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Die Parzellen des Kleingartenvereins Baumweg in Kesselstadt warten darauf, für den Frühling flott gemacht zu werden. Seit ein paar Tagen beginnt es in den Gärten zu grünen und zu blühen.

SARS-COV-2-PANDEMIE

So erleben die Mitglieder des Kleingartenvereins am Baumweg die Coronakrise

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Energisch gräbt sich die Harke durch die fest angedrückte Erde. Der Winter hat den Boden klumpig und hart gemacht. Jetzt ist die Zeit, in der Hobbygärtner beginnen, ihre Beete für die Gartensaison vorzubereiten.

Hofft auf eine schöne Blüte – Kleingärtner Mustafa Gümüser schneidet seine Rosen.

Hildegard Sommer steht vor einem ihrer Gemüsebeete in ihrem Kleingarten am Kesselstädter Baumweg. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet die Rentnerin die Parzelle seit Anfang der Neunziger. „Wir haben den Kleingarten von meinem Schwiegervater übernommen“, erzählt sie, während sie weiter harkt und sich zwischendurch immer wieder bückt, um Unkraut aus der Erde zu ziehen. Täglich kämen sie hierher. Denn dort, wo sie wohnten, im Lamboy, sei es weit weniger schön. „Und gerade jetzt, mit Corona und der Ausgangsbeschränkung, sind wir glücklicher denn je, diesen Garten zu haben.“ Sie hätten hier ihre Ruhe, sagt Harald Sommer. „Und wir sind dadurch täglich an der frischen Luft, das wird ja sogar empfohlen.“ 

Der Rentner hat bereits das Frühbeet flott gemacht. Er hebt den Deckel an und präsentiert stolz die kleinen Kohlrabipflanzen, die dort, geschützt vor Kälte, wachsen. Im Beet daneben sind die Zwiebeln bereits gesteckt. „Die Kartoffeln müssen noch ein bisschen warten, dafür ist es im Moment noch zu kalt“, erklärt Hildegard Sommer. Auch die Paprika dürfen noch nicht raus, sie warten im Gewächshaus auf den richtigen Zeitpunkt für den Umzug nach draußen. „Wir fühlen uns in unserem Garten sicher“, sagt das Ehepaar. Dankbar seien sie, dass sie den Garten haben, und sich nicht auf ihre Wohnung beschränken müssten. 

Parzellen sind zwischen 260 und 290 Quadratmeter groß

Thorsten Stork ist der Vorsitzende des Kleingartenvereins am Baumweg. Am Montagvormittag ist der Elektriker beruflich eingespannt. „Ich arbeite trotz Corona“, lacht er, „sonst hätten wir keinen Strom.“ Am Nachmittag wird auch er in seiner Parzelle vorbeischauen. Am Wochenende, erzählt er am Telefon, sei viel los gewesen in der Anlage. „Allerdings nicht so viel wie an einem normalen Frühlingswochenende. Die Leute halten sich wohl ein wenig zurück, sind vielleicht verunsichert“, mutmaßt er. Froh sei er, dass die Gärtner untereinander den auferlegten Mindestabstand einhielten. „Gut ist, dass sie sich über den Zaun hinweg trotzdem unterhalten können. Denn soziale Kontakte sind wichtig.“ 

Parzellen in der Kleingartenanlage am Baumweg sind im Schnitt zwischen 260 und 290 Quadratmeter groß. Ein Drittel davon darf laut Satzung als Ackerland bestellt werden. „Jetzt, im Frühling, haben wir hier alle zu tun. Vor allem muss der Boden umgegraben werden, das Unkraut muss beseitigt werden und teilweise kann auch schon ins Frühbeet gesät werden“, erklärt der Kleingärtner. Er selbst sei über jede Minute froh, die er zur Zeit auf der Anlage verbringen könne. „Ich habe eine Wohnung ohne Balkon. Mir würde die Decke auf den Kopf fallen, müsste ich in diesen schweren Zeiten nur daheim sitzen. Also komme ich in meinen Garten, da gibt es immer was zu tun und wenn es nur das regelmäßige Gießen ist“, so der 51-Jährige, der dem Verein seit fünf Jahren voransteht. 

Veränderungen durch die Corona-Krise

Für die Vereinsarbeit bringe die Coronakrise freilich einige Veränderungen mit sich. So habe etwa die Jahreshauptversammlung verschoben werden müssen. Auch sämtliche Vermietungen des Vereinsheims seien gestoppt worden. Und auch der sonntägliche Frühschoppen der Kleingärtner falle auf absehbare Zeit aus. Viele Mitglieder wie etwa Helmut Glöckner, ein Urgestein des Kleingartenvereins, sind jetzt täglich im Baumweg anzutreffen. „Es muss gegossen werden, und an der Hütte ist auch etwas zu machen“, sagt der Rentner, der seinen Garten seit über 60 Jahren hat. 

Wie auf einer Perlenschnur sind die Zwiebeln aufgereiht, die Harald Sommer hier steckt.

Auch Mustafa Gümüser ist täglich hier. „Zu Hause ist es doch langweilig, gerade jetzt, wo man nicht mehr rausgehen soll. Da komme ich hierher, genieße die Sonne, die frische Luft und schneide schon mal meine Rosen.“ Vorsitzender Stork und die anderen Kleingärtner hoffen, dass diese Möglichkeit der Beschäftigung und des Rauskommens nicht eingeschränkt wird.

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