Die Langstraße ist heute vielbefahren. Darüber hinaus hält sich nicht jeder an die Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 Kilometern pro Stunde. Die Stadt überlegt, den Rasern mit einem System namens Actibump zu begegnen. Die Installation wäre zulässig, teilt das Land mit. Foto: Christian Dauber

Hanau

Raserfalle genehmigt: Hanau darf Actibump installieren

Hanau. Auf große Gegenliebe stößt das Actibump-System beim Land Hessen nach wie vor nicht. Aber die Raserfalle verstoße nicht gegen geltendes Recht. Das hat eine Prüfung ergeben, hat unsere Zeitung jetzt auf Nachfrage im Wirtschaftsministerium erfahren.

Von Christian Dauber

Damit hat die Stadt prinzipiell grünes Licht, die ungewöhnliche Technik in der Langstraße wie von ihr beabsichtigt zu installieren. Doch ob das geschieht, steht offenbar noch nicht abschließend fest.

Das in Schweden und Tschechien bereits eingesetzte System besteht aus einem Radarmessgerät und Stahlplatten im Straßenbelag, die sich rasch um vier Zentimeter absenken, wenn sich ein Fahrzeug zu schnell nähert. Fährt dieses darüber, poltert es recht ordentlich. Davon erhofft man sich einen Lerneffekt, ohne dass ein Schaden entstünde. 50 000 Euro kostet das System. Nach den Plänen der Stadt Hanau sollte es im Spätsommer auf der Langstraße verbaut werden; es sei bereits bestellt, hieß es im Juni.

Doch dann trat das Land Hessen auf die Bremse. Das Verkehrsministerium sah noch Klärungsbedarf, ob das System ohne Zulassung der Bundesanstalt für Straßenwesen in Eigenregie in Betrieb genommen werden dürfe. Deswegen war eine Stellungnahme beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt angefordert und später auch abgegeben worden.

Anschließend berieten sich vor wenigen Tagen das Wirtschafts- und das Innenministerium über das Vorgehen, wie Wolfgang Harms, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte. Die Erkenntnis: „Unsere Bedenken hinsichtlich Verkehrssicherheit und Lärmbelastung bestehen fort. Unsere rechtliche Prüfung hat aber ergeben, dass ein Verstoß gegen geltendes Recht nicht festzustellen ist. Daher ist die Stadt Hanau nicht gehindert, dieses System zu installieren, wenn sie zu der Beurteilung gelangt, dass es sich gegenüber den Verkehrsteilnehmern umein sachgerechtes Mittel zur Geschwindigkeitsdämpfung handelt.“

Der Stadt Hanau ist dieses Prüfungsergebnis nach eigenen Angaben noch nicht offiziell mitgeteilt worden. „Wir freuen uns, dass das hessische Verkehrsministerium offensichtlich unsere Rechtsauffassung zur Zulässigkeit des Systems teilt. Allerdings hat die Stadt bisher weder vom Ministerium noch vom Regierungspräsidium Darmstadt eine Antwort auf die umfangreichen Stellungnahmen erhalten“, lässt Stadtrat Thomas Morlock auf Nachfrage unserer Zeitung über die städtische Pressestelle erklären. „Sobald uns schriftlich vorliegt, dass es keine Einwände mehr gibt, werden wir in die interne Abstimmung gehen, ob und wo konkret das System wann eingebaut wird“, so Morlock. Ganz sicher ist also offenbar noch nicht, dass der Actibump wirklich installiert wird – und vor allem nicht an welcher Stelle in der Langstraße.

Der ADAC Hessen-Thüringen mit Sitz in Frankfurt hatte sich in der Vergangenheit skeptisch gezeigt. Es bleibe abzuwarten, ob es sich um eine sinnvolle Einrichtung handele, hatte ein Sprecher der Deutschen Presseagentur gesagt. Er befürchtete, zu erwartende plötzliche Bremsmanöver könnten den Verkehr gefährden. Auch entstehe möglicherweise Lärm zu Lasten der Anwohner. „Sinnvoller wären kostengünstigere Bremsschwellen, eine Fahrbahn-Verengung oder regelmäßige Tempokontrollen“, sagte er. Auch die Junge Union Hanau/Maintal hatte sich gegen die Installation des neuartigen Systems und für Bodenschwellen ausgesprochen. Sie hatte darüber hinaus die zu erwartenden Kosten kritisiert.

Tempomessungen hatten nach Angaben der Stadt Hanau das seit Jahren bestehende Raser-Problem nicht lösen können. Zudem koste ein fest installierter Blitzer fast dreimal so viel wie das System aus Skandinavien, hieß es. Die Stadt versicherte auch, dass Verkehrsteilnehmer, die den Actibump mit erlaubter Geschwindigkeit überfahren, nicht beeinträchtigt würden.

Anwohner können ein Lied von der Verkehrsbelastung singen. „Mit dem jetzt vorgeschlagenen Geschwindigkeitskontrollsystem lassen sich die Probleme aus dem hohen Verkehrsaufkommen sicher nicht lösen. Ein anderes Verkehrskonzept lässt weiter auf sich warten“, erklärt Reinhard Hühn gegenüber unserer Zeitung. Seit Jahren kritisieren er und weitere Anwohner die Entwicklung der Langstraße von der verkehrsberuhigten Zone hin zur stark befahren innerstädtischen Zubringerstraße.

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