Ältere Fahrzeuge der HSB sollen im kommenden Jahr ersetzt werden. Archivfoto: Schlitt

Hanau

HSB rüstet sich für die Zukunft

Hanau. Wie stellt sich die Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB) auf die Herausforderungen der stetig steigenden Bevölkerungszahl und auf den zunehmenden Individualverkehr ein? Die Diskussion darüber hat inzwischen begonnen und nimmt mit Bekanntwerden von Einzelheiten zur künftigen Buslinienplanung an Fahrt auf.

Von Reinhold Schlitt

HSB-Geschäftsführer Thomas Schulte sagte unserer Zeitung: „Angesichts der rasanten Veränderungen in unserer Stadt, insbesondere mit Blick auf die Zunahme der Wohnbevölkerung und der Schaffung neuer Wohnquartiere, müssen wir unser Angebot erweitern und auch verändern. Da führt kein Weg dran vorbei.“ Konkret meint dies die Planung für die nächsten drei bis vier Jahre.

Zu den zentralen Punkten zählen die Anbindung des künftigen Wohngebietes Pioneerpark mit bis zu 5000 Menschen im Stadtteil Wolfgang an das Busliniennetz. Aber auch der Anstieg des Individualverkehrs in Hanau stellt die HSB vor neue Herausforderungen, zumal an neuralgischen Punkten wie der Wilhelmsbrücke im Stadtteil Lamboy und an der Steinheimer Brücke, wo der Fahrzeugrückstau in Spitzenzeiten des Berufsverkehrs beträchtlich zugenommen hat. Darunter leidet auch die Pünktlichkeit der HSB-Busse auf einigen Linien.

„Der Individualverkehr hat eindeutig zugenommen“

Dr. Achim Knips von der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schüchtern bestätigte dem HANAUER ANZEIGER: „Der Individualverkehr hat in Hanau eindeutig zugenommen. Das können Sie an der Entwicklung der Ein- und Auspendlerzahlen ablesen. Die Ursachen sind vielfältig. So steigt zum Beispiel auch in unserer Region die durchschnittliche Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Auch das Einkaufsverhalten hat sich, etwa durch große Einkaufszentren in Hanau, verändert. Solche Zentren ziehen mehr Menschen mit dem Auto von außerhalb und aus der Stadt selbst an.“

HSB-Chef Schulte: „Wir sind dabei, uns alle Buslinienführungen und Fahrplantaktungen genau anzuschauen. Schon jetzt ergibt sich, dass es auf einigen Linien Veränderungen geben könnte, etwa bei Haltestellen, die kaum frequentiert werden oder auf Strecken, bei denen wir die Taktdichte nachbessern können.“

Linie 6: Einführung eines On-demand-Systems wird erwogen

Er bestätigte beispielsweise Überlegungen der HSB, die Linie 6 zwischen Großauheim und Klein-Auheim nur noch bis zur Waldsiedlung fahren zu lassen, weil das Busangebot auf der übrigen Teilstrecke kaum genutzt werde. Davon ausgenommen wäre allerdings der Schulbusverkehr. Fahrplandisponenten wie Fahrgäste klagen hier über häufige Verspätungen wegen des Bahnübergangs auf der Strecke. Stattdessen wird die Einführung eines sogenannten On-demand-Systems zwischen Klein-Auheim und Großauheim erwogen, eine Art Fahren auf Abruf ohne festen Fahrplan. Die Anforderung des Fahrzeugs würde dann elektronisch über das Smartphone erfolgen.

Doch noch ist nicht klar, ob und wie dieser Plan umgesetzt wird, zumal noch ein geeigneter Softwareanbieter ausgewählt werden muss. Auch wird über die Akzeptanz eines solchen Systems bei älteren Menschen diskutiert. On-demand selbst ist in der ÖPNV-Landschaft allerdings kein Fremdwort mehr. Es gibt solche Systeme bereits in anderen Städten, und sie sind ein wenig mit den Anruf-Sammel-Taxen (AST) vergleichbar, die auch in Hanau seit knapp zehn Jahren verkehren – anders als bei On-demand, aber zu festen Zeiten und auf festen Routen. Das AST-System selbst soll durch die HSB künftig noch stärker beworben werden, weil die Auslastung nicht auf allen Routen gleichmäßig ist.

Fahrleistung könnte um bis zu zehn Prozent steigen

Alles in allem könnte die Fahrleistung der HSB nach eigener Prognose in den nächsten drei bis vier Jahren um bis zu zehn Prozent steigen. Das würde bedeuten, dass – unabhängig von der gegenwärtigen Erneuerung der Fahrzeugflotte – zwischen drei und fünf zusätzliche Busse und damit auch zusätzliches Personal benötigt wird. Schulte spricht von einer großen Herausforderung: „Wenn Sie berücksichtigen, dass im öffentlichen Nahverkehr bundesweit bis zum Jahr 2030 für jede zweite der insgesamt 80 000 Busfahrerstellen Leute gesucht werden, dann können Sie erahnen, dass dies auch für uns in Hanau eine große Aufgabe darstellt.“

Im Moment sind bei der HSB zwar alle Fahrerstellen besetzt, dennoch wird neues Personal gesucht. Dabei geht der Nahverkehrsbetrieb auch ungewöhnliche Wege. So werben Mitarbeiter mit ihrem eigenen Konterfei auf den Heckflächen von vier Fahrzeugen für neue Kollegen. Ein großes Thema ist auch die Erneuerung der bislang 59 Fahrzeuge umfassenden Omnibusflotte der HSB. Im Frühjahr und Herbst des nächsten Jahres werden – wie berichtet – jeweils sieben neue Fahrzeuge mit der Euro-Abgasnorm 6 in Betrieb genommen. Im Jahr darauf sollen drei Gelenkbusse mit dem neuen Abgasnormstandard folgen. Diese Neuanschaffungen sollen ältere Fahrzeuge mit der Abgasnorm 3 ersetzen.

Praxistests für Elektrobusse

Parallel dazu laufen große Praxistests für Elektrobusse. Seit Oktober wurden bereits vier Fahrzeuge getestet, ein weiterer Elektrobustest steht noch im Kalender. Im kommenden Jahr geht die Testreihe weiter, dann auch mit einem Hybridfahrzeug. Die Versuche sind aufwändig, weil die Fahrzeuge ihre Leistungsfähigkeit sowohl im Sommer als auch im Winter unter Beweis stellen müssen. Bei den Auswertungen geht es zum Beispiel um die Frage, wie viele Kilometer ein solcher Elektrobus im üblichen Linienbetrieb „schafft“, ob also eine Einmalaufladung im Depot ausreichen wird.

Zusätzlich will die HSB auch in ihrem vorhandenen Bestand schauen, bei welchen Bussen eine Nachrüstung auf die Euronorm 6 sinnvoll ist. Im Fokus stehen hier insgesamt 19 Fahrzeuge, die bereits der Euronorm 5 entsprechen. Entscheidend ist bei jedem Bus jedoch, ob eine Umrüstung auch wirtschaftlich ist. „Wenn wir drei bis fünf dieser Fahrzeuge nachrüsten können, bin ich schon zufrieden“, sagt HSB-Chef Schulte. Die Macher haben sich einen engen Zeitplan für die Realisierung des neuen Nahverkehrsplans gesetzt: Spätestens bis zum Winterfahrplan 2019/2020 soll das neue Busliniennetz – zumindest in Teilen – umgesetzt sein.

Am Mittwoch, 21. November, befasst sich der Ortsbeirat Großauheim/Wolfgang ab 19.30 Uhr auch mit dem Streckenverlauf der Buslinie 6.

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