Der Umwelt zuliebe: Peter Krebs freut sich über den großen Zusammenhalt unter den Händlern bei der Suche nach kompostierbaren Verpackungen. Foto: Jasmin Jakob

Hanau

Das sagen Händler und Kunden zum plastikfreien Wochenmarkt

Hanau. Dass der Hanauer Wochenmarkt einmal komplett auf Plastik verzichten könnte, scheint eine Utopie. Zu dieser Einschätzung gelangt Peter Krebs, der Vorsitzende des Wochenmarktvereins. Dennoch blickt er optimistisch in die Zukunft.

Von Jasmin Jakob

Mit der vierwöchigen Testphase, die am Mittwoch angelaufen ist, sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. Elf Marktbeschicker verschiedener Sparten testen in den kommenden Wochen 100-prozentig abbaubare Alternativen zu Einwegplastikverpackungen, um ab 2020 komplett darauf verzichten zu können.

Allerdings zeigten sich bereits am ersten Tag große Herausforderungen in der Praxis, sodass die teilnehmenden Stände nur zum Teil darauf verzichten konnten. Vieles – wie etwa die Blumen aus Holland, Burgerbrötchen oder Käse – werde bereits in Plastik verpackt angeliefert, wobei die luftdichte Verpackung die Haltbarkeit der Produkte deutlich verlängere.

Hanauer Marketing GmbH trägt die Kosten

Trotz aller Schwierigkeiten wird das Ziel klar ins Auge gefasst: „Wir wollen nicht nur der schönste, sondern auch der umweltfreundlichste Markt werden“, sagt Krebs. Er ist der Inhaber von Beyer's Imbiss und testet somit die Tauglichkeit der Verpackungsalternativen in diesem Segment. „Die Resonanz der Kunden war bisher sehr positiv Man merkt, dass sich das Umweltbewusstsein stark gewandelt hat und dass jeder zu einer Verbesserung beitragen möchte,“ resümiert der Vereinsvorsitzende. Die Kunden seien durchaus bereit, für umweltfreundliche Verpackungen Mehrkosten von zehn bis 20 Cent zu zahlen.

Während der Testphase trägt die Hanauer Marketing GmbH die entstehenden Kosten, die sich laut Krebs auf 2000 Euro belaufen. „Natürlich sind die alternativen Verpackungen deutlich teurer im Einkauf“, erklärt er. Wer die Kosten nach der Testphase trägt, müsse noch ausgelotet werden. Vorstellbar wäre, dass die Kosten unter den Händlern, den Kunden, der Hanau Marketing GmbH und eventuellen Sponsoren aufgeteilt werden.

In Beyer's Imbiss sind Piekser für Pommes, die vorher aus Plastik waren, nun aus Holz, Schalen aus Zuckerrohr und Löffel aus Polymilchsäure. 80 Prozent der Speisen könnten so, wenn sich die Alternativen bewähren, ohne Einwegplastik verkauft werden. Allerdings ist die für die Testphase ausgewählte Variante nicht hitzebeständig. Deshalb müssen warme Gerichte zum Mitnehmen wie Schaschlik oder heiße Soßen noch in Plastik herausgegeben werden.

Für den Feinkosthändler Calgar Bozkurt war die Hitze am vergangenen Wochenende ein großes Problem – ihm sind bei den sommerlichen Temperaturen die kompostierbaren Behältnisse geschmolzen. Auch hat sich die runde Form im Vergleich zur gewohnt viereckigen Plastikbox als unpraktisch erwiesen. Zwar dürfen die Kunden auch eigene Mehrwegdosen mitbringen, die am Stand mit frischen Zutaten befüllt werden, das sei aber sehr zeitaufwendig. Vor allem bei hohem Andrang am Samstag sei das problematisch.

Problematisch bei Käse und Wurst

„Wir müssen dann bei jedem Kunden bis zu zehn Behältnisse einzeln abwiegen und die Waage auf Null setzen,“ sagt Calgar Bozkurt. Zehn Prozent der Kundschaft sei auf diese Variante umgestiegen, mehr sei nicht praktikabel. Grundsätzlich findet er es gut, auf diese Weise Plastikmüll zu vermeiden. Er macht sich aber auch keine großen Hoffnungen, adäquate Alternativen zu finden. Schließlich verändert sich auch die Haltbarkeit der Produkte in den abbaubaren Behältern. Entweder müssen die Lebensmittel in 72 Stunden aufgebraucht oder umverpackt werden.

Das kann einen Wettbewerbsnachteil mit sich bringen. „Mir würde der Käse austrocknen, wenn ich komplett auf Plastik verzichte“, erklärt Ute Geisel, die an ihrem Stand italienische Wurst und Käse verkauft. Auch die Hygienevorschriften sprächen gegen einen kompletten Verzicht. Mitgebrachte Mehrwegdosen kommen bei ihr deshalb auch nicht hinter die Theke. In diese kann nur das gepackt werden, was nicht gewogen werden muss. Durch die Testphase hat sie neues beschichtetes Papier, in das sie Aufschnitt einpacken kann. „Das ist eine gute Sache. Wir machen das, was machbar ist“, sagt sie.

Positive Rückmeldungen

Bei Fischfeinkosthändler Feyh sieht die Bilanz positiv aus: „Wir können bis zu 100 Plastikbecher am Tag vermeiden.“ Allerdings hat er seine Kunden darum gebeten, ihm eine Rückmeldung dazu zu geben, ob sich die alternativen Verpackungen für Salate, Matjes und Co. bewähren. „Das werden wir frühestens am Samstag erfahren“, sagt Peter Feyh.

Auch die Kunden bewerten die Initiative der Stadt als durchweg positiv. Erika Herbert zum Beispiel geht gerne regelmäßig auf den Markt und nimmt auch eigene Dosen zum Einkaufen mit. „Wenn sich die Leute dran gewöhnen, geht der Trend zum Mehrweg“, hofft sie. Bei spontanen Einkäufen möchte sie in Zukunft eher daran denken.

"Druck auf Industrie erhöhen"

Auch Peter und Irmhild Herget achten schon seit einiger Zeit darauf, nicht so viel in Plastik Verpacktes einzukaufen und gehen deshalb gerne auf den Markt. Da das Befüllen von mitgebrachten Mehrwegbehältnissen jedoch uneinheitlich gehandhabt wird, haben sie es noch nicht selbst ausprobiert. „Man hört oft, dass das wegen Hygienevorschriften nicht erlaubt ist. Das ist sicher oft überzogen, aber man weiß ja wirklich nicht, was in den Dosen war“, meint Irmhild Herget. Sie alle haben wie die Arbeitskolleginnen Marion Wilzbach und Isabelle Schwienhagen immer eine Einkaufstasche dabei, kaufen gerne loses Obst und Gemüse und setzen auf Pfandflaschen. „Klar ist es schwer, zu 100 Prozent auf Plastik zu verzichten, ich kasteie mich auch nicht selbst, aber ich gehe schon sehr bewusst einkaufen“, sagt Wilzbach.

Die Bereitschaft etwas zu verändern, ist also sowohl seitens der Händler als auch seitens der Kunden vorhanden. Das sieht auch der Vorsitzende des Marktvereins: „Jetzt müssen wir nur noch den Druck auf die Industrie erhöhen“, fordert Krebs und lacht.

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