Kapitulation vor den Narren: OB Kaminsky gibt am Ende auf und schwenkt die weiße Flagge vor den neuen Stadtoberhäuptern. Foto: Paul

Hanau

Rathaussturm: Hanauer Narren übernehmen die Macht

Hanau. Pünktlich um 11.11 Uhr ging am Sonntag die Jagd auf Stadtschlüssel, Stadtkasse und die Übernahme der Herrschaft über die Stadt Hanau los.

Von Reinhard Paul

Bereits vor den Toren des Schlosses zu Philippsruhe ballerten die Husaren aus allen Rohren, doch die Stadtvorderen um Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck juckte das wenig bis überhaupt nicht: „Lass die knallen, wir haben das Wetter auf unserer Seite.“

Und wahrlich – es regnete wie aus Gießkannen. Diese Tatsache aber machte der rund 400 Mann und Frau starken Narrenschar rein gar nichts aus. Mit schwenkenden Fahnen und Schunkelmusik machten sie sich singend und tanzend auf, um ihr närrisches Recht einzufordern.

Als sich dann die Narrenschar vor dem Schloss formierte, wurde es der handvoll Magistratsmitgliedern doch ein wenig mulmig zumute. Kaminsky aber überspielte die Anspannung gekonnt: „Macht euch keine Hoffnungen – wir geben dieses Jahr nicht klein bei!“ Höhnisches Gelächter von Seiten der Fordernden.

Rubens-Bild soll Kassen füllen

„Wir werden nicht weichen und wanken, wir fordern Stadtschlüssel und Stadtkasse. Wir wollen im Rathaus tanzen und singen und endlich gescheite Politik machen“, sagte Lautsprecherin Sylvia Breitkopf. Das Hanauer Prinzenpaar Thomas IV. und Nicole I. stand launig dabei und feuerte die Narrenschar an. Auch das Kinderprinzenpaar der IG Tümpelgarten, Joel I. und ihre Lieblichkeit Amy I. schunkelten kraftvoll mit.

„Ich glaube, ihr seid nicht wegen der Stadtkasse da, sondern wegen dieser tollen Frau, die in unserem Museum beheimatet ist.“ Kaminsky meinte „Susanna“, die auf einem Bild, das vielleicht vom flämischen Maler Rubens gezeichnet wurde das Innere des Schlosses ziert. Ob er deswegen die Verteidigungslinie auf die Treppen zum Schloss statt auf den Balkon verlegte? „Wenn es sich bewahrheitet, dass das ein Rubens-Bild ist, müssen wir uns um die städtische monetäre Situation keine Gedanken mehr machen“, so das Stadtoberhaupt weiter.

Stadtschlüssel übergeben

Das brachte ihm allerdings den Beifall der Narren ein. Die aber forderten weiter und nun griffen auch die Husaren in das Geschehen ein: Ohrenbetäubender Lärm und in Nebel gehüllte Feuerstöße zuckten gen Schloss. Das Trüppchen der Stadtverordneten aber zuckte nur mit den Schultern: „War das alles? Ich sehe nur viel Rauch um Nichts“, erwiderte der OB. Abermals zuckten Feuerblitze in den regenwolkenschwangeren Hanauer Himmel. Erst als die Narren die Luftwaffe in Form von mit Helium gefüllten Ballons los schickten, ergab sich die Obrigkeit und überließ den Narren ihr traditionelles Recht auf Stadtschlüssel und natürlich die leere Stadtkasse. Danach schunkelten alle gemeinsam in die Remise um den Sieg – und feierten gemeinsam die Niederlage.

„Genießt es, so lange ihr könnt“, gab der OB noch einen guten Ratschlag mit auf den Weg. „An Aschermittwoch sieht's dann wieder anders aus.“

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