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Abgeführt: Nach dem Urteil muss der 44-jährige Romano R. erneut ins Gefängnis – diesmal für dreieinhalb Jahre.

Angeklagter dankt für Haftstrafe

Romano R. wieder hinter Gittern – 27. Urteil gegen „beharrlichen Rechtsbrecher“

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Was an diesem Tag vor der 7. Großen Strafkammer geschieht, erstaunt alle Prozessbeteiligten. Am Morgen ist die Urteilsverkündung gegen Romano R. angesetzt. Dass der 44-jährige Hanauer erneut eine Freiheitsstrafe bekommt, scheint unausweichlich. Neben der Staatsanwaltschaft hat dies auch der Verteidiger gefordert.

„Drei Jahre und sechs Monate“, verkündet Richter Niels Höra das Strafmaß, ordnet einen neuerlichen Haftbefehl an und erläutert dem Angeklagten, der bisher in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht ist, wie es für ihn weitergeht: „Sie werden also in der Klinik in Haina entlassen und kommen dann in die Justizvollzugsanstalt.“ Das interessiert R. nun sehr: „Heute noch?“, will er wissen. „Ja, heute noch“, sagt der Vorsitzende. Und dann verblüfft Romano R. alle mit einem freundlichen „Danke schön!“ 

Während die Verurteilten meist traurig oder erschüttert sind über die Urteile und ihre Folgen, scheint dieser Mann sich zu freuen. Bereits seit der Anklage hat R. keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich danach sehnt, wieder hinter Schloss und Riegel zu kommen. „Rein in die JVA, raus, dann wieder rein in die JVA.“ So hat er die vergangenen 25 Jahre seines Lebens selbst beschrieben. 

Angeklagter wurde jedes Mal rückfällig

Dabei sind die Taten, die er in den vergangenen Monaten begangen hat, eigentlich „Kleinigkeiten“. Zwei Diebstähle, Beleidigungen, Sachbeschädigung, leichte Körperverletzung, Drogenbesitz sowie ein entrissener Rucksack im Milieu werden ihm nachgewiesen. Dafür sind dreieinhalb Jahre ein echtes „Pfund“. Aber bei diesem Vorstrafenregister bleibt den Richtern keine andere Wahl: „Sie sind ein beharrlicher Rechtsbrecher“, sagt Höra mit Blick auf die 26 Vorverurteilungen, die R. seit seinem 14. Lebensjahr „gesammelt“ hat. 

Zwar handelt es sich dabei nicht um schwere Verbrechen, aber das Ende der Fahnenstange ist nicht mehr weit, wie Höra drastisch erklärt: „Es ist nicht gelungen, auf Sie einzuwirken. Irgendwann gibt es dann nur noch die Sicherungsverwahrung.“ Das würde bedeuten, dass R. eine dann tatsächlich lebenslange Haftstrafe erwartet, denn die Sicherungsverwahrung ist auf unbegrenzte Zeit ausgelegt. Besonders bitter: Von staatlicher Seite kann R. auch nicht mehr auf Hilfe setzen. So hat die Kammer einen Drogenentzug abgelehnt. Doch das scheint sinnlos zu sein – so die Empfehlung der Gutachterin, die R. für schuldfähig, aber kaum noch therapierbar einstuft. „Sie sind jedes Mal rückfällig geworden“, stellt der Vorsitzende fest. 

Haftstrafe muss komplett abgesessen werden

Trotz aller Vorstrafen haben die Richter jeden Fall genau unter die Lupe genommen und keineswegs R. in allen Fällen für schuldig befunden, nur weil dieser bekannt dafür ist. So bleibt am Ende eine gehörige Portion Ratlosigkeit zurück. „Wir wollen Sie hier nicht wiedersehen – aber das liegt an Ihnen“, gibt Richter Höra R. mit auf den Weg, bevor er von den Wachtmeistern in Handschellen abgeführt wird. Auch ein Ermittler der Polizei, der R. seit vielen Jahren kennt ist erstaunt: „So eine Fülle von Taten habe ich auch noch nicht erlebt“, meint der Kriminalist, der wohl das komplette Strafregister des 44-Jährigen kennt. 

Am Ende bleibt nur eine vage Sicherheit: In den kommenden dreieinhalb Jahren wird wohl keine neue Eintragung hinzukommen, weil R. die Haftstrafe wohl komplett absitzen muss. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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