Ehrenmitglied Inge Trott taufte den Doppelsitzer beim Stiftungsfest der HRG auf den Namen „Unsinkbar“. Foto: Thomas Seifert

Hanau

Rudergesellschaft feiert 140. Stiftungsfest

Hanau. Eine doppelte Bootstaufe, eine ganze Reihe von hochrangigen Ehrungen, die Übergabe der Ulrich-Chronik an den Hanauer Geschichtsverein und prominente Gäste bildeten den würdigen Rahmen des 140. Stiftungsfests der Hanauer Rudergesellschaft 1879 am und im Bootshaus am Main.

Von Thomas Seifert

Da der Verein seit einem Jahr ohne Vorsitzenden auskommen muss, hatte das amtierende Vorstandstrio Nicola Dekorsky-Maibaum (Verwaltung), Berthold Ocker (Sport) und Werner Marquardt (Finanzen) zusammen mit vielen Helfern des über 300 Mitglieder zählenden Vereins das Fest organisiert.

Ulrich-Chronik dokumentiert Geschichte seit Gründung 1879

Die einzige Quelle, um die Geschichte der HRG von der Gründung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nachzeichnen zu können, ist die Ulrich-Chronik, die von HRG-Mitglied Georg Ulrich im August 1946 als „Ausgebombter im Massenlager Gross-Krotzenburg“ handschriftlich verfasst worden ist. Henrik Lotz, Ehrenvorsitzender der HRG und des Deutschen Ruderverbands, hatte die Kladde in einer Kiste mit Büchern vor vielen Jahren entdeckt und bei sich verwahrt. Nun sei es an der Zeit, so Lotz im Gespräch mit unserer Zeitung, dass dieses einzigartige Stück dem Geschichtsverein Hanau übergeben werde, denn es handele sich um ein wichtiges Dokument zur Vereins- aber auch zur Stadtgeschichte.

Mit der Taufe von zwei Booten vor dem Vereinsheim am Main – nach Neubau, Umbau, Wiederaufbau und Anbau das achte Vereinsheim der HRG – begann das Stiftungsfest, zu dem sich zahlreiche Ehrenmitglieder des Vereins, des Hessischen und des Deutschen Ruderverbands angesagt hatten. Da die Jugendarbeit und die Kooperation mit der Hohen Landesschule – sie besteht seit 1904 – einen Schwerpunkt der Vereinsarbeit bilden, werden die beiden Boote künftig von der Ruderjugend benutzt.

"Unsinkbar": Neuer Doppelzweier getauft

Ehrenmitglied Inge Trott taufte einen gebraucht erworbenen Doppelzweier im Wert von knapp 15 000 Euro auf den Namen „Unsinkbar“, weil das Vorgängerboot „nach einer Landberührung nicht mehr einsatzfähig geworden war“, stellte Moderator Berthold Ocker fest. Den 4000 Euro teuren Einsitzer taufte Jürgen May, ehemaliger Vorsitzender der Sparkassen-Sportstiftung, auf den Namen „Kolibri“ und junge HRG-Mitglieder bewiesen anschließend mit der Jungfernfahrt auf dem Main, dass die Boote gute Investitionen sind.

HRG-Ehrenvorsitzender Dr. Hermann Priester, der den Verein dreimal in den 80er und 90er Jahren sowie von 2005 bis 2009 führte, betonte, dass neben der schon immer intensiven Jugendarbeit der Breitensport einen hohen Stellenwert besitze. Er nannte die Stichworte Wanderrudern für Jung und Alt, Zeltlager und große Regattaveranstaltungen. Der Verein habe aber auch immer das Leistungsrudern gefördert und könne auf eine stattliche Zahl von Weltmeistern, Europameistern und Deutschen Meistern zurückblicken, derzeitiges Aushängeschild ist dabei Johannes Lotz aus der gleichnamigen Ruder-Dynastie. Legendär seien die Feste nach dem Zweiten Weltkrieg im wieder aufgebauten Vereinsheim an Karneval gewesen, und bis heute sei der Blau-Weiss-Ball ein gesellschaftlicher Höhepunkt in der Brüder-Grimm-Stadt, der von der Prominenz, aber auch von vielen Freunden des Vereins, gerne besucht werde.

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Priester, der eigentlich aus Mülheim an der Ruhr stammt, aber seit knapp 50 Jahren HRG-Mitglied ist, erinnerte an eine Kuriosität kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Bootshaus und alle Boote komplett zerstört und an Rudern zunächst nicht zu denken war. Damals spielte man bei der HRG Tischtennis, und der Verein veranstaltete Tanzveranstaltungen, an denen man nur teilnehmen konnte, wenn man Mitglied wurde. Henrik Lotz berichtete, dass man mit einfachsten Mitteln damals versucht habe, heile Steine aus dem zerstörten Vereinsheim zu bergen und, nachdem einige einflussreiche Mitglieder Baumaterial für den Wiederaufbau organisiert hatten, die Jugendlichen am Mainufer in Zelten übernachteten, um diese „Schätze“ zu bewachen.

Einmal sei er auch eine Nacht im Gefängnis gesessen, erzählte Ehrenvorsitzender Lotz. Zusammen mit Heinz Becker, der über einen Passierschein verfügte, wollte er nach Mühlheim, weil der dortige Verein der HRG aus ihrem nicht zerstörten Bestand ein Boot zur Verfügung stellen wollte. Allerdings galt der Passierschein nur, um Material zum Aufbau der zerstörten Städte zu beschaffen und die Amerikaner setzten Lotz und Becker für eine Nacht fest, ließen sie danach aber wieder laufen. So konnten sie wie geplant das Boot aus Mühlheim auf dem Main nach Hanau rudern.

"Bindung der Mitglieder ist sehr gut"

„Es läuft gut im Verein“, schätzte Dr. Hermann Priester die Situation auch ohne amtierenden Vorsitzenden ein, die „Bindung der Mitglieder an die HRG ist sehr gut, die Jugendarbeit funktioniert, und die Schulkooperationen laufen. Inzwischen hat sich auch eine Gruppe von Ehemaligen im mittleren Alter gefunden, die einmal in der Woche zusammen rudern und aus deren Mitte sich schon Mitglieder als Funktionsträger zur Verfügung gestellt haben. Außerdem gibt es auch wieder verstärkt Wanderfahrten im Breitensportbereich, erfolgreiche Leistungssportler gehören auch dem Verein an. Ich sehe die HRG für die Zukunft gut aufgestellt“, zeigte sich der Ehrenvorsitzende sehr zuversichtlich.

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