler vor Ort.

Bei besonderen Objekten wie den beiden Krankenhäusern oder bei Industrieanlagen und auch im Falle eines Schlossbrandes, Stichwort „Schloss Philippsruhe“, würden sofort die Stadtteilwehren, die Leitungsebene sowie die Technische Bereitschaft mitverständigt. Zeige sich Rauch, würden weitere Kräfte nachalarmiert. Allein in Hanau-Mitte und Kesselstadt kämen 80 Einsatzkräfte zusammen. Weitere Stadtteile würden hinzugezogen.

Ortung des Brandes:

Die Wehr wäre viel genauer über die Größe des Schadens informiert und besser vorbereitet. Denn Rauchmeldeanlagen, die überall im Schloss verteilt sind, sowie Handdruckmelder im Treppenhaus würden sehr genau melden, an welcher Stelle im Schloss sich Rauch oder ein Feuer entwickelt.

„Wenn wir ins Gebäude nicht mehr hineinkämen“, so Hack weiter, „würden wir einen Rundflug mit der Drohne unternehmen. Damit ließe sich der Brandherd genauer lokalisieren“. Langenselbold und Kahl verfügen bereits über ein solches „fliegendes Auge“. Auch für die Hanauer Wehr soll eine Drohne angeschafft werden. „Das ist die Zukunft, auch für unübersichtliche Waldgebiete“, sagt Hack.

Ausstattung der Wehr:

Die Einsatzfahrzeuge sind im Vergleich zu 1984 technisch besser ausgestattet, etwa mit einer 30 Meter hohen Leiter und mit Monitoren, die den punktgenauen Einsatz der Rohre und Schläuche und das passgenaue Dosieren der Wasserstrahlen ermöglichen. Außerdem sind sie leichter in Stellung zu bringen, etwa mit variablen Abstützvorrichtungen. Strahlrohre haben einen besseren Wirkungskreis, die Literzahl lässt sich ganz genau dosieren.

Löschwasserbeschaffung:

Als wesentlichen Vorteil sieht Hack die Möglichkeiten durch den Einsatz des Feuerlöschboots, das Hanau vergangenes Jahr für 1,7 Millionen Euro angeschafft hat. Beim Brand im August 1984 waren nach Hacks Worten viele Löschfahrzeuge immer wieder gebunden, weil sie am Main Wasser aufnehmen und nach oben transportieren mussten.

„Heute würden vom Löschboot aus Leitungen nach oben zu den Fahrzeugen gelegt“, erklärt der Stadtbrandinspektor. Im Notfall wäre es sogar möglich, über einen Teleskopmast vom Boot aus Wasser aufs Dach des Schlosses zu spritzen. Der Mast habe eine Wurfweite von fast 80 Metern.

Schutzmaßnahmen:

Je nach Lage des Brandherdes ließen sich heute Nachbar‧abschnitte abriegeln. Dazu würde eine Berieselungswand eingezogen oder ein Löschangriff von der Seite ausgeführt, erklärt Hack und bezieht sich immer wieder auch auf Brände historischer Gebäude wie den Brand von Notre Dame in Paris.

Vorbeugung:

Der Brandschutzinspektor betont, dass die Vorschrift, auch in Privathaushalten Rauchmelder einzubauen, sich für die Menschen als Segen erwiesen habe. „In 90 Prozent der Fälle sorgen diese Rauchmelder dafür, dass die Leute noch aus ihren Wohnungen rauskommen“, sagt er.

In nur zehn Prozent der durch Rauchmelder ausgelösten Einsätze lägen Fehlalarme vor. „Sonst ist es heute mittlerweile immer so, dass die Feuer durch uns noch beherrschbar sind. Das ist für die Menschen und auch für historische Gebäude eine gute Botschaft. Denn in ihnen sind oft Schätze untergebracht, die man nicht mehr ersetzen kann!“

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