Bei den Kontrollen schauten sich mehrere Beamte die Autos und ihre Fahrer genau an. Fotos: Thomas Seifert

Hanau

Raserkontrolle: Wir haben die Polizei in Wolfgang begleitet

Hanau. Von langer Hand vorbereitet war eine groß angelegte Kontrolle der Polizei am Mittwochabend zwischen18 und 23 Uhr auf der Aschaffenburger Straße im Stadtteil Wolfgang in beide Fahrtrichtungen (wir berichteten kurz).

Von Thomas Seifert

Die Beamten hatten es auf Tuner, Poser und Raser abgesehen, erläuterte Alexander Schlüter von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Osthessen beim Besuch unserer Zeitung vor Ort.

Der Einsatzleiter, ein erfahrener Beamter, der solche Kontrollen seit gut fünf Jahren federführend organisiert, weiß aus eigener Erfahrung um die Dringlichkeit. „Ich wohne jenseits der Grenze in Unterfranken und fahre diese Strecke täglich. Was ich da schon erlebt habe, spottet jeder Beschreibung. Da ich dann aber noch nicht oder nicht mehr im Dienst bin, sage ich mir, 'bleib ruhig, es erwischt die Raser bestimmt an anderer Stelle'“, hofft der Beamte, der wie alle anderen eingesetzten Polizisten und Mitarbeiter von Ämtern nicht mit seinem Namen in der Zeitung erscheinen wollte.

Raser fahren vor allem im Dunkeln, wenn sie leere Straßen vermuten

Rund ein Vierteljahr Vorlaufzeit sei für solch einen Großeinsatz notwendig, um alles im Vorfeld zu koordinieren. Die Polizisten aus verschiedenen Revieren wurden von der Bereitschaftspolizei, der Stadtpolizei Hanau, Mitarbeitern des Hanauer Ordnungsamts, des Amts 32 des Main-Kinzig-Kreises und von Sachverständigen unterstützt, die vor allem ein Auge auf illegale An- und Umbauten hatten.

Nur wenige Raser und so gut wie keine Poser sind am frühen Abend auf den Straßen unterwegs, weiß der Einsatzleiter, das ändert sich aber noch mit zunehmender Dunkelheit. Die suchen sich zum Beispiel auch Zeiten aus, wenn im Fernsehen wichtige Fußballspiele laufen oder andere Straßenfeger über den Bildschirm flimmern. Dann sind die Straßen leerer und sie glauben, weniger Gefahr zu laufen, von der Polizei erwischt zu werden“, stellte der Beamte fest, „aber das wissen wir natürlich auch, dass sich die Szene gerne zu solchen Zeiten trifft und reagieren dementsprechend.“

Fahrzeug oder Nummernschilder könnten als gestohlen gemeldet sein

An der Ampelanlage vor der Haupteinfahrt zum Pioneer-Gelände auf der einen und dem Sportsfield-Gelände auf der anderen Seite winkten Beamte diejenigen Autofahrer zur Kontrolle, die an den beiden mobilen Geschwindigkeitsmessstellen, untergebracht in neutralen Pkw, aufgefallen waren. Generell gilt auf diesemTeil der Aschaffenburger Straße ein Tempolimit von 50 km/h. Auf einem Teilstück darf wegen einer Baustelle sogar nur 30 gefahren werden.

„Holt doch mal den grauen Audi mit HU-Kennzeichen heraus, der ist mit 69 km/h gemessen worden“, tönte es aus dem Funkgerät. Der Wagen kam in Sicht und wurde prompt vom zuständigen Beamten mittels einer eindeutigen Bewegung mit einer Kelle zur Kontrollstelle gelotst. Kollegen nahmen sich dann des Temposünders an, überprüften die Papiere, gaben das Kennzeichen und die Fahrgestellnummer in ein Computerterminal ein – Fahrzeug oder Nummernschilder könnten ja möglicherweise als gestohlen gemeldet sein – und schrieben je nach Vergehen einen Strafbescheid aus.

Chef der Truppe dirigierte mit Polizeiauto auffällige Fahrer zu den Kollegen

Gegen 18.30 Uhr war der Berufsverkehr in vollem Gange und viel los in beide Richtungen. Die Beamten, in Gruppen eingeteilt, hatten gut zu tun und wenn die akuten Fälle abgearbeitet waren, kam der Hinweis an die Kollegen im Messwagen, dass wieder Kapazitäten frei seien. Die taxierten die vorbeifahrenden Fahrzeuge auch auf auffällige Um- oder Anbauten und lauschten dem Auspuffgeräusch. Gab es hier Verdachtsmomente, wurden auch dieses Fahrzeuge weitergemeldet und zur Kontrolle herausgewinkt. „Die Strecke ist sehr stark frequentiert.

An der großen Kreuzung gibt es auf beiden Seiten auch genügend Platz, um die Kontrollen durchzuführen. Deshalb hat unser Einsatzleiter diesen Platz gewählt“, stellte der Social-Media-Beamte Schlüter fest.Der Chef der Truppe an diesem Abend hatte sich mit einer Polizeikelle auf der Pioneer-Seite in Richtung Hanau postiert und dirigierte die Autos, die auffällig geworden waren, zu den Kollegen.

Manche Raser werden pampig

„Im vergangenen Herbst haben wir an Ort und Stelle acht Fahrzeuge stillgelegt, die Fahrer mussten sich abholen lassen oder mit dem Taxi weiterfahren. Und einer bretterte mit sage und schreibe mit über 100 km/h in die Kontrolle“, erinnerte sich der Einsatzleiter. Er bleibt ganz ruhig, als ein Autofahrer aus dem Wagen heraus „Geldmacherei“ mault, weil er mit erhöhter Geschwindigkeit erwischt worden war.

Der Einsatzleiter reagierte völlig gelassen und antwortete: „Kontrolle auch zu Ihrer Sicherheit“. Da fiel dem ertappten Automobilisten nichts mehr ein und er schloss schnell seine Seitenscheibe. „Natürlich kommt es vor, dass die Leute pampig werden. Klärt man sie dann über ihr Vergehen auf, werden sie meistens sehr schnell still“, weiß der Polizist aus Erfahrung.

Verstöße gegen Straßenverkehrsordnung können teuer werden

Auch die Sachverständigen und die Beamten, die sich mit illegalen An- und Umbauten auskennen, hatten viel Arbeit. Nicht im Fahrzeugschein eingetragene Auspuffanlagen, zu tief gelegte und verbreiterte Fahrwerke, wo die Reifen fast an den Kotflügeln streifen, illegale Fahrten mit Überführungskennzeichen, abgelaufene TÜV-Prüfungen, ein nicht regelkonformes Kennzeichen an einem wunderschönen Ami-Schlitten – den Beamten entgeht nichts.

Und diese Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung können teuer werden, die Sanktionen reichen von geringen Geldstrafen bis zur Abgabe des Autoschlüssels und Stilllegung des Wagens. Auffallend viele hochpreisige Fahrzeuge von zumeist drei Herstellern mit oft jungen Fahrern mussten von den Beamten kontrolliert werden und viele der Fahrer oder Besitzer werden es bereut haben, ihre Karre mit viel Geld aufgemotzt zu haben, ohne sich schlauzumachen, ob das eigentlich legal ist.

Letztlich, so betonte Alexander Schlüter, dienen die Kontrollen nur der Sicherheit auf den Straßen. Und wie sagte der erfahrene Einsatzleiter: „Die Wirksamkeit von solchen Präventionsmaßnahmen lässt sich leider nicht messen. Aber wenn nur einer der erwischten Fahrer daraus etwas lernt und sich künftig regelkonform verhält, kann das schon einen möglichen Unfall mit Verletzten oder gar Toten verhindern. Aus diesem Grund lohnt sich der Aufwand und er dient natürlich auch zur Abschreckung“.

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