Beim Ruderclub Hassia rumort es gewaltig. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Ruderclub Hassia: Vorsitzender tritt zurück - Krisensitzung

Hanau. Der Hanauer Ruderclub Hassia hat seine Jahreshauptversammlung beim Tagesordnungspunkt der Vorstandswahlen ergebnislos abgebrochen. Der Vorsitzende Markus Hartung hatte nach nur einjähriger Amtszeit angekündigt, nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Von Michael Bellack

Nun wird ein neuer Steuermann gesucht, der den Verein zurück in ruhige Fahrwasser führt.

Im Anschluss soll es unter den Mitgliedern zu teils emotionalen Diskussionen gekommen sein, ein Vorsitzender konnte jedoch nicht gefunden werden. Die Versammlung musste unterbrochen, soll aber noch im April fortgesetzt werden. Für heute hat der Vorstand eine sechsstündige interne Sitzung angesetzt, in der über die Zukunft des Vereins diskutiert werden soll.

Nicht genügend Kandidaten für die Vorstandsämter

Dass sich nicht genügend Kandidaten für die Vorstandsämter gefunden haben, sei „einmalig in unserer nun 115-jährigen Geschichte“, heißt es in einer Mitteilung an die Mitglieder, die dem HA vorliegt. Unterzeichnet wurde sie von Markus Hartung und dem Ehrenvorsitzenden Manfrad Matzner. Dieser gab sich optimistich, dass die Bildung eines neuen Vorstands gelingen werde.

Für zwei, drei Positionen hätten sich bereits bei der JHV Personen gefunden. Und von 210 Mitgliedern hätten sich bis Donnerstag bereits 35 für die heutige Sitzung angemeldet. „Das ist ein guter Querschnitt von der Jugend bis zur älteren Generation“, so Matzner. In die Pflicht genommen werden sollen vor allem die jüngeren Mitglieder. Matzner selbst war von 1979 bis 2005 Vorsitzender der Hassia. Dass er noch einmal das Ruder übernimmt, wollte er am Donnerstag nicht ausschließen. „Wir warten das Gespräch ab“, so Matzner.

Verschiedene Lager im Verein

Derweil scheint es im Verein verschiedene Lager zu geben. Bei der JHV soll es Kritik an der Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts gegeben haben. Die Hassia hat sich – mit sportlichem Erfolg – stark auf den Leistungs- und Schulsport konzentriert. Der Ruderclub kooperiert mit der Karl-Rehnbein-Schule. Dagegen, so der Vorwurf, sei zu wenig für den Breitensport und das Gewinnen von Mitgliedern gemacht worden.

Rainer Gimplinger, Hassia-Vorsitzender von 2005 bis 2018 und Studienleiter an der Karl-Rehbein-Schule, lässt diese Vorwürfe nicht gelten: „Im Breitensport hängt es immer an den Personen. Wenn diese engagiert sind, blüht er auf, sind diese weg, bröckelt es ganz schnell. Im Wettkampfsport ist das anders, da steht man auf einer ganz anderen Basis.“ Zu sagen, der Breitensport funktioniere nicht, weil der Leistungssport funktioniert, sei nicht korrekt.

„Es muss auch im Breitensport Leute geben, die sich engagieren.“ An diesen hat es zuletzt offensichtlich gefehlt.Matzner verwies auf eine Freizeitgruppe von rund 30 aktiven Ruderern, die sich in den vergangenen Jahren gebildet habe. Er räumte ein: „Diese stärker zu integrieren, wird eine Aufgabe des Vorstands.“

Allgemeine Schwierigkeit für Vereine, Ehrenämter zu besetzen

Gimplinger zeigte derweil Verständnis für die Entscheidung seines Nachfolgers Hartung, nach nur zwölf Monaten im Amt zurückzutreten: „Es hatte sich angedeutet. Das Ehrenamt frisst unglaublich viele Ressourcen. Natürlich bedauere ich die Entscheidung.“ Die Schwierigkeit für Vereine, Nachfolger zu finden, sei bekannt. Bei der Jahreshauptversammlung war Gimplinger nicht anwesend, Kontakt zur Hassia habe er allein aufgrund seiner schulischen Tätigkeit aber noch. Eine Rückkehr scheint für beide Seiten vorerst keine Option zu sein: „Ich bin nicht gefragt worden und könnte auch nicht sofort in die Bresche springen.“

Kritik soll es zudem daran gegeben haben, dass sich offensichtlich niemand im Vorhinein um eine Nachfolge-Lösung gekümmert hatte. Matzner räumte ein, dass Hartung seine Entscheidung erst „relativ kurzfristig“ mitgeteilt habe.

Daher habe es auch bis zur Jahreshauptversammlung „keine großen Gespräche“ gegeben. Der scheidende Vorsitzende wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung zu dem gesamten Sachverhalt nicht äußern: „Dazu gebe ich keine Auskünfte“, so Markus Hartung.

Rudergesellschaft weiter ohne VorsitzendenAuch die Hanauer Rudergesellschaft 1879 steht weiter ohne Vorsitzenden da. Frank Arnold war bereits im vergangenen Jahr zurückgetreten, auch bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung wurde kein Nachfolger gefunden. Derzeit leiten die drei stellvertretenden Vorsitzenden Berthold Ocker, Nicola Dekorsy-Maibaum und Werner Marquardt die Geschicke des Vereins. Man wolle nun die Strukturen verändern, um die Last auf mehreren Schultern zu verteilen und einen möglichen neuen Vorsitzenden zu entlasten, so Dekory-Maibaum. Einige Mitglieder seien bereit, Teilaufgaben zu übernehmen. Sollte bis zum nächsten Jahr kein neuer Vorstand gebildet sein, wolle man einen Antrag auf eine hauptamtliche Geschäftsstelle stellen.bel

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