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Hanau: Umbau des Neustädter Rathauses auf der Zielgeraden

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Von: Christian Spindler

Ein Blick ins künftige Foyer: Für Veranstaltungen kann es mittels Schiebewänden abgeteilt werden. Der Sandsteinboden, der ergänzt wird, ist noch unter Flies geschützt.
Ein Blick ins künftige Foyer des Neustädter Rathauses in Hanau: Für Veranstaltungen kann es mittels Schiebewänden abgeteilt werden. Der Sandsteinboden, der ergänzt wird, ist noch unter Flies geschützt. © PATRICK SCHEIBER

Die jahrelangen Sanierungsarbeiten am Neustädter Rathaus in Hanau sollen im Frühjahr dieses Jahres endlich abgeschlossen werden. Die Kosten für den Umbau sind dabei immer wieder gestiegen.

Hanau – „Wir sind froh, dass wir jetzt so weit sind, wie wir sind“, meint Hiltrud Herbst. Die Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Hanau Immobilienmanagement sagt es, in Variationen, mehrfach beim Rundgang im Neustädter Rathaus. Kein Wunder. Denn die Komplettsanierung ist Hanaus langwierigstes und auch das technisch aufwendigste und anspruchsvollste Umbauprojekt. Das  wird sich wohl auch in den Kosten niederschlagen, die bereits mehrfach gestiegen sind. Ende offen.

Im Erdgeschoss, wo beim Ortstermin gerade die großen gläsernen Türen eingebaut werden, bekommt man bereits einen guten Eindruck vom künftigen Foyer. Das wird wenig mit dem bisherigen zu tun haben. Zum einen wurden die wuchtige Treppe abgerissen und ein komplett neues Treppenhaus eingebaut. Das war eine von vielen großen Herausforderungen für Architekten, Statiker und Techniker, weil zum einen auch ein bis unters Dach reichender Aufzug Platz finden musste. Zum anderen musste im Keller mit seinem Tonnengewölbe zentimetergenau eine spezielle Lüftungsanlage installiert werden, die im Notfall für die Entrauchung der Aufgänge sorgt.

Neustädter Rathaus Hanau: Brandschutzmängel und Barrierefreiheit größte Mankos

Brandschutzmängel und fehlende Barrierefreiheit waren die größten Mankos im alten Rathaus und Grund für die umfassende Sanierung. Seit mehr als drei Jahren währen die Arbeiten am prominentesten Gebäude am Marktplatz, einem der wenigen Zeugnisse des alten Hanaus. Seit sogar neun Jahren ist das ursprünglich 1733 eröffnete Gebäude, das nach dem der Kriegszerstörung wieder aufgebaut wurde, wegen Brandschutzmängeln gesperrt. Seitdem sind Parlaments-, Magistrats- und Fraktionssitzungen ausgelagert, unter anderem in den Congress-Park.

Beim Weg vom neuen Foyer in den ersten Stock erläutern IBM-Chefin Herbst und Projektleiter Michael Mießler, dass man nach allerlei Widrigkeiten und vielem Unvorhergesehenem während der Bauphase nun „endlich auf der Zielgerade“ sei. „Hier kommt der Schriftzug ,Elisabeth-Selbert-Saal’ hin“, zeigt Hiltrud Herbst auf die gewölbte Wand im ersten Stock. Zwei Meter breit, Metallbuchstaben. Der Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung wird nach Elisabeth Selbert (1896-1986) benannt. Ihr ist es wesentlich zu verdanken, dass entgegen vieler Widerstände Artikel 3 ins Grundgesetz aufgenommen wurde: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.

Hanau: Lieferengpässe verzögern Umbau des Neustädter Rathauses

Der Saal wurde quasi „gedreht“. Die Fensterfront ist nunmehr im Rücken der Parlamentarier. Das soll für bessere Lichtverhältnisse sorgen. „Im September soll das Stadtparlament erstmals wieder im Neustädter Rathaus tagen“, sagt Tanja Berger, Leiterin des Stadtverordnetenbüros. Wenn alles klappt. Bautechnisch wohl schon. Im Frühjahr will man mit dem „Jahrhundert-Projekt“ (Hiltrud Herbst) Rathaus-Umbau fertig sein, sagt Michael Mießler. Und Corona? Nach den derzeitigen Vorgaben wäre eine Sitzung in dem nicht gerade üppig dimensionierten Saal jedenfalls nicht möglich.

Aber es ist noch Zeit. Die Baufachleute beschäftigt ohnehin anderes: Auch auf dieser Baustelle hat man, wie auf vielen anderen derzeit, mit Lieferengpässen zu kämpfen. „An einem fehlenden Lüftungsteil hängt der weitere Ausbau von Toiletten“, zeigt Mießler. Und auch die Ergänzungsplatten für den Sandsteinfußboden im Foyer, die in Italien bestellt sind, lassen auf sich warten.

Fassade mit Stacheln: Ein Schutz vor Tauben soll in Kürze am Gebäude angebracht werden.
Fassade mit Stacheln: Ein Schutz vor Tauben soll in Kürze am Neustädter Rathaus in Hanau angebracht werden. © -

Sanierung des Neustädter Rathauses in Hanau: Innen ist so gut wie alles neu

Derweil wird bereits an der Verteilung der Fraktionsbüros getüftelt. Keine einfache Sache für Tanja Berger, denn nach der jüngsten Kommunalwahl gibt es mehr Parlamentsfraktionen als zuvor. Hingegen ist im Magistratssitzungssaal die neue Technik bereits verlegt. Der große ovale Sitzungstisch soll demnächst geliefert werden, heißt es. Auch im Dachgeschoss, wo sich Besprechungsräume befinden, wird eifrig gewerkelt. Derweil muss sich Projektleiter Mießler unter anderem mit dem Feuchtgehalt des Estrichs an einigen Stellen befassen. Mithilfe von Heizlüftern musste er zuletzt gesenkt werden, damit die Fußbodenarbeiten beginnen können.

Überhaupt hat der Umbau des Rathauses, in dem innen so gut wie alles neu ist, so manche Tücke mit sich gebracht. So mussten beispielsweise Teile des Tonnengewölbes rausgenommen, Stürze und Träger eingebaut, Pfeiler durchbohrt und zur Verstärkungen mit Beton ausgegossen werden.

Tauben sorgen für Mehrkosten: Stachelreihen als Lösung für Neustädter Rathaus in Hanau

All das hat Zeit und Geld gekostet. Mießler: „Da sind so viele Sachen, die man gar nicht sieht.“ Sachen, die aber die Kosten steigen lassen. Auf 10,5 Millionen Euro wurden vorigen Sommer die Kosten beziffert – 1,27 Millionen mehr als in der letzten Rechnung davor. Und jetzt? Es dürfte noch mal was dazu kommen. IBM-Chefin Herbst will aber vorerst keine neuen Zahlen nennen, so lange noch nichts feststeht.

Für Mehrkosten sorgen auch die Stadttauben, die schon in der Vergangenheit Ärger machten, weil sie sich in großer Zahl in den Rohbau eingenistet hatten. Eine Spezialfirma musste die Hinterlassenschaften beseitigen. Und auch die Mauervorsprünge und Fenstersimse an der renovierten Rathaus-Fassade sind schon an vielen Stellen mit Kot verdreckt. Man komme nicht umhin, so Hiltrud Herbst, überall metallene Stachelreihen zu installieren, um die Tauben abzuhalten. Für den 9. und 10. September sind Tage der offenen Türe im umgebauten Neustädter Rathaus geplant. (Christian Spindler)

Glockenspiel nun automatisiert

Zum Neustädter Rathaus (ursprünglich Baujahr 1733) gehört der 1755 ergänzte Glockenturm, der im Zuge des Rathaus-Umbaus ebenfalls saniert wurde. Darin befindet sich das Glockenspiel mit 18 Glocken. Es konnte bis zuletzt im Türmchen live gespielt werden. Darauf wird nach der Sanierung aus Sicherheitsgründen verzichtet. Nun können computergesteuert 60 Melodien abgerufen und automatisiert mechanisch gespielt werden. Festgelegte Melodien sollen wieder, wie gehabt, zu bestimmten Zeiten erklingen. Die Inbetriebnahme soll mit Wiedereröffnung des Rathauses erfolgen.

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